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Mittwoch, 16.08.2017

„KAFFEEFEE“ aus Leidenschaft

Bereits seit 2009 ist Steffi Kujawski mit ihrer Kaffeerösterei „Kaffeefee Sachsen“ in Wüstenbrand (Hohenstein-Ernstthal) selbstständig. Sie ist anerkannt schwerbehindert.

Sie röstet Raritätenbohnen, bedient im Geschäft, führt Veranstaltungen mit Schaurösten und Kaffeeverkostung durch und betreibt einen Versand- und Auslieferungshandel. Ihren eigentlichen Beruf als gelernte Uhrmacherin kann Steffi Kujawski aufgrund einer Tumorerkrankung nicht mehr ausüben. Sie ist anerkannt schwerbehindert. Durch ihre Behinderung ist sie nicht mehr in der Lage, alle Tätigkeiten selbstständig auszuführen. Vor allem das Heben und Tragen der Kaffeesäcke und der zu versendenden Pakete, das Füllen der Röst- und Verpackungsmaschine sowie das Beladen des Autos kann sie nicht allein bewältigen. Aufgrund der eingeschränkten Feinmotorik der linken Hand sind Büroarbeiten und PC-Eingaben nur verlangsamt möglich. Auch Reinigungsarbeiten kann sie ohne Unterstützung nicht erledigen.

Steffi Kujawski stellte beim Integrationsamt einen Antrag auf Förderung einer Arbeitsassistenz. Durch den technischen Beratungsdienst vom Integrationsamt wurde zunächst geprüft, welche Tätigkeiten durch technische Hilfen erleichtert werden können. Gefördert wurde ein Lastentreppensteiger Cargomaster mit Hubeinrichtung für den Transport der schweren Kaffeesäcke aus dem Lager und für das Beladen des Fahrzeuges. Für die Bürotätigkeiten wurden eine besonders leichtgängige Kurzhubtastatur und ein Tastaturschiebepult gefördert. Da die Tätigkeiten in der Kaffeerösterei aber sehr vielfältig sind und ein hoher Anteil an Arbeiten unter Nutzung beider Hände erforderlich ist, konnten nicht für alle Leistungsminderungen technische Hilfen gefunden werden.

Beim Füllen der Röstmaschine, dem Falten und Verschließen von Kaffeetüten sowie beim Bedienen der Abfüllmaschine wird Steffi Kujawski von einer Arbeitsassistenz unterstützt.

Mit diesen Hilfen ist es ihr möglich, ihr Unternehmen trotz der Behinderung weiter zu führen. Steffi Kujawski beschäftigt drei Mitarbeiterinnen, davon ist eine Arbeitnehmerin ebenfalls schwerbehindert.

Begleitende Hilfen im Arbeitsleben

Wenn der Arbeitsplatz eines berufstätigen schwerbehinderten Menschen aus behinderungsbedingten Gründen mit einer technischen Arbeitshilfe ausgestattet werden muss, kann das Integrationsamt an den schwerbehinderte Menschen oder an seinen Arbeitsgeber Zuschüsse dafür zahlen.

Die begleitende Hilfe im Arbeitsleben umfasst: Maßnahmen und Leistungen, die erforderlich sind, um den schwerbehinderten oder gleichgestellten behinderten Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben zu sichern und Kündigungen zu vermeiden.

Die begleitenden Hilfen sollen dahin wirken, dass die schwerbehinderten Menschen

  • in ihrer sozialen Stellung nicht absinken, auf Arbeitsplätzen beschäftigt werden,
  • auf denen sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse voll verwerten und weiterentwickeln können und
  • sich am Arbeitsplatz und im Wettbewerb mit nichtbehinderten Menschen behaupten können.

Arbeitsassistenz als ein Teil der begleitenden Hilfe

Arbeitsassistenz hilft einem Menschen mit Behinderungen bei Tätigkeiten, die von ihm aufgrund der anerkannten Behinderung nicht selbstständig ausgeübt werden können.

Es geht dabei um regelmäßig und zeitlich nicht nur wenige Minuten täglich anfallende Handreichungen am konkreten Arbeitsplatz. Notwendig ist diese, wenn weder die behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung noch eine vom Arbeitgeber bereitgestellte Unterstützung (z.B. durch Arbeitskollegen) ausreichen, um dem schwerbehinderten Menschen die Ausführung der Arbeit in wettbewerbsfähiger Form zu ermöglichen.

Die Kosten für die Arbeitsassistenz werden dem schwerbehinderten Beschäftigten in Form einer Geldleistung gewährt. Auftraggeber der verschiedenen Dienstleistungen im Rahmen der persönlichen Arbeitsassistenz wird der Mensch mit Behinderung selbst. Er stellt entweder die Assistenzkraft selbst ein (Arbeitgebermodell) oder beauftragt einen Anbieter von Assistenzdienstleistungen (Auftragsmodell). Insofern ist die persönliche Arbeitsassistenz zugleich Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts sowie des Wunsch- und Wahlrechtes.

Voraussetzung ist stets, dass es um arbeitsplatzbezogene Unterstützung geht und diese notwendig ist. Als Arbeitnehmer ist der schwerbehinderte Mensch gegenüber seinem eigenen Arbeitgeber verpflichtet, seine Arbeitsleistung persönlich zu erbringen. Wie bereits das Wort „Assistenz“ zeigt, ist Arbeitsassistenz eine Hilfestellung bei der Arbeitsausführung, nicht aber die Erledigung der vom schwerbehinderten Arbeitnehmer zu erbringenden arbeitsvertraglichen Tätigkeit selbst.

Kommunaler Sozialverband Sachsen

Integrationsamt - technischer Beratungsdienst, Tel.: 0371 577 394

www.ksv-sachsen.de