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Jetzt werden die aggressiven Krebszellen sichtbar

Dresdner Forscher lassen den Sauerstoffgehalt im Tumor zum bunten Bild werden. Das ermöglicht bessere Therapien.

18.09.2017

den die aggressiven Krebszellen sichtbar
Während der Untersuchung sorgt der Markerstoff Fmiso dafür, dass der Sauerstoffgehalt im Tumor am Bildschirm sichtbar wird.

© NCT Dresden/Philip Benjamin, Anna Bandurska-Luque

Dresden. Der Sauerstoffgehalt macht den Unterschied. Er entscheidet darüber, wie gut oder schlecht sich ein Tumor behandeln lässt. Bisher war jedoch schwer vorauszusagen, wie eine Krebsbehandlung letztlich auf einen Tumor wirken würde. Dresdner Forscher haben nun eine neue Möglichkeit entdeckt, die die Therapie effizienter machen soll. Sie setzen dabei auf farbige Bilder.

Ihre Forschungsergebnisse stellten die Forscher des Dresdner OncoRay-Zentrums, des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden und des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf nun zum ersten Mal öffentlich vor. Bei dem Projekt arbeiten sie außerdem mit dem Deutschen Krebsforschungszentrums und dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung zusammen. Im Mittelpunkt ihrer Studie stehen Tumoren der Zunge, des Gaumens und des Kehlkopfes. Mit einem radioaktiven Markerstoff namens Fmiso wird der Sauerstoffgehalt der Geschwüre sichtbar. Während einer Positronen-Emissions-Tomografie, bei der ein Bild der betroffenen Körperregion gemacht wird, zeigt er, wie hoch der Sauerstoffgehalt ist. Das Molekül lagert sich in den sauerstoffarmen Tumorbereichen an. Die Spezialkamera bildet die Anreicherung ab. Die Ergebnisse haben Auswirkungen auf die Behandlung. Kopf-Hals-Tumoren mit großen sauerstoffarmen Bereichen sind deutlich widerstandsfähiger gegenüber einer Radio-Chemotherapie als sauerstoffreiche Tumoren. Mit einer höheren Strahlendosis lassen sich die widerstandsfähigen Tumoren zwar besser bekämpfen, zugleich steigt jedoch das Risiko für Nebenwirkungen und Spätschäden. Deshalb muss sorgfältig abgewogen werden, welche Patienten für eine intensivierte Behandlung infrage kommen. Dafür bietet das neue Verfahren nun eine wichtige Grundlage.

Die Wissenschaftler haben auch herausgefunden, wann solch eine Aufnahme am aussagekräftigsten ist. „Zu Beginn der Therapie kann sich der Sauerstoffgehalt im Tumor noch stark verändern, in der zweiten Woche ist die Aussagekraft der Bilddaten wesentlich höher“, erklärt Mechthild Krause, Direktorin des Oncoray-Zentrums. „Zu diesem Zeitpunkt bleibt dann auch noch genügend Zeit, um die Behandlung anhand der Prognose anzupassen.“ Fällt diese für den jeweiligen Patienten schlecht aus, könnte die Strahlenbehandlung künftig intensiviert werden, um die Heilungschancen zu verbessern.

Mit ihrer aktuellen Untersuchung bestätigen die Forscher die Ergebnisse einer bereits 2012 am Dresdner OncoRay-Zentrum erfolgten ersten Studie. Die gemeinsamen Ergebnisse beider Studien sollen nun genutzt werden, um die bisherige Standardtherapie bei Kopf-Hals-Tumoren individueller auf Patienten mit unterschiedlich guten Prognosen zuzuschneiden. In einer geplanten Folgestudie unter Leitung von Dresden, Tübingen und Heidelberg, an der sich weitere deutsche und internationale Zentren beteiligen, wollen die Wissenschaftler die Strahlentherapie bei Tumoren anpassen, für welche die Bilder ein besonders schlechtes Ansprechen auf die Behandlung prognostizieren. „Diese Tumoren sollen mit einer zehn Prozent höheren Strahlendosis behandelt werden, als es die jetzige Standardtherapie vorsieht. So wollen wir die Heilungschancen der Patienten erhöhen“, sagt Michael Baumann, Initiator der Studien und Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums. (jam)