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Montag, 25.09.2017

Imagepflege und Extravaganzen

RB Leipzig feiert nach drei gescheiterten Anläufen einen Sieg. Bemerkenswert sind aber die Geschehnisse am Rande.

Von Daniel Klein, Leipzig

Timo Werner (Foto links, Mitte) nimmt die Glückwünsche entgegen. Naby Keita (oben) sah auf der Tribüne zu.
Timo Werner (Foto links, Mitte) nimmt die Glückwünsche entgegen. Naby Keita (oben) sah auf der Tribüne zu.

© dpa

Es kommt nicht häufig vor, dass sich Oliver Mintzlaff nach einem Spiel den Fragen der Journalisten stellt. Das Sportliche ist nicht die Kernkompetenz des Geschäftsführers von RB Leipzig. Wenn er sich vor die Mikrofone stellt, will er etwas loswerden oder geraderücken. Sein Kompliment für die Mannschaft nach dem 2:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt fällt kurz aus, seine Ausführungen über Ralph Hasenhüttl sind weitaus ausführlicher.

„Ein ganz großes Lob an den Trainer, wie er die letzten Tage weggesteckt hat, wie souverän er mit den Ungerechtigkeiten umgegangen und wie sportlich fair er aufgetreten ist, obwohl es sicher auch ein wenig an ihm genagt hat“, erklärt Mintzlaff, lässt trotz Nachfragen aber offen, was genau er mit den Ungerechtigkeiten meint. Offensichtlich missfiel RB, dass bei dem obszönen Zwischenfall am vergangenen Dienstag, als Augsburgs Kapitän Daniel Baier in Richtung Hasenhüttl eine Rubbelbewegung mit der Hand in Schritthöhe machte, auch Kritik am Verhalten des Leipziger Trainers laut wurde. Der hatte die Entschuldigung Baiers nach dem Schlusspfiff zunächst abgelehnt, stattdessen wütete er auf dem Rasen, musste von seinen Spielern eingefangen werden. Bei Mintzlaff hört sich das dann so an: „Wir sind froh, einen Trainer zu haben, der die Ruhe bewahrt, aber er kann natürlich auch nicht alles abschütteln.“ Ganz offensichtlich geht es darum, dass Hasenhüttls Image keine Kratzer bekommt und sich nicht das Bild vom dünnhäutigen Wüterich festsetzen soll, der schnell mal die Beherrschung verliert. Also wird gegengesteuert.

Mintzlaffs Kritik an der Kritik könnte sich aber auch auf einen zweiten Punkt beziehen. Nach der Champions-League-Premiere gegen Monaco (1:1) hatte Hasenhüttl eifrig rotieren lassen, die Startformationen auf sechs bzw. neun Positionen verändert. Die Ergebnisse, das 2:2 gegen Mönchengladbach und die 0:1-Niederlage in Augsburg, waren dürftig. Auf Fragen, ob dies auf die Rochaden zurückzuführen sei, reagierte er ungewohnt verbissen.

Das 2:1 gegen Frankfurt nach den drei sieglosen Spielen war also auch eine persönliche Genugtuung. „Wir haben davon profitiert, dass wir wieder viele frische Spieler auf dem Platz hatten“, erklärte Hasenhüttl mit schönem Gruß an die Kritiker. Dabei gibt es zu seinem Rotationsprinzip wohl keine Alternative. Der RB-Fußball lebt von einer exzessiven Laufarbeit, von vielen Sprints, ist also derart kraftraubend, dass sieben Spiele innerhalb von 24 Tagen ohne Leistungsabfall unmöglich sind.

Gegen Frankfurt hatte Hasenhüttl die Stammelf zurückrotiert. Die erdrückte Frankfurt in der ersten Hälfte förmlich, zeigte aber auch bisher ungewohnte Elemente. Immer wieder ging es rückwärts, wenn sich keine Lücken boten, es brenzlig wurde. Das letzte Risiko scheute die Mannschaft. „Wir müssen ökonomischer und cleverer spielen, auch mal taktische Fouls machen“, erklärte Kapitän Willi Orban. „Das gehört zu unserem Reifeprozess dazu. Heute konnte man sehen, dass wir schon dazugelernt haben“, fand er.

Trotz der Vorsicht erspielte sich die Mannschaft zahlreiche Chancen. Beim Kopfball von Marcel Sabitzer und dem Schuss von Emil Forsberg waren aber Latte und Pfosten im Weg. So wurde es nach dem Anschlusstreffer vom Ex-Leipziger Ante Repic noch mal unnötig brenzlig. Ein Kopfball des Frankfurters David Abraham landete erst am Pfosten, dann am Po von RB-Torhüter Peter Gulacsi und trudelte schließlich ins Aus. „Wir mussten bis zum Schluss zittern“, meinte Hasenhüttl.

Die Erleichterung war entsprechend groß, der Sieg auch deshalb ein besonderer, weil RB bislang noch keine Bundesligapartie ohne ihren Spielmacher Naby Keita gewonnen hatte. Der Rotgesperrte hatte sein extravagantes Outfit dem momentanen Status farblich angepasst. Am Dienstag beim schwierigen Champions-League-Auswärtsspiel gegen Besiktas Istanbul darf er aber auflaufen. Darüber ist auch Hasenhüttl froh. „Mir ist es lieber, ich sehe ihn mit Trikot auf dem Platz als mit rotem Hut und Sakko auf der Tribüne“, erklärte der Trainer und grinste. Es schien, als ob die Imagepflege seines Chefs gar nicht nötig gewesen wäre.