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Freitag, 09.01.2015

Junges Pflaster

Ist das Denkmal oder soll das weg? Eine Recherche könnte den Streit um ein holpriges Stück Elberadweg beenden.

Von Tobias Winzer

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Rolf Leonhardt ärgert sich als Radfahrer täglich über das holprige Pflaster des Körnerwegs. Um herauszufinden, wie alt der Pfad ist und ob dieser als Denkmal geschütztwerden muss, hat er Bücher, Akten und Rechnungen gewälzt.
Rolf Leonhardt ärgert sich als Radfahrer täglich über das holprige Pflaster des Körnerwegs. Um herauszufinden, wie alt der Pfad ist und ob dieser als Denkmal geschützt
werden muss, hat er Bücher, Akten und Rechnungen gewälzt.

© Sven Ellger

  • Rolf Leonhardt ärgert sich als Radfahrer täglich über das holprige Pflaster des Körnerwegs. Um herauszufinden, wie alt der Pfad ist und ob dieser als Denkmal geschütztwerden muss, hat er Bücher, Akten und Rechnungen gewälzt.
    Rolf Leonhardt ärgert sich als Radfahrer täglich über das holprige Pflaster des Körnerwegs. Um herauszufinden, wie alt der Pfad ist und ob dieser als Denkmal geschützt
    werden muss, hat er Bücher, Akten und Rechnungen gewälzt.
  • So sah der Körnerweg bis 1908 aus. Wegen des Baus einer großen Wasserleitung wurde er dann wesentlich verbreitert.
    So sah der Körnerweg bis 1908 aus. Wegen des Baus einer großen Wasserleitung wurde er dann wesentlich verbreitert.

Mal sind die Sandsteine groß und länglich, dann wieder klein und quadratisch. Die Zwischenräume sind manchmal so groß, dass man Angst haben muss, der Reifen eines Fahrrads würde steckenbleiben. „Der Zustand wie er jetzt ist, ist nicht tragbar“, schimpft Rolf Leonhardt. „Der Körnerweg muss dringend erneuert werden.“ Der 49-Jährige nutzt das 800 Meter lange Stück des Elberadwegs zwischen Blauem Wunder und Saloppe täglich für seinen Weg von und zur Arbeit. Er glaubt, dass die Sanierung des Weges in den vergangenen 20 Jahren nicht am Geld, sondern am Willen in der Verwaltung scheiterte und daran, dass sich niemand an den denkmalgeschützten Pfad herantraut.

Damit es nun endlich vorwärtsgeht, hat der Loschwitzer im vergangenen Sommer etliche Bücher, Akten und Rechnungen in Archiven durchforstet. „Ich wollte die Diskussion über den Körnerweg versachlichen“, sagt der Inhaber der Kronen-Apotheke an der Bautzner Straße in der Äußeren Neustadt. Vor allem wollte er herausfinden, wie alt der Weg tatsächlich ist und ob seine unebene Oberfläche überhaupt als Denkmal geschützt werden muss. Die Ergebnisse seiner Recherche könnten den Streit um den Körnerweg schlichten.

Alles fing im Sommer an mit einem Anruf im städtischen Denkmalamt. „Die Mitarbeiter dort wussten gar nicht, wann der Weg gebaut worden ist“, sagt Leonhardt. Die Suche nach einem Datum gestaltet sich danach schwieriger als gedacht. „Es gibt keine direkte Bauakte darüber, aber mehrere Indizien.“ Demnach hat der heutige Weg nicht mehr viel gemein mit dem Leinpfad, von dem aus die Schiffe mit Tauen und menschlicher Muskelkraft elbaufwärts gezogen wurden.

Wie aus Akten des Sächsischen Staatsarchivs hervorgeht, wurde der schmale Weg im Jahr 1908 auf die heutigen 3,50 Meter verbreitert, in der Höhe ausgeglichen und neu gepflastert. Von den Steinen des alten Leinpfads, die Anfang des 19. Jahrhunderts verlegt worden waren, blieb wohl kaum etwas übrig. Der Grund für die Arbeiten war damals die Errichtung des Hosterwitzer Wasserwerks und der Einbau einer Wasserleitung längs der Elbe. In den Jahren danach wurden für die Anwohner am Elbhang weitere Leitungen verlegt. 1951 oder 1952 ließ die Stadt den Körnerweg dann noch einmal pflastern.

Teilsanierung auf 2016 verschoben

„Der ständige Ein- und Ausbau von Leitungen hat die Oberfläche des Weges immer weiter verschlechtert“, sagt Leonhardt. Ursprünglich sei das Pflaster passgenau per Hand verlegt worden. Das sei dann in den 50er-Jahren nicht mehr gemacht worden. „Der Weg ist nicht schön, er ist nicht alt und er ist auch nicht denkmalpflegerisch bedeutend“, folgert der leidenschaftliche Radfahrer. Der Körnerweg sei nicht in seinem Zustand schützenswert, sondern in seiner Funktion als wichtige Verbindung zwischen Innenstadt und Loschwitz oder als Teil des Elberadwegs.

Er wünscht sich eine möglichst schnelle Sanierung – „ohne Scheuklappen“. Die Dresdner Abteilung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), in dem auch Leonhardt Mitglied ist, hat aus Forschungsergebnissen eine kleine Broschüre gemacht und diese unter anderem an die Stadt geschickt. „Der Körnerweg ist kein Denkmal, sondern einfach nur ein Weg, an dem mehr als 50 Jahre lang nichts gemacht wurde“, sagt der Geschäftsführer des ADFC Sachsen, Konrad Krause.

