erweiterte Suche
Freitag, 15.08.2014 Was soll das?

Im Osten nichts Neues

Von Thomas Bärsch

12

In Kolonne fuhren Ostdeutsche gen Westen. Und umgekehrt? Fehlanzeige!
In Kolonne fuhren Ostdeutsche gen Westen. Und umgekehrt? Fehlanzeige!

Selten hat uns ein Satz so aufgeschreckt wie dieser: „Selbst im Jahr 25 nach dem Mauerfall war ein Fünftel der Westdeutschen noch nie im Osten“, sagt der Buchautor Markus Decker in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Das beweist, dass in den Köpfen vieler Westdeutscher noch immer fiese Vorurteile gegen die DDR festsitzen. Mehr als zehn Millionen Bürger der alten Länder haben also nicht von der Reisefreiheit gekostet, die wir für sie erkämpften. Kennen sie etwa die äußerst liberalen Einreisebestimmungen nicht, die seit dem 9. November 1989 gelten?

Wir fassen die wichtigsten Regeln zusammen: Nach Ostdeutschland darf jeder Bewohner der alten Bundesländer einreisen, der bereit zur Integration und im Besitz eines gültigen Personalausweises ist. Bei Bürgern aus Bayern und Baden-Württemberg reicht eine Maklerlizenz. Mitglieder der West-Linken legitimieren sich einfach mit ihrem Parteibuch. Wer in seinem Heimatort keine Meldestelle der Partei findet, kann sich direkt an der Grenze einen vorläufigen Engpass ausstellen lassen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 12 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. unclesigg

    Schöne Glosse. Noch ein Tipp an die ABL: Reisen in die NBL sind ohne Genehmigung möglich, es wird kein Zwangsumtausch gefordert. - Man könnte allerdings bechwichtigen: diese 10 Mio sind die Kinder. Hinzufügen sollte man aber, wieviele Ostdeutsche waren denn noch nie im Westen?

  2. Dani

    Wir wohnen seit mehr als 10 Jahren im "Westen" und unsere Erfahrung ist: Aus unserem Freundeskreis waren viele schon mindestens einmal in Sachsen oder Thüringen. Und Vorurteile gegenüber "Ostdeutschen" erleben wir gar nicht - weder im beruflichen Umfeld noch privat. Die Unterscheidung in Ost und West ist hier gar kein Thema. Dieses "Thema" begegnet uns kurioserweise immer nur bei unseren Besuchen in Sachsen ...

  3. Sven

    Ich habe schon in verschiedenen Städten im Westen gewohnt und lebe noch da. Ich kann bestätigen, dass viele Leute in den alten Bundesländern nicht viel Ahnung vom Osten haben. Hinzu kommen tatsächlich sehr, sehr überholte Vorurteile. Diejenigen, die allerdings schon in den neuen Bundesländern waren sind sehr begeistert.

  4. pierre

    Dani träum weiter

  5. christiane

    @ pierre: Positive Erfahrungen passen wohl nicht ins "Bild"?

  6. Dani

    @ pierre: Mit träumen hat das nichts zu tun, eher mit der Bereitschaft, anderen zu verzeihen. Wir haben die ersten 10 Jahre in einem Dorf im Schwarzwald gelebt. Das war echt eine Herausforderung. Wir waren "Reingeschmäckte", wie die Leute dort sagten. Wir waren "Fremde" und wir blieben immer "Fremde". Das hatte aber nicht in erster Linie etwas mit unserer Herkunft aus dem Osten zu tun, sondern ist generell in diesen Dörfern so. Eine Familie aus Bayern hat dort in dem Ort die gleichen Erfahrungen gemacht wie wir. Für uns gab es mal so einen Zeitpunkt - das war im Jahr 2003 - an dem wir uns gesagt haben: "O.k., wir sind Fremde und wir bleiben Fremde und wir sind sogar gern Fremde." Zur eigenen Herkunft zu stehen und nicht zu viel von anderen zu erwarten, ist eine gute Strategie, mit anderen und mit sich selbst klarzukommen.

  7. Endlich wieder im Osten

    Habe im Großen und Ganzen negative Erfahrungen im Westen gesammelt und bin glücklich wieder im wunderschönen Dresden leben zu können. Mit Bürgern die einen Migrationshintergrund haben, hatte ich eigentlich nur positive Erfahrungen gemacht (Ausnahmen gab es, aber die waren sehr selten). Nur von Altbundesbürgern kamen häufig arrogante Sprüche, die einem vormachen wollten, was für tolle Hechte sie doch seien und wie schlecht alles im Osten ist. Es ist so und da brauch' auch kein Dani durch seine Ausnahmeerfahrungen auf andere schließen! Ich kann die Österreicher, Schweizer, Franzosen usw. nur verstehen, wenn sie die Deutschen als eingebildete Schnösel einschätzen. Deckt sich mit eigenen Erfahrungen im 'goldenen' Westen.

  8. Westler

    Man besucht oftmals auch den Nahen Osten aus dem weiten wilden Westen nicht, weil man Angst haben muss, von einem Nazi, der als Kellner oder einem Straßenbahnfahrer, der Nazis wählt, oder anderen Braungesinnten, bedient zu werden. Manbraucht sich nur einmal die verschiedenen Wahlergebnisse im Osten und im Westen im Internet anzuschauen, dann läuft es einem kalt den Rücken herunter, wenn man die Ergebnisse im Osten sieht. (ein Beispiel: in einer KLeinstadt im Westen 0,1 % Naziwähler, in einer Kleinstadt in Sachsxen 10 % . Ja, und so maniche Ostdeutsche glauben jeden Sch..., den dies braunen Brieder erzählen. "Da", so sagte mir ein Wossi, "bleibsch lieber in meiner neien Heemaad im wildn Wesdn derheeme. Fun braun und rod habsch de Schnauze full."

  9. RU

    Ich war ab 1991 einige Jahre in einem Großbetrieb in Bayern. Den Kontakt mit den einheimischen Kollegen habe ich arbeitsmäßig und menschlich in Ordnung empfunden. Allerdings war das Interesse für den Osten doch eher sehr gering. Mir schien, dass die Westdeutschen damals allgemein nur wenig über den Osten und dessen Lebensbedingungen wussten. Vermutlich auch ein Ergebnis des Eisernen Vorhangs. Lediglich einmal würde es in einer Mittagsrunde kritisch. Da versuchte mir ein Arbeitskollege zu erklären, dass die damals sprunghaft angestiegene Arbeitslosigkeit im Osten doch nur an den Ostfrauen liegt, weil diese alle wegen ihrer "kommunistischen Verseuchung" unbedingt arbeiten wollten. Da hab ich es dann doch vorgezogen, lieber zu schweigen.

  10. Leser

    @Westler versuch`s mal mit Rechtschreibung - hat nichts mit Rechts zu tun, sondern mit Allgemeinbildung - und dann gib einen neuen Kommentar ab.

  11. Macher

    @Westler: Wenn man keine Ahnung hat, dann sollte man es lieber sein lassen! ich meine hier Ihr sächsisch! Von vielleicht einem Kaff mit 3000 Einwohnern mit 10% NPD bei 30% Wahlbeteiligung auf eine braune Bedrohung zu schließen zeugt von Unwissenheit und dann bleiben Sie doch so Sie sind!

  12. Volker W.

    Warum soll einen der Satz „Selbst im Jahr 25 nach dem Mauerfall war ein Fünftel der Westdeutschen noch nie im Osten“ aufschrecken? Jeder wie er will. Werde ich jetzt gesteinigt, weil ich seit der Wende noch nie Urlaub im Ausland gemacht habe?

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.