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Montag, 06.04.2015

„Jetzt ist jeder ein Wahlkämpfer“

Die einwanderungskritische Bürgerbewegung Pegida verzeichnet am Ostermontag wieder mehr Zulauf. Ihre OB-Kandidatin Tatjana Festerling will jetzt Dresdnerin werden.

Von Anna Hoben

Das Integrationskonzept der Stadt Dresden in Bezug auf Asylbewerber bezeichnet sie als „Zerstörungsprogramm“ und will es mit aller Macht vehindern: die OB-Kandidatin der Pegida, Tatjana Festerling.
Das Integrationskonzept der Stadt Dresden in Bezug auf Asylbewerber bezeichnet sie als „Zerstörungsprogramm“ und will es mit aller Macht vehindern: die OB-Kandidatin der Pegida, Tatjana Festerling.

© Sven Ellger

Dresden. Beim Osterspaziergang in Goethes „Faust“ tritt zum ersten Mal Mephisto auf. Beim Osterspaziergang der Pegida in Dresden ist es ein Österreicher, der sich „Dr. Alfons Proebstl“ nennt. Die Kabarett-Kunstfigur ist ein zum Anarchismus neigender Rechtskonservativer, der auf Youtube einen Videoblog betreibt, auf dem er zu Klaviergedudel in betont gelassener Art provokante Tiraden ablässt. Der rechte Satiriker ist der letzte Redner an diesem Ostermontag, und Pegida-Chef Lutz Bachmann macht noch ein Selfie mit ihm, bevor der Stargast wieder von der Bühne geleitet wird.

Proebstl, der das Publikum mit „Ladies and Germanies“ begrüßt, spricht von einem „moralischen Linksverkehr“ in Deutschland und nennt Asylbewerber „absichtlich einreisende junge Männer mit Smartphone und Rollkoffern“, die bald noch „Zehnerkarten fürs Bordell“ bekämen. Auch auf den Brandanschlag auf ein geplantes Asylbewerberheim in Tröglitz nimmt er Bezug, verharmlost und spricht von „Sachbeschädigung“. Proebstls Provokationen kommen gut an beim Pegida-Publikum, das zuvor durch die Innenstadt gezogen ist. Rund 7 100 Menschen sind es laut Polizei gewesen, vor einer Woche waren es 2 900. Zu den Rednern gehört dieses Mal auch Ignaz Bearth, ein rechtspopulistischer Schweizer Politiker, der als Sprecher der dortigen Pegida zurücktreten musste, nachdem seine mutmaßlich rechtsradikale Vergangenheit bekannt geworden war. Die Bundesrepublik Deutschland sei keine Demokratie, sondern eine „Demokratur“, grölt Bearth und lässt die Pegida-Anhänger einen „europäischen Rütlischwur“ ablegen. Viele rechte Hände gehen hoch.

Hauptprogrammpunkt der Kundgebung am Nachmittag ist indes die Verkündung der Kandidatin für die Dresdner Oberbürgermeisterwahl im Juni. „Ja, ich mache es“, bestätigt Tatjana Festerling, ehemalige AfD-Politikerin aus Hamburg. Sie wolle demnächst nach Dresden ziehen, ihre Bürgersprechstunde halte sie künftig montags ab, wenn Pegida demonstriere. „Jetzt ist jeder nicht nur Ordner, sondern auch Wahlkämpfer.“ Mit ihr habe man eine Kandidatin aus dem Volk gewonnen, sagt Pegida-Chef Lutz Bachmann. Als Oberbürgermeisterin solle Festerling dem „rot-rot-grün-versifften Stadtrat auf die Finger schauen“. Die Wahl am 7. Juni wird zeigen, wie viel Zuspruch Pegida in Dresden wirklich hat.