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Freitag, 18.12.2015

Israel und Türkei einigen sich offenbar auf Normalisierung

Die Vorteile überwiegen offenbar für beide Seiten: Die Türkei und Israel nähern sich aneinander an. Doch noch ist nicht jeder Streitpunkt ausgeräumt.

Tel Aviv. Nach fünf Jahren Eiszeit zwischen Israel und der Türkei gibt es Anzeichen für eine Normalisierung der Beziehungen. Vertreter beider Länder hätten sich bei einem Treffen in der Schweiz bei verschiedenen offenen Fragen geeinigt, sagte ein israelischer Regierungsbeamter am Freitag. Unter anderem werde Israel einen Ausgleich zahlen für die bei dem Vorfall auf dem Gaza- Hilfsschiff „Mavi Marmara“ getöteten Menschen. Türkische Beamte betonten, dass die Verhandlungen noch liefen, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Israelische Soldaten hatten im Mai 2010 das unter der Flagge des Inselstaates Komoren fahrende Schiff „Mavi Marmara“ aus der Türkei vor dem Gazastreifen geentert. Dabei waren zehn Türken getötet worden. Pro-palästinensische Aktivisten hatten trotz Warnungen versucht, eine von Israel verhängte Seeblockade vor dem Gazastreifen zu durchbrechen.

Die Gespräche über den Bau einer Gas-Pipeline im Mittelmeer von Israel in die Türkei werden nach Angaben des israelischen Regierungsbeamten zudem weitergehen. Die Türkei deckt aktuell den größten Teil ihres Gasbedarfes mit Lieferungen aus Russland. Die Beziehung zwischen beiden Ländern ist allerdings nach dem Abschuss eines russischen Jets durch die Türkei im syrisch-türkischen Grenzgebiet am 24. November äußerst angespannt.

Die Regierungen würden ihre diplomatischen Beziehungen wieder vollständig aufnehmen und ihre Botschafter in Tel Aviv und Ankara erneut einsetzen, hieß es von israelischer Seite. Ob die Türkei auf ihre bisherige Forderung nach dem Ende der Blockade des Gazastreifens bei den Gesprächen in Zürich verzichtet hatte, blieb allerdings zunächst unklar.

„Es wurde keine abschließende Einigung erzielt bei den Gesprächen zwischen der Türkei und Israel, aber sie befinden sich auf einem guten Weg“, zitierte die Nachrichtenagentur Anadolu Beamte aus dem Büro des Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu.

Die Zustimmung der israelischen Regierung zu den Vereinbarungen steht nach Angaben des israelischen Regierungsbeamten noch aus.

Die Beziehungen zwischen Israel und der muslimisch geprägten Türkei hatten sich bereits 2008 während einer israelischen Offensive im Gaza-Streifen verschlechtert. Im vergangenen Jahr hatte der türkische Präsident Ecep Tayyip Erdogan Israel des „Genozids“ an den Palästinensern beschuldigt. Erst vergangene Woche hatte er aber auf die Vorteile einer normalisierten Beziehung zwischen Israel und der Türkei verwiesen. (dpa)