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Dienstag, 02.08.2016

In Leipzig fliegen nicht nur Firmenträume hoch

Die Handelshochschule in der Messestadt unterstützt junge Unternehmensgründer im Testlabor „Spinlab“. Und so mancher startet richtig durch.

Von Sven Heitkamp

Ladekabel, Kopfhörer, Zahnbürsten fliegen in die Spezialtonne von Binee.
Ladekabel, Kopfhörer, Zahnbürsten fliegen in die Spezialtonne von Binee.

© robert michael

Es ist ein einzigartiger Brutkasten für junge Unternehmen in Sachsen: Die private Handelshochschule Leipzig (HHL) betreibt auf der Kunstmeile in der alten Baumwollspinnerei ein „Spinlab“ – ein Testlabor für Gründungsprojekte. Jeweils sechs Teams können für sechs Monate kostenfrei Räume, technische Infrastruktur und Rechnerkapazitäten nutzen. Zudem bekommen sie 6 000 Euro Startkapital der Wirtschaftsförderung Leipzig, daneben diverse Kontakte zu Investoren, Experten und prominenten Sponsoren der HHL von Deutscher Bank bis Porsche. Bei Demo- und Investorentagen wie Mitte Juni präsentierten sich die Firmengründer mit millionenschweren Risikokapitalgebern wie dem Technologiegründerfonds Sachsen.

Was in Berlin oder München reihenweise zu finden ist, ist in Sachsen noch die Ausnahme. Doch das Programm hat Erfolg: Von den zwölf Start-ups der ersten beiden Generationen sind noch zehn am Markt, die Hälfte davon in Leipzig. Viele gewinnen zudem Preise. Allein beim jüngsten Future-Sax-Ideenwettbewerb waren zwei Gewinner zuvor im Leipziger Spinlab: Rhebo mit einer Technologie für computergestützte Industriesteuerungen und Laviu aus Freiberg – ein stilvolles Liebesspielzeug für Frauen mit lautlos pulsierender Oberfläche. Derzeit ist die dritte Generation auf der Rampe, für die vierte Runde lief die Bewerbungsfrist bereits Ende Juni ab. Zurzeit sind abermals spannende Gründer am Start. Ein Überblick:

Binee steht auf Gerümpel

Binee ist ein Sammelsystem zur Wiederverwertung von alten Elektro-Kleingeräten – damit aussortierte Handys, Ladekabel und elektrische Zahnbürsten nicht in Schubladen verstauben oder im Hausmüll verbrennen. Tests mit der speziellen Sammeltonne bei einer Elektronikkette liefen erfolgreich, Veolia als Entsorgungsunternehmen habe großes Interesse, sagt Gründer Martin Jähnert. Ein neues Gesetz verpflichtet Handel und Produzenten zur Rücknahme von Altgeräten. Binee könnte dafür eine Lösung sein. Kunden erhalten im Austausch für das Altgerät etwa einen Einkaufsgutschein.

Binee verdient vor allen an den Gebühren für die intelligenten Tonnen, die sich zudem als Werbefläche eignen. Und: Beim Test funktionierte ein Viertel der eingeworfenen Dinge noch, manches konnte wieder verkauft werden. Nun treibt das Gründertrio Technik und Vertrieb für den Markteintritt voran.

Neuronade hilft beim Denken

Neuronade ist ein Denkgetränk auf pflanzlicher Basis, das das Gehirn fit macht – ohne Koffein, ohne Alkohol, ohne Zucker. Heilpflanzen aus aller Welt, darunter Brahmi, Beeren und Algen, Gingko, grüner Tee und Rosenwurz, sorgen für bessere Konzentration und mehr Gelassenheit. Statt in Dosen gibt es Neuronade als Pulver in Tütchen zum Anrühren, das Zwölferpack für 14,90 Euro. Seit zwei Jahren machen die zwei Gründer Chris Volke und Florian Mack sechsstellige Umsätze in Uni-Mensen, in 500 Apotheken, bei Amazon und im eigenen Online-Shop, auch der Verkauf in halb Europa läuft an. In den nächsten Jahren will Neuronade als attraktive Lifestyle-Marke in Drogerien und Supermärkten stehen und weitere Produkte auf den Markt bringen.

Animus macht das Wohnen leichter

Im Aufbau ist ein digitales Rundumsorglos-Paket für Immobilienbesitzer und ihre Mieter. Animus ermöglicht Kommunikation, Service und Information für Hausbesitzer, Bewohner, Verwaltung und Dienstleister. Statt verstaubter Ordner mit altem Mietvertrag, Hausordnung und Nebenkostenabrechnung läuft das Geschäft online. Über eine App können zudem Wünsche rund um die Wohnung organisiert werden – vom Wäscheservice über Paketdienste bis zum Supermarkt-Einkauf. Die ersten 5 000 Wohnungen sind angeschlossen, große Unternehmen wie Rewe und Telekom, Henkel und Johanniter sind im Boot, sagt Gründer Chris Richter aus Ratingen. Der Umsatz dieses Jahr ist mit 70 000 Euro noch gering – aber schon nächstes Jahr soll die Gewinnschwelle erreicht werden.

Resment kriegt alle unter einen Hut

Resment ist ein einfaches Personalmanagement für kleine und mittlere Unternehmen. Die internetbasierte Software erlaubt übersichtliche Mitarbeiterverwaltung, Zeiterfassung, Schicht- und Urlaubsplanung samt automatischer Lohnabrechnung auf Knopfdruck, dazu Anpassungen an neue Arbeitsschutzgesetze und Verordnungen. Auch Mitarbeiter können auf Schichtpläne und andere Daten zugreifen, wenn es der Chef zulässt. Stechuhr, Stift und Papier sind passé. Kosten: Zwei Euro pro Mitarbeiter im Monat. Die ersten Unternehmen mit insgesamt 330 Mitarbeitern arbeiten mit der Probe-Version von Resment. „Unsere Vision ist es, die Nummer Eins der Personalsysteme für kleine und mittlere Unternehmen zu werden“, sagt der Kölner Gründer und Geschäftsführer Marc Stratmann.