Samstag, 24.11.2012
Jeremie verzweifelt gesucht
Das Jugendamt in Hamburg steckte ein Kind in einen Wanderzirkus. Der Elfjährige riss aus – und ist seit Tagen verschwunden.
Mit diesem Foto fahndet die Polizei nach dem elfjährigen Jeremie. Foto: dpa
Hamburg. Wo steckt Jeremie? Der elfjährige Ausreißer ist seit Dienstag verschwunden. Mit dem Kleintransporter einer Zirkusfamilie, bei der ihn das Jugendamt unterbrachte, soll der Junge gut 100 Kilometer von Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern nach Hamburg gefahren sein. So hieß es am Anfang. Inzwischen vermutet das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte, dass das Kind Hilfe von einem Erwachsenen bekam. „Das erscheint sonst kaum möglich“, heißt es. Der Satz könnte auch auf die Vorgeschichte von Jeremies Flucht passen.
Der Junge wächst in Hamburg auf. Seine Eltern waren nach Angaben der Behörde drogenabhängig, bei den Großeltern soll er geschlagen worden sein. „Das Familiengericht hat entschieden, das Sorgerecht zu entziehen“, erklärt eine Sprecherin. Der Junge sei wiederholt aggressiv gegen sich und andere geworden.
Vor knapp zwei Jahren kommt Jeremie zu dem Wanderzirkus. Das Jugendamt Hamburg-Mitte lässt ihn dort unterbringen. Die Zirkusfamilie hat bereits sieben eigene Kinder. Die Wahl der Pflegeeltern hänge auch mit seiner Herkunft aus einer Roma-Familie zusammen, sagte die Sprecherin. „Es ist nicht gelungen, eine andere Unterbringung zu finden.“
Jeremies Mutter und Großeltern erheben nun schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt und die Zirkusfamilie. „Er hat immer wieder weinend angerufen, ist geschlagen und ausgenutzt worden“, sagte seine Mutter dem „Hamburger Abendblatt“. (dpa)
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