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Freitag, 05.01.2018 Sprechstunde

Ist Lachen wirklich gesund?

Von Dr. Johannes Wimmer

Cosma Shiva Hagen lacht gern. Denn das ist eine gute Tat für Körper und Seele.
Cosma Shiva Hagen lacht gern. Denn das ist eine gute Tat für Körper und Seele.

© dpa

Eine Volksweisheit besagt, dass Lachen gesund ist. Stimmt das? Ich habe sogar schon von Lachtherapien gehört.

Kommt ein Mann zum Arzt und erklärt: „Herr Doktor, ich bin von meiner Leiter gefallen.“ Fragt der Arzt: „Hoch?“ Daraufhin der Patient: „Nein, runter natürlich.“

Wenn Sie über diesen Witz gerade gelacht haben, ist eine gute Tat für Körper und Seele schon getan. Denn die kurze Antwort auf Ihre Frage lautet: Ja, Lachen ist tatsächlich gesund!

Durchschnittlich lachen Erwachsene ungefähr 15 mal am Tag. Kinder lachen mit bis zu 400 mal täglich deutlich häufiger. Das liegt daran, dass viele Dinge für sie noch neu sind und sie daher darüber lachen können. Wenn wir lachen, werden mehr als 100 Muskeln im Körper, von der Gesichts- bis zur Atmungsmuskulatur, aktiviert – alleine im Gesicht sind es schon 17 Muskeln, die beim Lachen beansprucht werden.

Sie haben sicherlich selbst schon festgestellt, dass Lachen in Gesellschaft stimmungsauflockernd und sympathisch wirkt. Es gilt allgemein als Zeichen der Verbundenheit. Neben diesen soziologischen Effekten gibt es aber auch eine Reihe von medizinischen Auswirkungen.

Das Fachgebiet, das sich mit den Auswirkungen des Lachens auf unsere Gesundheit beschäftigt, heißt Gelotologie. Begründet wurde es von dem amerikanischen Psychiater William Finley Fry, der in den 60er-Jahren regelmäßig Blutproben von sich nahm, während er eine der berühmten Folgen von „Laurel und Hardy“ (im Deutschen: Dick und Doof) schaute. Er wollte wissen, wie sich Lachen auf seinen Körper auswirkt. Das Ergebnis war erstaunlich: Beim Lachen nahm die Zahl der natürlichen Killerzellen im Blut zu. Sie sind dafür verantwortlich, dass von Krankheitserregern befallene Körperzellen erkannt und abgetötet werden. Aus seinem Befund leitete er ab, dass Lachen unser Immunsystem stärkt. Neuere Forschungsergebnisse legen nahe, dass dies tatsächlich der Fall ist. Es konnte beispielsweise auch gezeigt werden, dass das Glykoprotein Interferon-Gamma durch Lachen aktiviert wird. Es ist ebenso wie die Killerzellen für die Abwehr veränderter Zellen zuständig.

Frys Selbstversuch nahmen viele andere Wissenschaftler zum Anlass für weitere Forschung. Man kennt in der Medizin heute daher noch weitere Gründe für die positiven Auswirkungen des Lachens: Wer so richtig herzlich lacht, atmet tiefer ein als sonst. Dadurch gelangt mehr Sauerstoff ins Blut, die Körperzellen werden besser versorgt. Die Bronchien werden durchlüftet, Verbrennungsvorgänge werden beschleunigt. Muskeln entspannen, das Herz-Kreislauf-System wird angeregt. Kurzum: Unser Stoffwechsel wird ordentlich in Schwung gebracht.

Ein weiterer Vorteil: Lachen unterstützt den Heilungsprozess. Es bremst die Produktion von Stresshormonen und sorgt sogar dafür, dass stattdessen verstärkt Serotonin ausgeschüttet wird. Dieses Hormon wird im Volksmund auch als Glückshormon bezeichnet und lässt unsere Stimmung steigen.

Durch seine vielen positiven Wirkungen wird Lachen tatsächlich als Medizin eingesetzt. In sogenannten Lachtherapien, auch Lach-Yoga genannt, soll bewusst gelacht werden. Dafür werden Atemübungen, Körperübungen, aber auch Übungen für Lachlaute, Gestik und Mimik gemacht. Durch die Imitation des Lachens wird meistens echtes Lachen ausgelöst – und dadurch auch seine positiven Eigenschaften. Glücklicherweise macht der Körper keinen Unterschied zwischen falschem und echtem Lachen. Die Wirkung ist in beiden Fällen dieselbe.

Dr. med. Johannes Wimmer ist Assistenzarzt aus Hamburg und bundesweit bekannt durch seine Sendung im NDR und Erklärvideos auf Facebook.

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