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Jede Hilfe kam zu spät

Zwei Lkw-Fahrer sind am Dienstag auf der A 4 gestorben. Offenbar hatte einer den Stau zu spät bemerkt.

07.06.2016
Von Sandro Rahrisch

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Die Bergung der zerstörten Lkws.

© Roland Halkasch

Dresden. Bis zur Unkenntlichkeit sind die beiden Lkw-Fahrerkabinen verformt. Für die zwei Insassen kommt am Dienstagmorgen jede Hilfe zu spät. Sie sind so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle sterben.

Es ist kurz nach neun Uhr, als sich der Verkehr an der A 4-Baustelle Dreieck Dresden-West in Richtung Chemnitz staut. Ein Laster mit polnischem Kennzeichen übersieht offenbar das Stauende und schafft es nicht mehr, rechtzeitig zu bremsen. Er fährt auf den vor ihm stehenden Lkw und schiebt den Sattelauflieger über das andere Fahrerhaus.

Der Aufprall ist so stark, dass zwei weitere Laster davor zusammenstoßen. Einer der Fahrer erleidet schwere Verletzungen. Die Einsatzkräfte können den 51-Jährigen retten und ins Krankenhaus bringen. Die Identität der beiden getöteten Fahrer konnte die Polizei bis zum Dienstagabend nicht klären. Der vierte betroffene Fahrer blieb laut Polizei unverletzt.

Aus den Wracks liefen Öl und Diesel aus. Die Dresdner Feuerwehr, die mit dem Übigauer und dem Albertstädter Löschzug im Einsatz war, musste Bindemittel streuen. Außerdem sicherten die Kameraden die Ladung eines der verunglückten Laster. Dieser hatte Dünger bei sich. Mit rund 50 Kräften waren Feuerwehr und Rettungsdienst vor Ort, darunter zwei Notärzte.

Auch ein Rettungshubschrauber wurde gerufen. Die Aufräumarbeiten gestalteten sich schwierig. Am Mittag traf ein Bergungskran an der Unfallstelle ein und hob zunächst den Sattelauflieger ins Freie. Der Hänger hatte sich zwischen zwei Lastern verkeilt. Die A 4 musste zeitweise komplett gesperrt werden.

Die Spuren in Richtung Chemnitz wurden erst nach 19 Uhr wieder freigegeben. Auf den Ausweichrouten bildeten sich kilometerlange Staus, etwa auf der Washingtonstraße und auf der Strecke zwischen Kesselsdorf und Wilsdruff. Auch auf der A 17 zwischen dem Dreieck West und Gorbitz ging es nur stockend voran. Ersten Schätzungen zufolge beläuft sich der Sachschaden auf rund 750 000 Euro.

Erst am Montagabend war ein dänischer Schwerlasttransporter nur wenige Kilometer weiter auf der A14 verunglückt. Am Dreieck Nossen verlor der Fahrer gegen 20 Uhr auf der Beschleunigungsspur die Kontrolle über das Fahrzeug. Das Gespann geriet ins Schleudern und prallte gegen die Leitplanke.

Der Auflieger durchbrach das Brückengeländer und hing teilweise über dem Abgrund. Der 61-jährige Fahrer, der durchs Bremsen einen Absturz noch verhindern konnte, blieb unverletzt. Die Autobahn musste im Bereich der Unfallstelle zunächst voll gesperrt werden. Die Polizei schätzte den Sachschaden am Dienstag auf etwa 120 000 Euro.