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Ist der Kampf um Edeka verloren?

Auf dem Betonwerksareal in Ottendorf-Okrilla soll ein Einkaufsmarkt entstehen. Die Landesdirektion stellt sich bei den Plänen aber quer.

07.10.2017
Von Nadine Steinmann

ampf um Edeka verloren?
Seit vielen Jahren liegt das ehemalige Betonwerksareal brach. Doch die Gemeinde hat viel vor mit dem Areal. So soll auf der riesigen Fläche das neue Ortszentrum der Gemeinde entstehen – nach Möglichkeit mit einem Vollsortimenter. Doch bei diesem Vorhaben werden der Gemeinde so einige Steine in den Weg gelegt.

© Thorsten Eckert

Ottendorf-Okrilla. Die Ottendorfer wollen einen Vollsortimenter in ihrer Gemeinde. Ein Vollsortimenter? Sperriger Begriff! Doch derzeit müssen die Menschen der 10 000-Einwohner-Gemeinde dafür mit dem Auto entweder nach Weixdorf oder nach Radeberg fahren. Denn hier sind solche Vollsortimenter zu finden. In Weixdorf ein Kaufland, in Radeberg ein Edeka. In Ottendorf-Okrilla sind dagegen nur Netto oder Penny ansässig. Der wesentliche Unterschied zwischen den jeweiligen Marken: Bei den Vollsortimentern werden alle branchentypischen Sortimente abgedeckt. Sprich, hier gibt es sowohl Lebensmittel als auch Kleidung, nicht verschreibungspflichtige Medikamente, Haushaltswaren und Drogerieartikel. Einmal hin, alles drin! Genau mit diesem Slogan wirbt beispielsweise auch der Vollsortimenter Real. Und genau solch einen wünschen sich eben die Ottendorfer. Egal, ob Real, Rewe, Edeka oder Kaufland. Doch tatsächlich sollte es ein Edeka werden – auf dem ehemaligen Betonwerksareal an der Gaswerkstraße. So weit waren die Pläne schon vorangereift. Doch leider hat sich das Vorhaben in den vergangenen Jahren als deutlich schwieriger erwiesen, als zunächst gedacht. Schuld daran ist der Charakter der Gemeinde. Denn sowohl der Regional- als auch der Landesentwicklungsplan sehen Ottendorf-Okrilla nicht als Zentrum an. Und eben nach diesen Plänen richtet sich auch die Sächsische Landesdirektion, bei der zuletzt die Pläne zum neuen Ortszentrum auf dem Schreibtisch gelegen haben.

„Die Gemeinde Ottendorf-Okrilla beabsichtigt, auf dem Areal des ehemaligen Betonwerks ein neues Ortszentrum zu errichten. Geplant ist unter anderem ein Lebensmittelvollsortimentmarkt mit 1 800 Quadratmeter Verkaufsfläche und ein Drogeriefachmarkt mit 900 Quadratmeter Verkaufsfläche“, fasst Sprecher Ingolf Ulrich das Ottendorfer Projekt noch einmal zusammen. Aufgrund der Größe der geplanten Verkaufsflächen zählen beide Märkte zu den großflächigen Einzelhandelsbetrieben. Die Grenze dazu liegt bei 800 Quadratmetern Verkaufsfläche (gemäß Baunutzungsverordnung). Die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel ist aber nach Festlegungen des Landesentwicklungsplanes und des Regionalplanes in Ottendorf-Okrilla nicht möglich – nur in sogenannten Ober- und Mittelzentren, ausnahmsweise auch in den sogenannten Grundzentren. „Die Gemeinde Ottendorf-Okrilla ist weder im Landesentwicklungsplan als Ober- und Mittelzentrum, noch im Regionalplan als Grundzentrum ausgewiesen“, erläutert Ingolf Ulrich gegenüber der Sächsischen Zeitung. Grund dafür sei vor allem die Nähe zum Oberzentrum Dresden.

Die Gemeinde Ottendorf-Okrilla hatte nun die Landesdirektion gebeten, die Durchführung eines Zielabweichungsverfahrens zu prüfen. Sie wollte so ausloten, ob für das Vorhaben ausnahmsweise von den Festlegungen im Landesentwicklungsplan und im Regionalplan abgewichen werden kann. Nach entsprechender Prüfung kam die Landesdirektion nach Angaben von Ingolf Ulrich aber zu dem Entschluss, dass keine Ausnahme möglich ist. „Dies wurde der Gemeinde schriftlich mitgeteilt“, so der Sprecher.

Über eben jenes Schreiben hat Ottendorfs Bauamtsleiter Andreas Jäpel in der vergangenen Sitzung auch die Gemeinderäte informiert und gleichzeitig betont, dass auch die Edeka-Group über den aktuellen Zwischenstand Bescheid wisse. Aufgeben wolle die Verwaltung aber noch nicht. Stattdessen wollen sie bei den Verantwortlichen des Regionalen Planungsverbands Oberlausitz-Niederschlesien vorstellig werden. Der Verband ist für den Regionalplan und die derzeitige Fortschreibung der letzten Fassung aus dem Jahr 2009 zuständig. Die Gemeinde erhofft sich dadurch, die Charakterisierung eines Zentrums zu erhalten.