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Dienstag, 26.11.2013

Illegalen Tierhandel aufgedeckt

Meißner Tierschützer entdeckten vier junge und kranke Welpen in einem Auto aus Osteuropa. Das ist nicht der erste solche Fall.

Haben sich schnell angefreundet: Sarah Förster vom Tierheim Winkwitz zeigt einen, der illegal nach Deutschland eingeführten ungarischen Vizsla-Welpen.
Haben sich schnell angefreundet: Sarah Förster vom Tierheim Winkwitz zeigt einen, der illegal nach Deutschland eingeführten ungarischen Vizsla-Welpen.

© Claudia Hübschmann

Mitarbeiter des Meißner Tierheims in Winkwitz haben am Wochenende Welpenhändlern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie das Heim jetzt mitteilte, wollten zwei Ungarn an der Autobahnraststätte Dresdner Tor Vizsla-Welpen verkaufen. Die ungarischen Vorsteherhunde erfreuen sich in den letzten Jahren einer wachsenden Beliebtheit. Die Rasse gilt als ausgesprochen anhänglich.

Ein Fernsehsender hatte für seine Frühstückssendung den Kauf eingefädelt und die Aktion Tier aus Meißen um fachkundigen Beistand gebeten. Insgesamt vier Vizsla-Welpen und zwei kleine Französische Bulldoggen fanden die Tierschützer im Kofferraum der Welpenhändler. Alle diese Tiere wollten die Männer bei ihrer Fahrt durch Deutschland für 380 bis 500 Euro pro Welpe verkaufen.

„Vor Ort stellte sich heraus, dass die Hunde für den legalen Transport nach Deutschland zu jung waren“, sagt der Chef des Tierheims Meißen Mario Assmann. Europäische Impfausweise seien zwar vorhanden gewesen und die Tiere hätten einen Mikrochip unter der Haut getragen, um sie besser identifizieren zu können. Aber in den Ausweisen der vier Vizsla-Welpen fehlte die für die Einfuhr nach Deutschland vorgeschriebene Tollwutimpfung, so Assmann. Die Pässe der Französischen Bulldoggen stammen seinen Angaben zufolge aus den Niederlanden, die tierärztlichen Einträge jedoch aus Ungarn. Diese Verstöße gegen deutsche Gesetze hätten die Tierschützer letztlich veranlasst, die Polizei zu rufen, sagt der Meißner.

In Dresden bestätigt die Sprecherin der Polizeidirektion Jana Ulbricht diese Angaben. Ihre Kollegen seien per Telefon herbeigeholt worden und hätten die Personalien der Ungarn aufgenommen. Jetzt werde geprüft, ob diese gegen deutsche Einreise-Auflagen oder andere Gesetze verstoßen hätten. Dazu könne abschließend noch nichts gesagt werden.

Um die Welpen kümmert sich unterdessen das Tierheim in Winkwitz. Die Tiere sind dort in der Quarantänestation untergebracht und wurden tierärztlich versorgt. „Ihr Gesundheitszustand ist bedenklich, sie riechen unangenehm, haben Nasen- und Augenausfluss sowie Durchfall“, sagt Tierpflegerin Anne Pionke.

Der Aktion Tier zufolge, welche das Tierheim Winkwitz unterstützt, stammen die Tiere von einer ungarischen Züchterin, die seit Jahren regelmäßig ihre Welpen über das Internetforum „Quoka“ anbietet. Hundefreunde bestellen die Welpen und werden dann zur Übergabe auf eine deutsche Raststätte gelotst. „Häufig sind die Impfausweise gefälscht, die Tiere illegal nach Deutschland importiert und die meist viel zu jungen Welpen krank“, sagt Mario Assmann.

Der Tierpfleger berichtet von einem Fall aus Dresden. Ein Paar hätte dort von besagter ungarischer Züchterin eine kranke Vizsla-Hündin erworben. Der Welpe sei zwei Tage nach seiner Ankunft in Deutschland erkrankt und fünf Tage später in einer Tierklinik an Staupe und Parvovirose gestorben. Die Polizeidirektion in Dresden bestätigte gestern, dass dazu seit vergangener Woche eine Anzeige wegen Betrugsverdacht von dem betroffenen Paar vorliege.

„Das lukrative Geschäft mit osteuropäischen Welpen blüht nach wie vor, da immer noch Menschen der Meinung sind, sich einen Hund wie ein Kleidungsstück im Internet bestellen zu müssen“, bedauert Mario Assmann.

Die Aktion Tier rate dringend von dieser Art des Hundekaufs ab, dem viele Hundert Welpen jährlich zum Opfer fallen. Ähnlich äußert sich Polizeisprecherin Jana Ulbricht. Spätestens, wenn eine Übergabe an einer Raststätte geplant werde, sollten den Käufern Zweifel kommen. So verfahre kein seriöser Züchter. (SZ/pa)