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Ist der Herbst zu grün?

Pilze, Kürbissuppe und Halloween – das alles gehört zum Herbst. Doch etwas anderes lässt auf sich warten.

06.10.2017

erbst zu grün?
Nur ein paar gelbe zwischen vielen grünen: Spaziergängern fällt auf, dass die Herbstfärbung auf sich warten lässt.

© Sven Ellger

Grau in grau und viel Regen. Nur ab und zu soll in den kommenden Tagen die Sonne durch Blätter hindurchlugen. Der Oktober, der doch eigentlich ein goldener sein soll, lässt auf sich warten.

Der Indian Summer, die Jahreszeit, in der sich der Herbst von seiner schönsten Seite zeigt, kommt einfach nicht. In den vergangenen Tagen zeigte das Thermometer manchen Morgen gerade einmal fünf Grad über null an, der Herbst ist ohne Zweifel da. Aber die Blätter auf den Bäumen in der Stadt sind fast alle noch grün, nur einzelne sind schon gefärbt. Warum ist das so? Für TU-Botanik-Professor Christoph Neinhuis ist die Sache klar. Im gesamten Jahr war es überdurchschnittlich warm, und daher behalten die Blätter länger ihre grüne Farbe. Auch wenn der Sommer eher durchwachsen war, blieben die Temperaturen über dem Durchschnitt. Solange es noch keinen regelmäßigen Nachtfrost gibt, arbeitet die Fotosynthese auf Hochtouren. Die Folge: Die Blätter bleiben grün. Doch an einigen Orten fallen die Blätter trotz fehlenden Frostes schon kräftig von den Bäumen, teilweise noch grün, beobachtet er. „Auf der anderen Seite sind noch viele voll grüne Blätter an den Bäumen, es ist also etwas gemischt.“ Bei Sträuchern sei das Laub insgesamt kaum verfärbt.

Wann die Blätter dann von den Bäumen fallen, hängt von der Tageslänge ab, so der Botanik-Professor. Werden die Tage kürzer, werfen die Bäume ihr Laub ab. Das würde auch passieren, wenn man alle Bäume und Pflanzen in Gewächshäuser mit 25 Grad Innentemperatur stellen würde, sagt Wissenschaftler Christoph Neinhuis.

Jörg Stelzig, Bühlauer Revierförster, beobachtet für Anfang Oktober viele grüne Blätter an Büschen und Bäumen in seinem Gebiet. Doch das sei nicht so ungewöhnlich. Denn auch er weiß, dass die Blätter sich erst verfärben, wenn die Temperaturen in der Nacht unter die Null-Grad-Marke fallen. Außerdem sei der September recht trocken gewesen. Er vermutet, dass nun zuerst die Blätter von Roteiche, Ahorn und Buche die schönen Herbstfarben annehmen werden.

Ein wenig anders sieht das Friethjof Pitzsel, Bereichsleiter Gärten bei Schlösser und Gärten. Er beobachtet jetzt schon mehr bunte Blätter als sonst. Das liege an der Trockenheit im Juni, wirke sich aber nicht negativ aus. (SZ/jv)