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Montag, 12.11.2012

Im Gleichschritt in die Rente

Jahrelang hatte das Görlitzer Rathaus kein vernünftiges Personalentwicklungskonzept. Die Folgen kommen die Stadt nun teuer zu stehen.

Von Daniela Pfeiffer

Die Einwohner Hagenwerders sind die Ersten, die sie zu spüren bekommen: Die Folgen eines seit Jahren fehlenden Personalkonzeptes im Görlitzer Rathaus. Über lange Zeit hat man hier zugesehen, wie die Mitarbeiter des Städtischen Betriebshofes immer älter wurden, viele in Altersteilzeit gingen. Zwölf von 15Abgängen sind altersbedingt. Diese Leute fehlen nun.

Zum Beispiel in Hagenwerder. Grünflächenpflege, Verkehrssicherungs- und Anliegerpflichten für städtische Grundstücke werden ab sofort bis Dezember 2013 nicht mehr durch die Stadt abgedeckt. Wie Ortsvorsteher Andreas Zimmermann im Ortschaftsrat informierte, werde das nun eine Firma übernehmen, die Stadt wolle nur noch eine Kontrollfunktion einnehmen. Im jüngsten Technischen Ausschuss wurde der Zuschlag an den Königshainer Fachbetrieb für Garten- und Landschaftsbau Rainer Schmidt vergeben. Die Änderung gilt nur für Hagenwerder, nicht jedoch für Tauchritz.

Dass solche Lösungen demnächst auch für andere Ortsteile oder die Stadt selbst in Betracht gezogen werden müssen, ist wahrscheinlich. Schon seit mehreren Monaten sind schließlich die Auswirkungen der Misere im Betriebshof zu sehen. Vor allem Flächen in den Stadtteilen wucherten zu, die Beschwerden über nicht gemähte und nicht gejätete Flächen häuften sich.

Oberbürgermeister Siegfried Deinege sagt: „Wir sind was den Betriebshof angeht, mit einem Leistungsdefizit in enormem Maße konfrontiert. Wenn bei den zwölf Mitarbeitern, die in Altersteilzeit gehen, die Ruhephase eintritt, können wir auf einen Schlag auch keine Leistungen mehr erbringen.“ Zu kompensieren wäre das dann nur noch durch externe Vergaben. „Aber wir haben nicht einen Cent Rücklagen für die anstehenden Aufgaben, also auch kein Geld dafür. Wir müssen locker mal 120.000 Euro beschaffen, um überhaupt einen Winterdienst zu haben.“ Woher es genau kommen soll, ist noch nicht klar. Möglicherweise muss es aus der Rücklage entnommen werden.

Deutliche Worte sind das, die in erster Linie die Arbeit seines Vorgängers kritisieren. Joachim Paulick hatte nie ein Personalentwicklungskonzept erstellt – obwohl der Stadtrat das mehrfach gefordert hatte. Stattdessen wurde unter seiner Regie sogar die Streichung von 14 der 99Stellen im Haushaltsplan verankert. Ob das schwerwiegende Auswirkungen habe, könne man erst zu einem späteren Zeitpunkt sagen, wiegelte Paulick damals ab.

„Mir macht die Situation große Sorgen“, sagt Siegfried Deinege nun. „Ich will so schnell wie möglich ein Personalentwicklungskonzept. Es ist notwendig, weil wir so viele Veränderungen haben.“ Ohne dem ginge das gesamte Rathaus bald „im Gleichschritt in die Rente“. Deshalb müsse geregelt werden, dass genug Nachwuchs da ist, wenn ältere Mitarbeiter ausscheiden. „Die jungen Leute müssen eine Chance bekommen, wir wollen Ausbildung“, so der Oberbürgermeister.