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Mittwoch, 16.07.2014

Im Netz gemobbt

Zwei Waldheimer Oberschülerinnen haben die schlechten Seiten des Internets kennengelernt. Das Handyverbot hilft nicht.

Von Maria Lotze

Mit dem Handy kann inzwischen jeder immer online sein. Im Internet fallen Beleidigungen oftmals leichter, weil Barrieren fehlen.
Mit dem Handy kann inzwischen jeder immer online sein. Im Internet fallen Beleidigungen oftmals leichter, weil Barrieren fehlen.

© Dietmar Thomas

Michelle hat es schon einmal erlebt. Die Waldheimer Oberschülerin weiß, wie es sich anfühlt, im Internet gemobbt zu werden. Im sozialen Netzwerk Facebook haben einstige Freunde von ihr Gerüchte über die 16-Jährige in die Welt gesetzt und eine Gruppe gegen sie gegründet. „Das hat sich nicht gerade prickelnd angefühlt“, sagt Michelle. Doch die Schülerin hat sich gewehrt, die Beleidigungen nicht auf sich beruhen lassen. Sie sprach mit ihrer Mutter und meldete die Gruppe bei den Betreibern des Netzwerkes. Doch das half nichts. Auch nach dem Löschen der Gruppe wurde sie weiter beleidigt. Sie meldete auch diejenigen, die sie mobbten. „Die Personen wurden schließlich gesperrt“, erzählt die Schülerin.

Michelles Fall ist nicht der einzige an der Oberschule in Waldheim. Vor einiger Zeit durchlebte eine andere Schülerin die Hölle. Sie hatte einem Freund ein Foto von sich geschickt, auf dem sie nur leicht bekleidet zu sehen war. Der machte sich einen Spaß daraus und versendete das Bild weiter.

Schulleiter Jürgen Köber ist machtlos. Der letzte Fall ist dem Direktor zwar bekannt, doch mehr als mit den Schülern reden, könne er nicht. Selbst das Handyverbot an der Schule schafft keine Abhilfe gegen das Mobbing im Internet. „Die Vorfälle passieren nachmittags, abends und nachts“, sagt Köber. Hier sieht er die Eltern in der Pflicht. „Sie sollten sich dafür interessieren, was ihre Kinder im Internet machen.“

Mit Projekttagen und Elternabenden zum Thema versucht die Schule, Schüler und Eltern für den richtigen Umgang mit dem Internet zu sensibilisieren. „Im Internet wird schneller gemobbt, weil Barrieren fehlen“, sagt Christian vom Projekt Reclaim your web des Netzwerkes für Demokratie und Courage. Er sowie drei seiner Kollegen waren jetzt zu Besuch an der Oberschule, um sich mit den Schülern der neunten Klasse über Medien und Diskriminierung in Medien auszutauschen. Für das kommende Schuljahr plant Direktor Köber einen weiteren Elternabend zu dem Thema.

Auch das Lessing-Gymnasium Döbeln legt Wert auf die richtige Kompetenz im Umgang mit sozialen Netzwerken, denn in Döbeln gab es ebenfalls schon Fälle von Cyber-Mobbing. An der Einrichtung helfen sich die Schüler untereinander. Acht- und Neuntklässler werden von Medienexperten zu sogenannten „Social-Community-Guides“ ausgebildet. Bei einem Projekttag geben sie ihr Wissen an die Schüler der fünften und sechsten Klassen weiter. Zudem sind die Schüler Ansprechpartner. In diesem Schuljahr gab es ebenso einen Elternabend zu dem Thema. Die „Guides“ aus Döbeln sind inzwischen sogar auch an anderen Schulen gefragt. „In den letzten Wochen waren sie an der Oberschule in Hartha, um dort ein entsprechendes Problem zu lösen“, so Michael Höhme, der Leiter des Gymnasiums. Eine Schülerin aus Döbeln wirke sogar bei sachsenweiten Projekten mit.

Michelle ist inzwischen nicht mehr sooft bei Facebook unterwegs. Die Beleidigungen sind allerdings nicht der Grund. „Facebook ist langweilig geworden“, sagt die Schülerin. Mit denjenigen, die sie damals beleidigt haben, hat sie sich mittlerweile ausgesprochen. „Wir sind jetzt wieder Freunde.“