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Donnerstag, 02.07.2015

Juden in Deutschland verunsichert - Netzwerk gegründet

Nicht nur durch die Terrorattacken in Paris oder Brüssel fühlen sich Europas Juden verunsichert. Der Antisemitismus sei in der Mitte angekommen, sagen mehrere Organisationen.

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Ein Mann mit Kippa sitzt in der Synagoge in Dresden (Symbolfoto).
Ein Mann mit Kippa sitzt in der Synagoge in Dresden (Symbolfoto).

© dpa

Berlin. Ob bei der Diskussion über die Beschneidung von Jungen oder den pro-palästinensischen Demonstrationen mit antisemitischen Ausfällen - Juden in Deutschland fühlen sich zunehmend verunsichert. Im Kampf gegen Antisemitismus würden die Sicht und Empfindungen der 120 000 in der Bundesrepublik lebenden Juden zu wenig wahrgenommen, erklärten mehrere Organisationen am Donnerstag in Berlin.

Das Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum, die Amadeu Antonio Stiftung und das American Jewish Committee wollen sich nun gemeinsam gegen „das Erstarken des Antisemitismus in verschiedenen Formen“ einsetzen und die Ursachen dafür untersuchen, hieß es bei der Gründungskonferenz des Netzwerks zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus (NEBA). Nach der jüngsten Kriminalstatistik ist die Zahl der antisemitischen Straftaten in Deutschland im vergangenen Jahr um 25 Prozent gestiegen.

Komplexe Welt wird mit antisemitischen Mythen erklärt

In der überzogenen Kritik an Israel, der Darstellung der Juden als „gierige Kapitalisten“ oder in Verschwörungstheorien - antijüdische Vorurteile seien mittlerweile hoffähig, sagte Anetta Kahane von der Antonio-Stiftung. Diese Entwicklung werde von Forschung und Politik zu wenig wahrgenommen. Immer öfter würden Probleme der Welt, etwa durch die Globalisierung, mit antisemitischen Mythen erklärt.

Der Historiker Julius H. Schoeps (Potsdam) sieht eine wachsende Judenfeindschaft aus der Mitte der Gesellschaft. Die bisherigen Mittel dagegen seien „hoffnungslos unterentwickelt“.

Von einem Riss zwischen offen antisemitischen Rechtsradikalen und Populisten sprach der Wissenschaftler und Publizist Micha Brumlik. So äußere der niederländische Islamkritiker Geert Wilders immer wieder seine Sympathien für Israel, auf Pegida-Demonstrationen werde die Flagge Israels geschwenkt. Diese Entwicklung mache ihn „sehr nervös“.

Die amerikanische Holocaust-Forscherin Deborah E. Lipstadt (Emory Universität) beschrieb auf der Konferenz den modernen Antisemitismus als „dehnbare Form von Hass“. So werde der millionenfache Mord an den Juden trivialisiert, etwa in der Beschreibung der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern mit Begriffen wie „Nazi-Methoden“ oder „Genozid“. Lipstadt hatte im Jahr 2000 einen aufsehenerregenden Prozess gegen den Holocaust-Leugner David Irving gewonnen. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Sven

    Was der Artikel verschweigt, ist die direkte Korelation zwischen muslimischer Einwanderung und antisemitischen Attacken: Die deutliche Mehrheit dieser Angriffe in Westeuropa, insbesondere in Frankreich, wird von Muslimen verübt. Solange man das Problem nicht beim Namen nennt, wird man es nicht lösen. Oder ist man vielleicht gar nicht an einer Lösung, sondern mehr am Schwingen einer berühmten Keule gegen bestimmte Gruppen (Pegida etc.) interessiert?

  2. Roba

    Hat jemand Europas Juden gefragt, oder ist Das nur wieder das Geschwätz von, wie überall vorhandenen, nicht leistungsverpflichteten Funktionären?

  3. beobachter

    Es war lange zu ruhig an dieser Front. Zu lange. Endlich gibt es wieder ein gefühltes Problem, dem wir uns bußfertig stellen müssen. Worum geht es diesmal? Der doll schlimme Antisemit Grass ist ja tot. Oder ist es nur eine Art ADS?

  4. Brigitte

    Man sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen zu erwähnen, woher die antisemitischen Ausfälle in aller Öffentlichkeit der deutschen Großstädte im Juli 2014 kamen. Hier lebende Türken, Araber und andere Menschen muslimischen Glaubens skandierten u. a. " Juden ins Gas" und "Jude, Jude feiges Schwein komm heraus und kämpf allein". Ich hätte es nie für möglich gehalten, als Nachkriegsgeborene so etwas auf deutschem Boden erleben zu müssen. Die am Pariser Platz in Berlin stattgefundene Protest-Alibi-Veranstaltung,dann endlich im September, war nur noch ein widerliches Theater. Die Menschen, die diese menschenverachtenden Parolen von sich gaben, wurden nicht mal erwähnt.

  5. Frank U.F.

    So, so, das Schwenken der israelischen Fahne in Deutschland macht also Herrn Brumlik „sehr nervös“.

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