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Aus dem Gerichtssaal Donnerstag, 04.10.2012

Irrer Betrug: Richtig reich für einen Tag

Ein Onlinehändler hat sich in fünf schwachen Minuten mehr als 325.000 Euro auf sein Konto gebucht. Die Sache klappte. Kurz.

Von Alexander Schneider

Steinreich für einen Tag – das hat Maik U. (28) mit wenigen Mouseklicks in nur fünf Minuten geschafft: Bei einer Online-Banking-Sitzung vor seinem Computer zog er per Lastschrift-Einzugsverfahren Hunderttausende Euro ein: 5.000 Euro von einer Kirchgemeinde in Duisburg, 70.000 Euro von der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) und schließlich unglaubliche 250.000 Euro des eher „kleinen CDU-„Stadtverbands“ Sontra, einer 8.000 Einwohner-Stadt in Hessen.

Kaum geklickt, schon überwies die Ostsächsische Sparkasse im August 2011 die vielen Tausender auf das Geschäftskonto des Dresdner Händlers, der im Internet Haushaltsgegenstände und Geschenkartikel aus Holz, Küchenwerkzeuge, Schatullen und Truhen vertreibt. Viel Freude hatte Maik U. nicht an dem Zaster. Weil ihm die Sache zu heiß wurde, habe er sofort das Konto gelöscht, sagte er im Dresdner Amtsgericht. Dort musste sich der gelernte Koch nun wegen Computerbetruges in vier Fällen verantworten. Er habe das Vermögen der Sparkasse „gefährdet“.

„Ich war so doof und hab‘s versucht“, sagte Maik U., der die Taten zugab. Er habe in privaten und finanziellen Schwierigkeiten gesteckt, den Überblick verloren. Dann sei ihm die Idee der Lastschriften gekommen. „Ich habe die Bankverbindungen im Internet gegoogelt“, sagte er. Die Summen seien ersponnen gewesen. U. arbeitet noch in einem Supermarkt, um seinen Shop zu finanzieren.

Der Betrug war möglich, weil der Internet-Händler ein Geschäftskonto mit Lastschrifteinzugsfunktion hatte. Kurz vor der Tat habe Maik U. die Einzugsfunktion mit seinem privaten Bankkonto ausprobiert, sagte die Staatsanwältin. Die Sache fiel sofort auf: Noch ehe etwa Sontras verdutzte CDU von der sechsstelligen Abbuchung erfuhr, hatte die Dresdner Sparkasse die Polizei wegen „Geldwäscheverdachts“ eingeschaltet. Verteidiger Tilo Rößler sagte, seinem Mandanten sei es zwar sehr leicht gemacht worden, letzten Endes habe jedoch er selbst gehandelt und niemand sonst. „So einfach, so kriminell, so offenkundig, so dämlich.“ Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde und 80 Arbeitsstunden. „Ihre Rettung ist ihre Unbedarftheit in geschäftlichen Dingen“, sagte Richter Jürgen Scheuring zu U.