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Freitag, 08.12.2017

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall

Warum jede Minute zählt und welche Therapie-Formen es gibt, erläutert Dr. Sebastian Wolf beim SZ-Gesundheitsforum am 13. Dezember in Bischofswerda.

Von Ingolf Reinsch

Dr,. Sebastian Wolf ist Oberarzt in der Medizinischen Klinik des Krankenhauses Bischofswerda.
Dr,. Sebastian Wolf ist Oberarzt in der Medizinischen Klinik des Krankenhauses Bischofswerda.

© Regina Berger

Bischofswerda. Plötzlich ist eine Körperhälfte gelähmt. Man hat von jetzt auf gleich Schwierigkeiten beim Sprechen, Sehen und oder beim Halten des Gleichgewichtes. Das können Anzeichen für einen Schlaganfall sein. In diesem Fall sollte man nicht warten, sondern sofort den Notruf 112 wählen, sagt Dr. Sebastian Wolf, Oberarzt in der Medizinischen Klinik des Bischofswerdaer Krankenhauses. „Jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Patienten sollten da nicht erst den Hausarzt konsultieren oder darauf warten, bis die Kinder von der Arbeit nach Hause kommen“, rät der Mediziner.

Beim SZ-Gesundheitsforum am Mittwoch, 13. Dezember, informiert Dr. Sebastian Wolf zum Thema. Bei einem Schlaganfall wird das Gehirn plötzlich nicht mehr richtig durchblutet. In 80 Prozent der Fälle ist daran ein Blutgerinnsel im Gehirn schuld. Es verstopft eine Ader. Die direkt hinter dem blockierten Blutgefäß liegenden Gehirngebiete bekommen keinen Sauerstoff mehr. Gehirnzellen sterben ab. Deshalb ist sofortige Hilfe notwendig. „Je schneller ein Patient behandelt wird, desto größer sind die Chancen, Folgeschäden in Grenzen zu halten“, sagt der Oberarzt. Von den ersten Symptomen eines Schlaganfalls an, bleiben ihm und seinen Kollegen effektiv nur viereinhalb Stunden, um einem Patienten mittels der hochwirksamen Lysetherapie zu helfen. Dabei werden Medikamente in die Blutbahn gespritzt, die das Gerinnsel auflösen können. So ist es möglich, die Hirnregionen, die noch nicht abgestorben sind, zu retten. Nach viereinhalb Stunden sinkt die Erfolgschance..

150 bis 200 Patienten werden jedes Jahr im Krankenhaus Bischofswerda wegen eines Schlaganfalls behandelt. Der überwiegende Teil von ihnen ist älter als 70 Jahre. Aber auch junge Menschen können einen Schlaganfall erleiden. Besonders gefährdet sind Leute mit hohem Blutdruck, Raucher, stark Übergewichtige sowie Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Darüber hinaus können auch erbliche Veranlagungen Ursache eines Schlaganfalls sein.

Mittels moderner Medizin wird Schlaganfall-Patienten im Krankenhaus Bischofswerda geholfen. Die Einrichtung ist Teil eines sachsenweiten SOS-Netzwerkes. Dafür werden auch die Möglichkeiten der Telemedizin genutzt. In der Praxis sieht das so aus: Ein Patient wird ins Krankenhaus eingeliefert und untersucht. Die Bilder der Computertomographie werden sofort der Dresdener Uni-Klinik per Internet übersandt. Dort ist rund um die Uhr ein Neurologe im Einsatz. Es folgt eine Videokonferenz mit gemeinsamer Untersuchung des Patienten. Zusammen mit den neurologischen Spezialisten stimmen die Ärzte in Bischofswerda die weiteren Behandlungsschritte ab. Wenn die besagte Viereinhalb-Stunden-Frist überschritten ist und eine systemische Lysetherapie nicht mehr möglich ist, besteht die Möglichkeit einer konventionellen Therapie. In diesem Fall werden dem Patienten unter kontinuierlicher Kreislaufkontrolle und neurologischem Monitoring Flüssigkeit, Sauerstoff und ggf. Mittel zur Stabilisierung des Kreislaufes zugeführt. In speziellen Fällen wird entschieden, dass ein Patient mit ärztlicher Begleitung in die Uni-Klinik nach Dresden verlegt wird, um zu versuchen, das Gerinnsel direkt am Ort des Gefäßverschlusses aufzulösen oder mechanisch zu entfernen.

SZ-Gesundheitsforum am 13. Dezember, 17 Uhr im Konferenzraum des Krankenhauses Bischofswerda, Kamenzer Straße 55. Die Teilnahme ist kostenfrei.