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Mittwoch, 02.01.2013

Juwelendiebe sprengen sich in Fabrik

In Brasilien endet ein spektakulärer Schmuckraub im Dschungel des Regenwaldes.

Polizisten mit den Leichen der erschossenen Gangster. Von den fünf Komplizen und der Beute fehlt noch jede Spur. Foto: AFP
Polizisten mit den Leichen der erschossenen Gangster. Von den fünf Komplizen und der Beute fehlt noch jede Spur. Foto: AFP

Sie dachte, jetzt sei das Ende der Welt doch noch gekommen, berichtet eine Anwohnerin des kleinen Städtchens Cotipora im Süden von Brasilien, als sie aus dem Schlaf schreckte. Zehnmal habe es in den frühen Morgenstunden des Sonntags fürchterlich gekracht. In kurzer Folge seien die Detonationen erfolgt und sie habe sich in Sicherheit gebracht. Nur nicht weit genug.

Als weitere Explosionen ausblieben und Rauchwolken über dem Gelände einer Schmuckfabrik aufstiegen, fürchteten viele ein Unglück. Und das war es auch, besonders für ein paar Nachbarn in unmittelbarer der Nähe der Firma. Denn eine schwer bewaffnet Diebesbande sollte sie später als Geiseln nehmen. Zuvor aber sprengten sich die acht Gangster mit viel Dynamit in die Fabrik zu ihrer Beute. Das berichtete der Kommandeur der involvierten Militärpolizei.

Laut der brasilianischen Nachrichtenagentur Estados rechnete die Polizei am Sonntag sogar mit einem Überfall, weil die Beamten die Telefongespräche verschiedener Krimineller aus der Region abgehört hatten. Bloß wusste niemand um den Ort des Verbrechens – bis es krachte. Nach der Knallerei sei alles sehr schnell gegangen: Während sich die Diebe noch durch die Trümmer wühlten und ihre Beute einsammelten, umstellten Polizisten das Gelände.

Daraufhin eröffneten die Banditen das Feuer und die Polizei feuerte zurück. In dem Kugelhagel starb einer der meistgesuchten Verbrecher des Landes. Laut Medienberichten befand sich unter den mutmaßlichen Juwelendieben der 31-jährige Elisandro Rodrigo Falcão. Zwei seiner Komplizen kamen ebenfalls bei dem Schusswechsel ums Leben. Zwei angeschossene Polizisten mussten im Krankenhaus behandelt werden, befanden sich aber nie in Lebensgefahr. In dieser prekären Situation änderte die Bande ihren Plan und flüchtete. Als Schutzschilde für den Ausbruch aus der Umzingelung nahmen sie in der Nachbarschaft neun Geiseln. Zu dem Zweck hätte sich die Bande kurzfristig geteilt, berichtet „Spiegel Online“: Eine Gruppe entführte zwei Besucher einer Bar, die andere gleich eine siebenköpfige Familie, darunter auch ein Kind.

Rund 200 Polizisten nahmen die Verfolgung auf, sperrten das Gebiet ab und verhandelten später mit den Geiselnehmern. Anfangs ließen sie fünf ihrer Geiseln frei, auch soll Lösegeld gezahlt worden sein. Später entdeckte die Polizei die anderen Geiseln. Sie seien körperlich unversehrt gewesen, wurden aber zur Beobachtung ebenfalls ins Krankenhaus der Stadt gebracht.

Von den fünf Juwelendieben dagegen fehle bisher noch jede Spur, sagte der Kommandeur der Militärpolizei, Sergio Abreu. Und auch wisse niemand, wie viel Schmuck und Edelsteine die Bande überhaupt erbeuten konnte. Denn laut eines Eigentümers der Fabrik, der anonym bleiben wollte, hatte das Werk zu Weihnachten alle Aufträge ausgeliefert und würde aus Sicherheitsgründen nur wenige Vorräte in den Tresoren lagern.

Da einige Etagen des Hauses einstürzen können, dauere die Bestimmung des gesamten Schadens noch an. Dafür kam ein Heiliger in dem angerichteten Chaos heil davon, sagte der Besitzer. Die Diebe hatten vorsichtshalber sein Bild lieber von der Wand genommen und beiseite gestellt. Erst dann hätten sie die Wand gesprengt.

Der Überfall ereignete sich im Zentrum der Juwelenproduktion Brasiliens. Das Land ist der weltgrößte Exporteur von Halbedelsteinen wie Topas, Aquamarin und Amethyst. (SZ/stb mit dpa)

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