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Kommentar

Jetzt wird es eng für Stanislaw Tillich

SZ-Politikchefin Annette Binninger über den Rücktritt von Kultusministerin Brunhild Kurth

30.09.2017

d es eng für Stanislaw Tillich
Annette Binninger

© Robert Michael

Spätestens mit den Ergebnissen der Bundestagswahl ist in Sachsen die einst so heile CDU-Welt ins Wanken geraten. Der Rücktritt von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) in einer der schwierigsten Phasen sächsischer Schulpolitik bringt nun erhebliche Dynamik in die ohnehin verunsicherte Partei. Und plötzlich scheint nichts mehr unmöglich. Auch nicht der Beginn des Endes der Ära von Stanislaw Tillich.

Der Regierungschef wusste seit einem halben Jahr, dass er einen neuen Kultusminister braucht. Er saß es aus. Aus Mangel an Alternativen. Wie schon seit Jahren fehlte auch diesmal ein klarer Kurs für Sachsen, nicht nur im Wahlkampf. Es gärt in der Partei. Und auch der Umgang mit der AfD verblieb in regionaler Beliebigkeit. Nicht erst, seit die OB-Wahlen in Dresden oder Pirna verloren gingen.

Noch immer versuchen viele CDU-Granden, von Sachsens glanzvoller Aufstiegs-Ära unter Kurt Biedenkopf zu zehren. Zu spät hat man erkannt, dass ein neuer, ein eigener Kurs für das Land fehlt, dass Bildung und Sicherheit nicht kaputt gespart werden dürfen – bis die Menschen sich, wie am 24. September geschehen, eine Alternative suchen.

Stanislaw Tillich gerät nun erheblich unter Druck, er muss schnellstens sein Kabinett umbauen, muss sich als Reformer präsentieren, der einen Neuanfang mitgestalten kann. Sonst braucht Sachsen schon bald nicht nur einen neuen Kultusminister, sondern auch einen neuen Regierungschef.

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