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Dienstag, 29.09.2015

Inklusion heißt, Teilhabe zu fördern und zu ermöglichen

Sachsens Schulen sind auf dem Weg zur Inklusion in den vergangenen Jahren erheblich vorangekommen

Auch Fö rderschüler brauchen eine Chance in Wirtschaft und Handwerk. Fotoquelle: djd/Isgro-Gesundheitskommunikation
Auch Fö rderschüler brauchen eine Chance in Wirtschaft und Handwerk. Fotoquelle: djd/Isgro-Gesundheitskommunikation

Der Anteil der integrativ unterrichteten Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf liegt im Schuljahr 2014/15 bei mehr als 30 Prozent und damit fast im Durchschnitt aller Bundesländer. Viele Förderschulen unterrichten ihre Schüler temporär, um sie auf den Unterricht an einer allgemeinen Schule vorzubereiten. Insbesondere die Sprachheilschulen sind Durchgangsschulen im besten Sinne. Durchschnittlich lernen Kinder an einer Sprachheilschule nur 2,7 Jahre und wechseln dann - in den meisten Fällen spätestens zum Ende der Klassenstufe 4 - an eine Oberschule oder ein Gymnasium. In der Regel ist der sonderpädagogische Förderbedarf dann sogar aufgehoben.

Weitere Erfahrungen sollen in Modellregionen gesammelt werden

Knapp 60 % der Schüler mit einer körperlichen oder motorischen Beeinträchtigung werden integrativ unterrichtet. Bei blinden und sehbehinderten Schülern ist es etwa ein Drittel und bei gehörlosen und hörgeschädigten Schülern über die Hälfte der Betroffenen. Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung werden sogar zu circa 68 % integrativ unterrichtet.

Sehr viel niedriger liegt der Anteil integrativ unterrichteter Schüler in den Förderschwerpunkten „Lernen“ und „geistige Entwicklung“. Dies bleibt eine Herausforderung. Hier werden gegenwärtig Erfahrungen in Modellregionen gesammelt, wie künftig mehr Integration ermöglicht werden und gelingen kann. Eine der Schwierigkeiten besteht darin, dass Schüler in den Förderschwerpunkten Lernen beziehungsweise geistige Entwicklung nach anderen - zum Teil sogar nach individuellen - Lehr- bzw. Förderplänen unterrichtet werden. In den meisten Fällen können diese den Hauptschulabschluss jedoch nicht erreichen.

Das heißt aber nicht, dass sie Schüler ohne Abschluss sind. Denn auch für diese Schüler, so Kultusministerin Brunhild Kurth, gilt: „Wer erfolgreich eine Schule besucht, sollte am Ende auf jeden Fall ein Abschlusszeugnis erhalten.“

Spezifische Abschlüsse im Förderschwerpunkt Lernen wurden geschaffen

Deshalb wurden bereits vor einigen Jahren spezifische Abschlüsse für Schüler dieser Förderschwerpunkte geschaffen: „Wir haben damit die demotivierende Situation überwunden, dass diese Schüler nach 9 oder 12 Jahren Schulbesuch lediglich ein Abgangszeugnis erhalten und somit als Schüler ohne Abschluss in ihr weiteres Leben gehen“, so Brunhild Kurth. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Abschluss nicht voraussetzungslos vergeben wird: Den erfolgreichen Abschluss im Förderschwerpunkt Lernen erhalten die Schüler vielmehr, wenn sie am Ende der Klassenstufe 9 in allen Fächern mindestens die Note „ausreichend“ erzielt haben oder die Note „mangelhaft“ in einem Fach ausgleichen können. Außerdem wird der Abschluss im Förderschwerunkt Lernen nur erteilt, wenn auch die lebenspraktisch orientierte komplexe Leistung in der Klassenstufe 9 erfolgreich erbracht wird.

Intensive Begleitung auf dem Weg in Ausbildung und Beruf sowie beim Jobeinstieg

Diese komplexe Leistung ist Teil einer besonders intensiven Berufsorientierung und einer gezielten Begleitung von lernschwächeren und lernbehinderten Schülern auf dem Weg in Ausbildung und Beruf. Dies ist ein Markenzeichen der Schulen zur Lernförderung wie auch - in modifizierter Form - der Schulen für geistig Behinderte. Ziel ist es, diese Schüler zu einer möglichst selbstständigen und eigenverantwortlichen Lebensführung zu befähigen und sie auf Arbeit und Beruf vorzubereiten. Das heißt: Es geht darum, lebenspraktische Kompetenzen zu vermitteln und damit Voraussetzungen für die gesellschaftliche Teilhabe ganz im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention zu schaffen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Berufseinstiegsbegleitung. Sie bietet individuelle Unterstützung bei der Entwicklung der Persönlichkeit und der Ausbildungsreife, bei der Erreichung des Schulabschlusses, bei Berufsorientierung und -wahl, bei der Ausbildungsplatzsuche und der Stabilisierung des Ausbildungsverhältnisses. Im Rahmen der „Initiative Inklusion“ wird für einen geeignet erscheinenden Teil der Schüler mit geistiger Behinderung eine spezifische Unterstützung und Begleitung realisiert, um ihnen eine Beschäftigungschance auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

An die Wirtschaft und das Handwerk appelliert Kultusministerin Kurth deshalb: „Geben Sie auch diesen Schülern aus unseren Förderschulen eine Chance. Ihr Abschluss ist Zeichen ihrer Anstrengungsbereitschaft. Nutzen Sie die Unterstützung, die etwa mit der Berufseinstiegsbegleitung gewährt wird. Prüfen Sie, ob Sie jungen Menschen etwa im Rahmen einer Fachpraktikerausbildung eine Chance geben können. Auch das ist gelebte Inklusion.“

Sächsisches Staatsministerium für Kultus http://www.smk.sachsen.de/