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Samstag, 01.07.2017

Ist das nur Nachlässigkeit?

Sie berichten über den Tod eines tschechischen Dirigenten, dessen Name eingedeutscht geschrieben worden ist. Mit den westslawischen Sprachen tut sich die Redaktion offenkundig schwer. Man könnte doch einen sorbischen Mitbürger gegenlesen lassen. Weshalb eine solche Nachlässigkeit? Oder ist es eine Form der „Zwangsgermanisierung“? MfG, Karl Mosig

Sehr geehrter Herr Mosig,

der Verzicht auf die tschechischen Häkchen über dem Namen hat nichts mit Nachlässigkeit zu tun, schon gar nicht stecken da böse Absichten dahinter. Obwohl das Problem seit vielen Jahren bekannt ist, hat die Redaktion nur noch immer keine praktikable Lösung dafür gefunden. Weil: Das Problem ist größer, als Sie vermuten. Es geht nämlich nicht nur um das Setzen der richtigen Häkchen in der tschechischen, polnischen und natürlich sorbischen Sprache, die uns besonders am Herzen liegen. Sonderzeichen werden in sehr vielen Sprachen dieser Welt verwendet – da kann uns ein sorbischer Mitbürger allein natürlich nicht helfen. Dazu braucht eine Zeitung wie die SZ zahllose Mitarbeiter, um die etwa 160 Zeitungsseiten täglich (!) nach fremdsprachigen Namen und Begriffen zu durchsuchen. Bisher ein nicht zu leistender Aufwand.

Aus diesem Grund hat die Chefredaktion vor langer Zeit mal die Mitarbeiter gebeten, auf alle Sonderzeichen zu verzichten. Dies war eine konsequente Entscheidung – die freilich Leser wie Sie nicht zufriedenstellen kann. Sprachkundige Redakteure natürlich auch nicht. Sie setzen die Sonderzeichen der ihnen bekannten Sprachen halt dann ein, wenn sie die beherrschen.

Keine Lösung für dieses Problem in Sicht? Der Einsatz vieler neuer Korrektoren ist auch künftig wirtschaftlich nicht vertretbar. Aber vielleicht gibt es jetzt doch erste Schritte in die richtige Richtung. Gegenwärtig wird geprüft, welche von der SZ genutzten Schriften diese Sonderzeichen zulassen. Und im Spätherbst bekommt die Redaktion eine moderne Redaktionssoftware aufgespielt, die auch für den Einsatz von Sonderzeichen neue Möglichkeiten bieten soll.

Dann bleibt für die Redaktion „nur noch“ die Entscheidung, welche Sprachen sie sich zutraut und ob sie beispielsweise Ihrem Vorschlag, Herr Mosig, folgt und zumindest die westslawischen Sprachen korrekt schreiben will.

Keine leichte Entscheidung. Deshalb geben Sie bitte der Sächsischen noch etwas Zeit dafür.

Ihr Olaf Kittel

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