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Mittwoch, 11.02.2009

Is’ ja nix passiert

Präzisionsschliff auf der Leinwand: Götz Spielmanns Thriller „Revanche“

Von Andreas Körner

Wieder geht es zunächst ins Rotlichtmilieu, in dem sich vorzugsweise osteuropäische Frauen feilbieten müssen. Später gibt es noch einen Banküberfall, einen missglückten. Da ist ein Täter auf der Flucht, ein unschuldiges Opfer, ein eher fahrlässig verwickelter Polizist. Nicht viel Neues also in „Revanche“. Doch gelingt dem österreichischen Regisseur Götz Spielmann, allein durch Präzision im Drehbuch, punktgenauer Inszenierung und eher beiläufig wirkenden Strängen mit vorzüglichen Schauspielern noch einmal ein variierender, intensiver Ton. Und gar nichts schreit.

Das, was ungeschriebene Gesetze im Bordell als erstes verbieten, ist die Liebe unter Angestellten. Alex und Tamara widersetzen sich, eben, weil sie sich lieben. Er, der Zuträger des Zuhälters, sie, die ins Visier genommene ukrainische Edelprostituierte des klebrigen Chefs. Ehe noch die Handlung im satt bekannten Zeichnen von Klischees der Szene versackt, bricht sie aus. Denn Alex und Tamara brechen aus. Ein eher unspektakulärer Bankraub auf dem Land soll Bargeld bringen, das Bargeld wiederum ein Stück vom Freiheitskuchen.

Hier beginnt nahezu ein zweiter Film, denn einige der zuvor nur angerissenen Personen vernetzen sich dichter. Robert, der kleinstädtische Polizist, der sich zuvor beim Streife laufen eher Blasen lief, wird schießen müssen, und er trifft jämmerlich. Susanne, seine Frau, hat plötzlich neben der Tatsache, dass das mit dem Kinderkriegen nicht gelingen will, ein zweites Problem unterm Dach des schicken neuen Hauses. Denn mit dem anfangs eher lapidar-nervösen Ausruf ihres Mannes: „Is’ ja nix passiert“ kann und will sie sich nicht abfinden. Auch Alex taucht nicht nur unter, rennt nicht nur davon, er zieht zu seinem Großvater. Sägt Holz. Hackt es. Und verfolgt Robert, den Polizisten. Hat er einen Plan? Will er Rache, Revanche – oder gar Frieden, Vergebung?

Götz Spielmann beschreibt selbst, was sein Film ausstrahlt: „Es ist eine Geschichte, keine bebilderte Theorie.“ Schlagworte bringen da nichts. Und so kann man das Ganze durchaus auch als Parabel auf Einsamkeit und Sehnsucht verstehen. Kein Ton Musik pappt oder kaschiert hier, Geräusche der Natur geraten ebenso essenziell wie die Bilder von ihr, die tragenden Rollen werden von Johannes Krisch, Irina Potapenko, Ursula Strauss, Andreas Lust und Hannes Thanheiser nie gestemmt, sondern wirklich getragen.

„Revanche“ nimmt sich Zeit und so ist es – trotz der schlichten Erzählung – einfach nur konsequent, dass er ins Kino kommt und nicht auf 90 Minuten gestutzt im Fernsehen aufs falsche Publikum trifft.

„Revanche“ - Kino in der Fabrik, DD