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Donnerstag, 28.09.2017

Jobvermittlung im Schnelldurchlauf

Beim Bürgermeisterfrühstück knüpfen Arbeitssuchende und Firmenvertreter Kontakte. Das ist effektiv – für beide Seiten.

Von Heike Heisig

Bürgermeister Tobias Goth (rechts) und Sylvia Fischer vom Jobcenter hatten für Mittwoch nach Leisnig sowohl Vertreter der Wirtschaft als auch Arbeitssuchende eingeladen. Ein schnelles Kennenlernen und das Vorstellen des Angebotes an freien Stellen standen im Mittelpunkt – zunächst nach Stoppuhr und mit Gong. Matthias Lütke Wenning (links) von DMI warb um Quereinsteiger, die sich beruflich verändern wollen.
Bürgermeister Tobias Goth (rechts) und Sylvia Fischer vom Jobcenter hatten für Mittwoch nach Leisnig sowohl Vertreter der Wirtschaft als auch Arbeitssuchende eingeladen. Ein schnelles Kennenlernen und das Vorstellen des Angebotes an freien Stellen standen im Mittelpunkt – zunächst nach Stoppuhr und mit Gong. Matthias Lütke Wenning (links) von DMI warb um Quereinsteiger, die sich beruflich verändern wollen.

© Dietmar Thomas

Leisnig. Kennenlernen im Minutentakt – was bei der Partnersuche ab und an funktioniert, kann auch bei der Suche nach einem neuen Job und neuen Mitarbeitern klappen. Diese Idee machen sich Mitarbeiter von Jobcenter und Agentur für Arbeit seit vergangenem Jahr zunutze. Zum inzwischen siebten sogenannten Bürgermeisterfrühstück luden sie und Leisnigs Rathauschef Tobias Goth (CDU) am Mittwoch zum ersten Mal in den Ratssaal ein.

Goths Aufruf waren Vertreter von fünf örtlichen Unternehmen gefolgt: dem Archivdienstleiter DMI, dem Drahtwarenhersteller Midrahtec, dem Sonnenschutzanbieter Brasse, der Straßenbaufirma Andrä sowie der RHG als Handelsdienstleister. „Nicht alle Firmen, die wir noch angeschrieben haben, konnten dabei sein“, so Goth. Allerdings sei die Resonanz durchweg positiv gewesen. Bei nahezu allen habe der Wunsch bestanden, sie bei einem nächsten Mal wieder zu kontaktieren.

Die Einladung der Arbeitssuchenden hatten Vertreter von Jobcenter und Arbeitsagentur übernommen. Knapp 50 Männer und Frauen, die aufgrund von Arbeitslosigkeit oder nach einer Auszeit für die Familie zurück in den Job wollen, standen auf der „Gästeliste“. Jeder bekam – anfangs tatsächlich in einem bestimmten Zeitlimit – die Möglichkeit, sich bei den Firmenvertretern über den Steckbrief hinaus gleich persönlich vorzustellen. „Damit werden ein oder zwei Schritte übersprungen“, sagte Annett Voigtländer, die beim Jobcenter für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Es entfallen der Weg zur Behörde und das Schreiben der Bewerbung sowie natürlich das Warten auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Ein solches wird in den meisten Fällen aber noch folgen. Denn den Firmenvertretern genügen die wenigen Informationen über ihren möglichen neuen Mitarbeiter selten, wie Susanne Schertler von Midrahtec bestätigte. Sie hatte Schweißer gesucht, Bewerber mit dieser Qualifikation an diesem Tag jedoch nicht gefunden. Vertan war die Zeit für sie dennoch nicht. „Der eine oder andere könnte sich auch für die Gitterfertigung eignen“, urteilte sie. Von ihnen nehme das Unternehmen nun gern Bewerbungen entgegen und biete die Möglichkeit, sich die Firma anzuschauen und ein Praktikum zu absolvieren.

Beides stellt auch Matthias Lütke Wenning in Aussicht. Er ist bei DMI für die Unternehmenskommunikation zuständig und betrachtete das Frühstück als „Markt für Quereinsteiger“. Denn DMI sei natürlich nicht mit der Vorstellung ins Rathaus gekommen, auf ausgebildete Fachkräfte zu treffen. „Das hier ist eine tolle Gelegenheit, den Arbeitssuchenden näherzubringen, sich in eine andere Branche vorzuwagen. Die direkten Gespräche können zweifelsohne helfen, Hemmschwellen abzubauen“, meinte er. „Außerdem ist es möglich“, so Annett Voigtländer, „die Abläufe zu erklären. Manch einer würde sich auf eine Ausschreibung vielleicht nie bewerben, weil er sich gar nicht vorstellen kann, was es heißt, Unterlagen zu verarbeiten und zu digitalisieren.“ Der DMI-Vertreter ist sich sicher, das Interesse einiger Arbeitsloser an einer ganz neuen Aufgabe geweckt zu haben.

Auch Antje See aus Döbeln könnte sich vorstellen, „etwas anderes zu machen“, sagte sie. Mit einem Lächeln auf den Lippen hat die 38-Jährige die Runde bei den verschiedenen Firmenvertretern abgeschlossen. „In meiner Branche als Bürokraft war zwar heute nichts dabei. Aber ich bin da flexibel.“ Der sofortige persönliche Kontakt zu mehreren potenziellen Arbeitgebern hat ihr gut gefallen. Sie würde jederzeit wieder zu solch einer Veranstaltung gehen, hofft aber, dass es dazu nicht kommt, sie vorher einen neuen Job findet. Seit drei Monaten ist sie auf der Suche.

Dass es in Leisnig ein nächstes Bürgermeisterfrühstück gibt, können sich die Vertreterinnen des Jobcenters gut vorstellen. „Denn insgesamt hat diese Vermittlungsform mehr Erfolg als andere Formate“, bescheinigte Annett Voigtländer.