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Mittwoch, 27.09.2017

Jedes zehnte Kind ist zu dick

Immer mehr Kitas und Schulen setzen auf Bewegung und gesunde Ernährung. Aber nicht immer erreicht das die Eltern.

Von Maria Fricke

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Immer mehr Kinder und Jugendliche in der Region sind zu dick. Das bestätigt auch die Helios-Klinik in Leisnig, die eine eigene Kinderstation besitzt. Gerade bei Kindern fällt das Abnehmen noch leichter, da diese sich im Wachstum befinden, sagt Ernährungsexpertin Anne Güldner. Es sei jedoch wichtig, frühzeitig mit den Maßnahmen zu beginnen. „Die Eltern sollten Vorbild für ihre Kinder sein“, ergänzt Güldner.
Immer mehr Kinder und Jugendliche in der Region sind zu dick. Das bestätigt auch die Helios-Klinik in Leisnig, die eine eigene Kinderstation besitzt. Gerade bei Kindern fällt das Abnehmen noch leichter, da diese sich im Wachstum befinden, sagt Ernährungsexpertin Anne Güldner. Es sei jedoch wichtig, frühzeitig mit den Maßnahmen zu beginnen. „Die Eltern sollten Vorbild für ihre Kinder sein“, ergänzt Güldner.

© dpa

  • Immer mehr Kinder und Jugendliche in der Region sind zu dick. Das bestätigt auch die Helios-Klinik in Leisnig, die eine eigene Kinderstation besitzt. Gerade bei Kindern fällt das Abnehmen noch leichter, da diese sich im Wachstum befinden, sagt Ernährungsexpertin Anne Güldner. Es sei jedoch wichtig, frühzeitig mit den Maßnahmen zu beginnen. „Die Eltern sollten Vorbild für ihre Kinder sein“, ergänzt Güldner.
    Immer mehr Kinder und Jugendliche in der Region sind zu dick. Das bestätigt auch die Helios-Klinik in Leisnig, die eine eigene Kinderstation besitzt. Gerade bei Kindern fällt das Abnehmen noch leichter, da diese sich im Wachstum befinden, sagt Ernährungsexpertin Anne Güldner. Es sei jedoch wichtig, frühzeitig mit den Maßnahmen zu beginnen. „Die Eltern sollten Vorbild für ihre Kinder sein“, ergänzt Güldner.

Döbeln. Mittelsachsens Kinder haben immer öfter ein Problem mit ihrem Gewicht. Das geht aus den Ergebnissen der Schuluntersuchungen 2015 hervor. Laut den Daten, bei denen Körpergröße und -gewicht erfasst werden, hat im Kreis jedes zehnte Kind ein Problem mit Übergewicht oder gar Fettleibigkeit. Beobachtet hat das auch Dr. Denis Schloma, kommissarischer Chefarzt an der Helios-Klinik in Leisnig. „Es gibt eine Zunahme an Übergewichtigen, besonders in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen“, schildert der Mediziner. „Adipositas ist in dieser Hinsicht ein wirkliches Zukunftsproblem.“

Verantwortlich für die Entwicklung sind im Prinzip zwei Faktoren: Den Kindern fehlt Bewegung und sie ernähren sich falsch. „Es werden viele zucker- und fettreiche Snacks als Zwischenmahlzeiten eingesetzt. Zum Teil ersetzen sie auch ganze Mahlzeiten“, so die Erfahrung von Ernährungstherapeutin Anne Güldner. Die Snacks machen aber oft nur kurze Zeit satt, die Kinder haben schnell wieder Hunger.

