Freitag, 30.11.2012
"In Dresden sind viele Ampeln überflüssig"
Stockender Verkehr und ständig Vorfahrt für die anderen. Ampeln sind ein Ärgernis für Autofahrer. Markus Löffler vom ADAC fordert, dass die Stadt regelmäßig prüft, ob alle noch gebraucht werden.
Markus Löffler und das Problem mit den Ampeln, hier am Fetscherplatz: Gab es 1989 noch nicht einmal 100 Ampeln, könnten nun so viele überflüssig oder schlecht geschaltet sein. Die Gesamtzahl hat sich bereits auf 464 gesteigert. Foto: Katja Frohberg
Autofahrer sehen häufig Rot – selbst wenn sie mit einem entspannten Gemüt unterwegs sind. Nun erhalten sie Unterstützung. „In Dresden sind 100 Ampeln überflüssig“, sagt Norbert Brückner vom ADAC Sachsen. Und auch wenn die Zahl eher symbolisch genannt wurde, bleibt der Kern der Aussage: Es gibt zu viele Ampeln. Markus Löffler, Dresdner Kollege von Brückner, bekräftigt noch einmal: Wenn in Dresden langfristig die Luft verbessert und Klimaziele erreicht werden sollen, muss auf fließenden statt stehenden Verkehr gesetzt werden. Und dafür müssten zahlreiche Ampeln kritisch hinterfragt werden.
Beispielhaft nennt er die Kreuzung am Fetscherplatz in direkter Nähe zur ADAC-Geschäftsstelle in Dresden. Hier staue es sich so schon regelmäßig, und perspektivisch wird hier bald noch mehr Verkehr herrschen. „Vor allem nach der Brückenöffnung wird da einiges kommen“, sagt Löffler und schaut zur noch fernen Waldschlößchenbrücke, „das kann ich garantieren“. Das Problem sei, dass die Stadt es personell gar nicht schaffen könne, alle Ampeln jedes Jahr auf ihre Funktionsfähig- und Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Also selbst, wenn es nicht gleich 100 Ampeln sein sollten – sind viele der mittlerweile 464 Ampeln überflüssig?
Fast zehn neue Ampeln pro Jahr
Nein, sagt Professor Jürgen Krimmling deutlich. Der Verkehrsexperte der TU Dresden sieht nur in Ausnahmefällen Optimierungsbedarf. „Die Stadt geht mit dem Thema sehr sorgsam um“, sagt Krimmling, der auch in einer Lenkungsgruppe „Verkehrssteuerung“ der Stadt sitzt – zusammen mit den beiden Vorständen der Dresdner Verkehrsbetriebe, Reiner Zieschank und Hans- Jürgen Credé sowie Reinhard Koettnitz, Leiter des Straßen- und Tiefbauamts. Krimmling gibt ebenfalls zu bedenken, dass die Stadt „nicht in der personellen Situation ist, um alle Ampeln ständig kontrollieren“ zu können. Statt einer generellen Lösung müsse es eine punktuelle geben, die insbesondere Schwerpunkte beinhaltet. „Bei großen Verkehrsknoten mit hohem ÖPNV-Anteil reicht mitunter eine jährliche Überprüfung nicht aus“, heißt es aus dem Straßen- und Tiefbauamt, einfache Fußgänger-Ampeln bedürfen hingegen „nahezu keiner verkehrstechnischen Wartung“. Elektrotechnische Wartungen erfolgen an jeder Ampel halbjährlich.
Zudem gibt es verschiedene Gründe dafür, neue Ampeln zu installieren – nicht nur den Verkehrsfluss. Krimmling nennt unter anderem die Lösung von Unfallschwerpunkten, die Sicherung von Schulwegen und Altersheimen sowie des öffentlichen Nahverkehrs, der nun mal Fahrpläne einhalten müsse. Aus all diesen Gründen gibt es in Dresden immer mehr Ampeln: 1989 waren es noch 88. In den letzten zehn Jahren wurden durchschnittlich fast zehn neue Ampeln pro Jahr aufgestellt – während ein bis zwei abgebaut wurden. Geht es um die Luftverbesserung und den Umweltschutz, sind grüne Wellen, die flüssigen Verkehr gewährleisten, wichtig, wie beispielsweise auf der Dohnaer, Washington- oder Petersburger Straße. „Außerdem muss man versuchen, den Verkehr auf die Hauptstraßen zu kanalisieren und den Lkw-Verkehr aus der Stadt fernzuhalten“, so Krimmling. Von reinen 30er-Zonen hält der Verkehrsexperte allerdings nichts: „Mittlerweile gibt es Belege, dass die nicht zwingend umweltfreundlich sind.“ Und auf das Auto zu verzichten, könne auch keine Lösung sein: „Wir sind nun mal eine Mobilitätsgesellschaft.“
Auch Fußgänger leiden
Dabei sind auch Fußgänger immer wieder von unvorteilhaften Ampelschaltungen betroffen, etwa am Nürnberger Ei, wo sie es in einer Grünphase stets nur bis zur Mitte schaffen oder an der Kreuzung Bautzner Landstraße/Grundstraße, wo sie selbst bei grünen Ampeln wegen der abbiegenden Autos gefährdet sind. Dort hat das Straßen- und Tiefbauamt bereits reagiert und für das nächste Frühjahr eine optimierte Lösung angekündigt, durch die Fußgänger wieder sicher die andere Straßenseite erreichen.
Eine konkrete Auflistung, welche Ampeln überflüssig sind, hat der ADAC noch nicht erstellt. „Das ist auch nicht unser Job“, sagt Markus Löffler. Der Verband sieht sich eher als Ideengeber. Aber auch als Vertreter der Autofahrer: „Da sind wir durchaus subjektiv geprägt“, gibt Löffler zu. Deshalb kann er sich gut vorstellen, die Problematik demnächst selbst anzugehen: „Das ist aber eher ein typisches Frühjahrsprojekt“, so Löffler. Wegen der dann besseren Witterung und der höheren Verkehrsbelastung wären die Monate vor den Sommerferien prädestiniert, um alle Ampeln zu überprüfen. „Dann finden wir auch die Ampeln, die wir nicht mehr brauchen.“ Es müssen ja gar nicht 100 sein.