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Montag, 16.04.2018

Immer weniger Arbeit im Jobcenter

Seit sieben Jahren gibt es die Einrichtung des Landkreises. Im Kreistag beklagte der Leiter jetzt ein „positives Dilemma“.

Das Jobcenter in Bautzen. Die Zahl der Leistungsbezieher, die von den Mitarbeitern betreut werden, ist in letzter Zeit immer weiter zurückgegangen.
Das Jobcenter in Bautzen. Die Zahl der Leistungsbezieher, die von den Mitarbeitern betreut werden, ist in letzter Zeit immer weiter zurückgegangen.

© Uwe Soeder

Bautzen. Vor sieben Jahren wurde das Jobcenter des Landratsamtes Bautzen gebildet. Seitdem ist die Zahl der auf die verschiedenen staatlichen Beihilfen angewiesenen Menschen im Landkreis um etwa die Hälfte gesunken. Hatte es zum Beispiel im Januar 2011 noch fast 14 000 reine Hartz-IV-Bedürftige gegeben, also Arbeitslose nach SGB II, liegt deren Zahl im Januar dieses Jahr unter 6 500.

Ähnliche Rückgänge, vor allem in den letzten Jahren, gab es auch bei der viel größeren Gruppe der sonstigen Leistungsbezieher oder auch den Aufstockern. Wie Jobcenter-Chef Matthias Bielich jetzt vor dem Kreistag erläuterte, habe dies verschiedene Gründe. Natürlich wirke die verbesserte Arbeitsmarktlage insgesamt, was die schwierige, aber erfolgreiche Vermittlung von Bedürftigen in den ersten und zweiten Arbeitsmarkt erleichtere. Außerdem spielten in den zahlenmäßigen Rückgang auch demografische Gründe hinein.

Wenn eine Behörde wie das Jobcenter weniger zu betreuen und zu vermitteln hat, schlägt das zwangsläufig auch auf sie selbst zurück. Bielich sprach mehrfach von einem „positiven Dilemma“, mit dem man es zu tun habe. Fünfzig Prozent weniger Fallzahlen stehen zum Beispiel nur 25 Prozent weniger Personakosten in der Behörde gegenüber. „Solche Fixkosten sind natürlich nicht so schnell abzubauen.“ Das Ergebnis ist, dass die insgesamt schmaler werdenden Budgets gewisse Unwuchten erhalten haben, wie er sagte. Im Jahr 2011 standen im Jobcenter 28 Millionen Euro für die Eingliederung zur Verfügung, jetzt sind es noch knapp 12 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum sank das sogenannte Verwaltungsbudget nur von 24,2 Millionen auf 18,4 Millionen.

Für die Projektabsicherung sind mehr als früher Drittmittel aus Bundes- oder Landesprogrammen nötig, deren Akquise wiederum mehr Fachkompetenz in der Verwaltung benötige. So werden derzeit mit diversen Partnern zum Beispiel 98 Schwerbehinderte und 215 Teilnehmer mit gesundheitlichen Einschränkungen in Projekten betreut, sagte Matthias Bielich. Der Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit bleibe auch weiterhin eine schwierige, also vorrangige Aufgabe des Jobcenters Bautzen. 502 Integrationen in den Arbeitsmarkt sind gelungen – 382 davon unbefristet. 170 davon sogar in Vollzeitstellen. (SZ)