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Donnerstag, 17.01.2013

In die Wohnung des Ex-Freundes eingebrochen

Eine Riesaerin wollte nur den Schlüssel für ihre Wohnung holen und hebelte die Tür auf. Ist die Anzeige die Retourkutsche für die gescheiterte Liebe?

Von Thomas Riemer

Die Tür zur Wohnung von Detlef Jentsch (*) ist noch immer nicht repariert. Seinen Vermieter hat er noch nicht darüber informiert, was da im März des vergangenen Jahres passierte. Damals ist seine frühere Freundin Denise Kilian (*) tatsächlich in seine Riesaer Wohnung eingebrochen. Der Grund: Sie hatte den Schlüssel zu ihrer eigenen Unterkunft verlegt und wollte daher den Ersatzschlüssel, den sie in Detlef Jentschs Wohnung vermutete, holen. Dass der allerdings holterdipolter Urlaub in Holland machte und sämtliche Schlüssel mitgenommen hatte, wusste sie nicht. „Unsere Beziehung war ein einziges Chaos“, beschreibt Denise Kilian die Umstände, die zur Reise ihres Ex-Freundes führten. Der 30-Jährige bestätigt das. „Ich wollte in Holland abschalten.“

Jentsch hat Denise angezeigt – wegen „Wohnungseinbruchsdiebstahls“. Denn die 22-Jährige soll nach dem Aufhebeln der Tür unter anderem ein Kapuzen-T-Shirt, einen USB-Stecker, eine Computermaus sowie eine Tastatur mitgenommen haben. Gesamtwert: rund 200 Euro.

Die Beziehung des ungleichen Paares war wirr. Beide haben ein gemeinsames Kind, das Detlef Jentsch am Anfang nicht wollte. „Dann habe ich mich damit arrangiert und bin bei ihr eingezogen“, sagt er. Seine eigene Wohnung behielt er trotzdem. Denise Kilian holt während der Verhandlung im Amtsgericht Riesa kurz Luft. Dann lässt sie ihrer Vermutung freien Lauf. „Seine Wohnung hat er doch nur genutzt, um seine Drogen anzubauen.“

Jentsch geht im Prozessverlauf auf diesen harten Vorwurf nicht ein. Er habe immer eine friedliche Lösung in dem schwelenden Beziehungskrach gewollt, behauptet er. Dagegen spricht allerdings, dass er die Mutter seines Kindes im September offenbar zusammengeschlagen hat. Detlef Jentsch gibt dies nach einigem Zögern vor dem Richter auch zu. „Ja, es gab Tätlichkeiten und Sachbeschädigungen“, sagt er ziemlich kleinlaut.

Denise Kilian hat sich danach von ihm getrennt. Dass sie wegen des Einbruchs in seine Wohnung von ihm angezeigt wurde, empfindet die junge Frau als Retourkutsche für die Trennung.

Letztlich beteuert sie, dass sie nur in Detlef Jentschs Wohnung wollte, um ihren Schlüssel zu holen. Das Wohnzimmer sei sowieso extra verschlossen gewesen. Denise Kilians Verteidiger, Rechtsanwalt Robert Thees, stützt die Mutmaßung, dass der „hinter der Tür etwas zu verbergen“ hat. Das umstrittene Kapuzen-Shirt ist inzwischen wieder in Detlef Jentschs Besitz – Denise Kilian händigte es ihm im Gerichtssaal aus.

Für Richter Mischa Hecker steht fest: Es geht hier eigentlich nur um eine Sachbeschädigung an der Wohnungstür des Zeugen. Auch nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollte das Verfahren nicht unnötig aufgebauscht werden, zumal auch zivilrechtlich noch einiges auf das frühere Paar zukommen dürfte. Deshalb geht es am Ende schnell: Das Verfahren wird eingestellt.

(*) Namen von der Redaktion geändert

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