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Donnerstag, 05.10.2017

Kalte Dusche für Wachauer Karpfen

In diesem Jahr sind die begehrten Tiere nicht ganz so fett. Grund ist das Wasser aus dem Flüsschen Orla.

Von Thomas Drendel

Fischwirt Frank Herrich hält einen seiner leckeren Karpfen in den Händen. Am 14. Oktober findet an seinem Teich in Wachau wieder der große Fischzug statt.
Fischwirt Frank Herrich hält einen seiner leckeren Karpfen in den Händen. Am 14. Oktober findet an seinem Teich in Wachau wieder der große Fischzug statt.

© Thorsten Eckert

Wachau. Seit 1932 wird im Wachauer Dorfteich Fischzucht auf besondere Weise betrieben. Damals schachtete der damalige Besitzer Arthur Kiesling einen Graben aus und leitete die Orla um. Seitdem fließt sie knapp an dem Teich vorbei.

In diesem Jahr ist alles etwas anders. Erstmals seit dieser Zeit fließt die Orla wieder mitten durch den Dorfteich. „Grund waren die Arbeiten am Ufer der Orla“, sagt Fischwirt Frank Herrich. Dort hatten Hochwasser die Befestigungswände unterspült. Sie drohten herabzurutschen und mit ihr Teile der Teichstraße. Inzwischen wurden die Gabionen gegen Betonwände ausgetauscht, momentan werden sie noch mit Granitsteinen verblendet. Für diese Arbeiten musste die Orla durch den Teich umgeleitet werden. „Darauf haben wir uns im Vorfeld mit der Gemeindeverwaltung verständigt“, sagt der Eigentümer des Teiches.

Dass der Durchfluss Auswirkungen auf die Fischzucht haben würde, war von Anfang an klar. „Damit läuft ja permanent kaltes Wasser durch den Teich. Es kann sich nicht so erhitzen wie sonst. Karpfen mögen es aber nun mal warm.“ Das im Sommer warme Wasser ist eine Spezialität des Wachauer Teiches. „In dieser Saison sind die Tiere etwas kleiner als in den anderen Jahren“, sagt er. Da er das vorausgesehen hat, setzte er den Sommer über etwas größere Karpfen im Teich aus. Sie wuchsen auch im kühleren Wasser zu beachtlichen Stücken heran. „Vier Kilo-Fische haben wir ganz sicher dabei. Einen solchen Brocken haben wir bei ersten Probefischen schon herausgezogen.“ Ein Rekordfisch mit 5,7 Kilo, wie er im vergangenen Jahr an Land gezogen werden konnte, wird allerdings nicht dabei sein, schätzt Frank Herrich.

Nach allem, was er im Teich gesehen hat, kann er mit der Ernte aber ganz zufrieden sein. „Der Fischotter hat zwar schon einige Tiere aus dem Wasser geholt, angefressen und dann liegengelassen. Und auch Reiher holten sich schon das ein oder andere Jungtier, aber das passiert jede Saison.“

Die Familie betreibt bereits in der dritten Generation die Teichwirtschaft in Wachau. „1932 kaufte der Großvater meiner Frau, Arthur Kiesling das Gewässer vom letzten Besitzer des Wachauer Schlosses, Gotthelf Kühne.“ 2 000 Reichsmark kostete das damals. Großvater und der Schlossherr kannten sich sehr gut. Arthur Kiesling betreute die Wasseranlage des Schlosses. Kaum in seinem Besitz entschlammte er den Teich und baute besagten Graben. Frisches Wasser bezog der Teich seitdem nur noch aus Quellen auf seinem Grund.

Arthur Kiesling erfand auch eine besondere Fangmethode. Er hob 1932 an der tiefsten Stelle des Gewässers eine Grube aus und setzte eine mit Löchern versehene Eichenkiste ein. „Wenn wir das Wasser des Teiches ablassen, dann sammeln sich dort die Fische, und wir müssen sie nur noch herausholen.“ Und die Fische der Herrichs waren zu allen Zeiten begehrt. So auch bei den sowjetischen Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg hier stationiert waren. Sie stellen den Fischdiebstahl unter Strafe. Das entsprechende Verbotsschild in deutscher und in russischer Sprache haben sie noch heute in ihrem Besitz.

Zurzeit bereitet die Familie schon das große Abfischen am 14. Oktober vor. So werden die Becken gereinigt, in die die Fische nach Ablassen des Teiches kommen. Außerdem werden demnächst zahlreiche Forellen und Welse angeliefert. „Sie werden von uns ausgenommen und geräuchert. Zum Fischzug sind sie dann frisch im Angebot.“ An dem Tag heißt es für die ganze Familie wieder die Ärmel hochkrempeln. „Dann helfen uns die Kinder und die Enkel. Insgesamt sind wir zu zwölft“, beschreibt der Fischwirt. Ab 8 Uhr werden die Karpfen, Schleie und Störe aus dem Teich geholt. Ab 9 Uhr verkaufen die Herrichs die Fische. Außerdem gibt es Fischsuppe und -semmeln.

Ab sofort Fischverkauf bei Teichwirt Frank Herrich in Wachau, Teichstraße 25a, nach telefonischer Vereinbarung, 03528 447104