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Samstag, 13.01.2018

Jeder Zweite vor Jahnschule zu schnell

Ebersbach-Neugersdorf misst mit einer Anzeigetafel das Tempo der Autos. Die Auswertung zeigt: In manchen Straßen wird gerast, in anderen nicht.

Von Gabriela Lachnit

In der Spreedorfer Straße in Ebersbach hatte die elektronische Anzeigetafel im Vorjahr das Verkehrsaufkommen erfasst und Autofahrer zur Einhaltung des Tempolimits animiert.
In der Spreedorfer Straße in Ebersbach hatte die elektronische Anzeigetafel im Vorjahr das Verkehrsaufkommen erfasst und Autofahrer zur Einhaltung des Tempolimits animiert.

© Rafael Sampedro

Ebersbach-Neugersdorf. Seit knapp zwei Jahren hat die Stadt Ebersbach-Neugersdorf einen aktiven Helfer bei der Überwachung von Geschwindigkeiten im Straßenverkehr : Eine elektronische Anzeigetafel zeigt an, ob der Kraftfahrer sich an die vorgegebene Geschwindigkeit hält oder nicht.

In den letzten beiden Jahren hat die digitale Tafel das Verkehrsaufkommen an insgesamt 366 Tagen an 20 verschiedenen Standorten in Ebersbach und Neugersdorf erfasst. Die Tafel zeigt nicht nur die Geschwindigkeit an, sondern sie speichert auch. Uwe Nikodem, Leiter des Sachgebietes Ordnung und Sicherheit bei der Stadtverwaltung Ebersbach-Neugersdorf erklärt: „Die Anzeigetafel hält genau fest, wie viele Fahrzeuge zu schnell gefahren sind. Sie speichert aber auch, wie viele Fahrzeuge insgesamt an der Tafel vorbei gefahren sind.“ Wer sich übrigens nicht an das vorgegebene Tempo gehalten hat, muss nicht mit einem Bußgeldbescheid rechnen. „Die Tafel ‚blitzt’ nicht, sie speichert auch keine Fahrzeug-Kennzeichen“, beruhigt der Sachgebietsleiter. Er hebt hervor, dass die Anzeige eher eine freundliche Mahnung an den Kraftfahrer ist, sich an das Tempolimit zu halten.

Die Erkenntnisse, die die Stadtverwaltung aus den mit der elektronischen Tafel gespeicherten Daten gewonnen hat, geben wertvolle Hinweise. So kann die Stadt dem Landkreis mitteilen, wo es sinnvoll und notwendig ist, Geschwindigkeitskontrollen und Blitzaktionen durchzuführen. „Alles mit dem Ziel, die Straßen sicherer zu machen und Raser zur Einhaltung der Regeln zu veranlassen“, sagt Nikodem. Außerdem kann die Stadt von der Höhe des Verkehrsaufkommens ableiten, ob sich möglicherweise Verkehrsströme verändern und sogar neue Verkehrsführungen erforderlich sind.

Dass in Ebersbach-Neugersdorf grundsätzlich gerast würde, kann Uwe Nikodem nicht bestätigen, auch wenn so mancher Anwohner einer Straße bisweilen das Gefühl hat, es wären zu viele „Bleifüße“ unterwegs. Nikodem kann das dank der Tafel mit Zahlen belegen: An acht von 20 Messstellen blieb die Zahl der Tempolimit-Überschreitungen im einstelligen Prozentbereich. Mitunter liegt das auch am schlechten Zustand und der Enge der Fahrbahn. Aber es gibt Ausnahmen: In der Ludwig-Jahn-Straße in Ebersbach, wo Tempo 30 vorgeschrieben ist, waren 45 Prozent der Kraftfahrer zu schnell unterwegs. „Und das vor einer Schule“, bedauert der Sachgebietsleiter. In der Amtsgerichtsstraße war sogar fast jeder zweite Autofahrer zu schnell. Auch dort gilt Tempo 30. Dass eine gut ausgebaute Straße offenbar Anlass gibt, mehr aufs Gaspedal zu drücken, lässt die Zahl von 60 Prozent Zu-schnell-Fahrern auf dem gut ausgebauten Abschnitt der Spreedorfer Straße vermuten. In der Rudolf-Breitscheid-Straße in Neugersdorf war immerhin fast ein Viertel der Fahrer zu schnell unterwegs.

Auch in diesem Jahr wird die Stadtverwaltung wieder an verschiedenen Stellen die Geschwindigkeitsanzeigetafel aufhängen. Allerdings erst, wenn es das Wetter wieder erlaubt und kein Schnee mehr angesagt ist. „Nasser, anhaftender Schnee stört die Elektronik der Tafel“, erklärt Uwe Nikodem. „Und das verhindert dann genaue Messungen.“ (SZ/gla)