Der ADFC macht sich nun für eine schnelle Sanierung stark. Dabei soll die Stadtverwaltung noch einmal prüfen, ob nicht auch eine Asphaltierung – wie auf dem Elberadweg vor und nach dem Körnerweg – möglich wäre. „Die Asphaltierung ist möglich, aber wir beharren nicht darauf“, sagt Krause. Er hofft, dass die Gesamtsanierung dank der neuen Erkenntnisse schneller kommt, weil der Denkmalschutz vermeintlich nicht mehr beachtet werden muss.

Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) sieht das anders und beharrt auf der bisherigen Linie des Rathauses. „Die Forschungsergebnisse haben keinen Einfluss auf die bestehende Rechtslage“, sagt er. Eine Asphaltierung des Weges scheide aus Gründen des Denkmalschutzes aus. Der Körnerweg liege im Denkmalschutzgebiet Elbhänge. Nach Ansicht von Marx müsse deswegen „das noch vorhandene Erscheinungsbild der Straßen, Wege und Plätze einschließlich ihrer traditionellen Oberflächengestaltung und Bepflanzung“ erhalten werden. Eine Anwohnerinitiative hatte zudem immer wieder betont, dass die Sandsteine hochwassersicher seien und außerdem zur Stabilisierung der Hangmauern beitragen würden.

Unter anderem auch deswegen hält die Stadt an ihrem Sanierungskonzept für den Körnerweg fest. Nach jahrelangem Warten gibt es zumindest Pläne für die Sanierung eines 75 Meter langen Teilstücks vom Heilstättenweg in Richtung Blaues Wunder. Demnach soll entlang der Stützmauer an den Weinhängen ein 50 Zentimeter breiter Pfad mit dem alten Pflaster erhalten bleiben. Daneben kommt ein breiterer Weg mit neuen Sandsteinplatten. Da die Steine an der Oberfläche glatt geschnitten sind, soll die Strecke nach der Sanierung deutlich ebener sein. Die Kosten von 185 000 Euro trägt das Land im Rahmen der Flutschadensbeseitigung.

Ursprünglich waren die Arbeiten schon für dieses Jahr vorgesehen. Jetzt teilt Baubürgermeister Marx mit, dass sie erst im März 2016 starten. Ein konkreter Termin für den Weiterbau stehe noch nicht fest.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 29 Kommentare

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  1. Felix

    Und so etwas nennt sich Baubürgermeister. Der redet hier von einem Erscheinungsbild, was nicht geändert werden darf. So zimberlich war man etwas weiter elbabwärts aber nicht. Und dieser Eingriff war bedeutend größer.

  2. HUGO

    Man kann Hr. Leonhardt nur zustimmen und danken. Vermutlich sind es die Anwohner, die zwar in Glashäusern wohnen, aber alte Steinwege lieben. Sandsteinpflaster (geschnittne) - kann ja nicht genug kosten. Und wenn der Hang Denkmalschutzgebiet ist, weshalb dürfen dann moderne Autos den Weg befahren? Da versteckt sich doch jemand hinter dem Denkmalschutz. Na, denkmal.

  3. Siegfried Arnold

    Es ist lächerlich, wenn heutzutage ein erwachsener Mann mit einem Superbike über die Steine auf dem Körnerweg schimpft und Angst hat, in eine Rille zu rutschen. Mit diesen großen Stollen am Vollballonreifen, Sportlenker und intakten Bremsen wird dieser Weg heute viel besser zu befahren sein, als das in den vergangenen hundert Jahren der Fall war. Meine Fahrradzeit in Blasewitz/Loschwitz ging von 1940 bis 1967. Der Körnerweg war eine sehr beliebte Strecke in beiden Richtungen, und keiner wäre auf den Gedanken zu kommen, Asphalt zu fordern. - Eine echte neue Verbindungslinie wäre eine Hochuferstraße auf Stelzen vom Körnerplatz zur Waldschlößchenbrücke. DARÜBER sollte Herr Marx mal nachdenken.

  4. JE

    Vielleicht sollte sich Herr Marx auch mal aufs Fahrad setzen und diesen unsäglichen Weg entlangholpern. Das rüttelt vielleicht die verfestigten Denkmuster wieder locker. Das Erscheinungsbild des Weges kann eben nicht als völlig "traditionell" bezeichnet werden, wie die Recherche von Herrn Leonhardt belegt. Ihm ist für sein Engagement auf jeden Fall zu danken!

  5. Einradfahrer

    Baubürgermeister Jörn Marx ist doch Mitglied der CDU. Diese Christliche Partei hat "Nächstenliebe" mit als oberstes Ziel in ihrem Programm. Das sollte man auch hier berücksichtigen. Denn viele Menschen fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit oder machen kleine Ausflüge. Und gerade Menschen, die unter Rückenkrankheiten leiden, könnten bei ihren Fahrten auf diesem Weg durch das dann holprige Fahren große Rückenschmerzen bekommen. Denken die dafür Verantwortlichen auch daran. Sind solche Denkmale (?) mehr wert als die Gesundheit der steuerzahlenden Mitbürger, die solches benutzen (müssen). Ich gönne Herrn Marx Gesundheit und wünsche ihm, dass er nicht irgendwann auch einmal in die Lage kommt, mit schmerzverzerrtem Gesicht diesen Weg fahren zu müssen. Und wenn er meine Meinung teilt, so glaube ich, hat ihn unser Herrgott besonders lieb. Nächstenliebe gilt für alle und macht unser Leben auf Erden erst lebenswert, nicht wahr, Herr Hoppelwegfreund Jörn van Dräsdn!?

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