Gemeinsame Mahlzeiten fehlen

Um dem entgegenzuwirken, hat beispielsweise die Kita St. Florian in Döbeln das Vesper in der Einrichtung selbst in die Hand genommen. „Wir konnten nicht mehr mit ansehen, was die Kinder mithatten“, sagt Leiterin Ute Behrisch. Seitdem sammelt die Einrichtung pro Kind 10 Cent pro Tag ein und kauft von dem Geld Brot. „Dazu gibt es oft Butter mit Gurke. Das lieben die Kinder“, sagt die gelernte Kinderkrankenschwester. Wie einige andere in der Region auch ist die Kita als „gesunde Kita“ zertifiziert. „Dafür müssen wir bestimmte Qualitätskriterien erfüllen“, sagt Behrisch. Täglich eine Obstpause, Bewegung an der frischen Luft sowie einmal pro Woche Sport gehören dazu. „Die Kinder haben ja noch einen natürlichen Bewegungsdrang“, so die Kita-Leiterin. In ihrer Einrichtung seien die meisten normalgewichtig. Vor ein paar Jahren habe das noch anders ausgesehen.

Das zeigen auch die Zahlen des Landratsamtes. So waren von rund 2 300 Schulanfängern im Jahr 2011/12 über sechs Prozent übergewichtig, fünf Prozent fettleibig. Bisher der höchste Wert. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der betroffenen Kinder gesunken. Nun scheint der Trend wieder in die andere Richtung zu gehen.

Ernährungsberaterin Güldner und Kita-Leiterin Behrisch haben auch beobachtet, dass in vielen Familien kaum noch zusammen gegessen wird. „Jeder isst, wann er möchte“, sagt Güldner. Die Kinder griffen, wenn sie Hunger hätten, vor allem zu Lebensmitteln, die schnell verfügbar sind, wie süße Joghurts. Zum Teil kennen sie den Unterschied zwischen Hunger und Appetit nicht mehr. „Sie essen aus Langeweile oder Frust“, sagt Güldner, die mit verschiedenen Ernährungsprojekten auch in Kindereinrichtungen geht und schon den Jüngsten beibringt, was gesund essen heißt. „Es ist wichtig mit den entsprechenden Maßnahmen frühzeitig zu beginnen“, sagt die Ernährungsexpertin. Da die Kinder noch wachsen, sei in ihrem Alter die Reduktion des Gewichtes noch leichter.

Dafür setzen sich auch die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ein. Sie unterstützen die Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, die gesundheitsfördernde Projekte anbieten, so Kreissprecher André Kaiser. Er verweist dabei vor allem auf die Krankenkassen, die verschiedene Programme zu Bewegung und Ernährung im Angebot haben. Wird bei den Schuluntersuchungen Übergewicht bei dem Nachwuchs festgestellt, erfolgt eine direkte Beratung zu den Ursachen und Handlungsempfehlungen an die Eltern. Leidet das Kind bereits an Fettleibigkeit, erhalten die Erziehungsberechtigten eine Überweisung zum Facharzt sowie eine Beratung zu den möglichen Folgen des starken Übergewichtes.

Kein Personal für Waldausflug

Und die sind mitunter gravierend. „Es kann zu Diabetes, Störungen im Fettstoffwechsel sowie zu Gelenkproblemen kommen“, so Anne Güldner „Nicht zu vernachlässigen sind mögliche psychische oder soziale Einschränkungen“, ergänzt Dr. Denis Schloma aus Leisnig. Die Kliniken der Region haben sich auf schwergewichtige Patienten eingestellt. So sind in Leisnig spezielle Pflegestühle sowie Krankenbetten vorhanden. Kurzfristig können Schwerlastbetten mit einer Traglast von bis zu 250 Kilogramm zur Verfügung gestellt werden. Auch im Klinikum Döbeln können Patienten bis zu 250 Kilogramm operiert werden. Die Standardbetten haben eine Traglast von bis zu 150 Kilogramm, informierte Verwaltungsdirektor Martin Preißer.

Soweit soll es bei den Kindern gar nicht erst kommen. Doch auch wenn die Kitas und Schulen viel in Richtung gesundes Körpergewicht unternehmen. Zwei Probleme bleiben: „Die Schwierigkeit liegt insgesamt darin, die Eltern der Kinder mit den Maßnahmen zu erreichen“, so Kreissprecher André Kaiser. Ines Hebenstreit, Leiterin der Kita Tierhäuschen, spricht noch ein weiteres Hindernis an: die dünne Personaldecke in den Einrichtungen. „Wenn wir in den Wald wollen, geht das nur mit einer zweiten Person in der Gruppe. Doch dafür fehlt mitunter Personal.“