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Montag, 02.10.2017

Ihr goldener Traum

Der Deutschland-Achter holt in Florida nach sechs langen Jahren den ersehnten WM-Titel.

Von Erik Roos

Das deutsche Flaggschiff setzt sich vom Start weg ab und hat im Ziel einen deutlichen Vorsprung.
Das deutsche Flaggschiff setzt sich vom Start weg ab und hat im Ziel einen deutlichen Vorsprung.

© dpa

Schlagmann Hannes Ocik rang kurz nach Luft, dann brachte sein Jubel fast das Boot zum Kentern: Der Deutschland-Achter ist in Florida mit einer Glanzleistung zur ersehnten ersten WM-Goldmedaille seit 2011 gerudert. Das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) holte den Titel vor Gastgeber USA und Italien und krönte ein sensationelles Jahr mit der endgültigen Rückkehr an die Weltspitze.

„Es war ein so gutes Gefühl, heute die Ziellinie als erste Mannschaft zu überqueren“, sagte Ocik: „Ganz ehrlich: Die Arbeit in den vergangenen zwei Monaten war viel, viel härter als das eigentliche Rennen. Die wahre Herausforderung war es, über eine so lange Zeit fokussiert zu bleiben.“

Bei Temperaturen um die 30 Grad behielt das Paradeboot in einem spannenden Rennen kühlen Kopf. Nach einem ordentlichen Start übernahm die Crew von Bundestrainer Uwe Bender die Kontrolle, zog Zentimeter um Zentimeter davon und ließ bis zum Ziel nichts mehr anbrennen. Nach 2 000 Metern und 5:26,85 Minuten lag das „deutsche Traumschiff“ eine halbe Bootslänge vor dem geschlagenen US-Achter.

Mit dem Triumph in Sarasota endete eine lange Durststrecke: 2013, 2014 und 2015 hatte sich das deutsche Team jeweils mit WM-Silber begnügen müssen, auch bei Olympia 2016 reichte es „nur“ zu Rang zwei – immer hinter Großbritannien. Der ewige Konkurrent von der Insel hat die vielen Neubesetzungen nach Olympia aber längst nicht so gut verkraftet wie das deutsche Boot, in Florida scheiterte der Titelverteidiger schon im Halbfinale.

Ganz anders die deutsche Mannschaft, die mit einer Mischung aus jungen Wilden und alten Hasen das Jahr ohne Niederlage abschloss. Dem Team könnte nun eine Erfolgsära bevorstehen. Die aktuelle Mannschaft erinnere ihn „stark an die vier Jahre von 2009 bis 2012, als wir dreimal hintereinander Weltmeister und in London noch Olympiasieger wurden“, hatte zuletzt Richard Schmidt gesagt. Schmidt muss es wissen, er sitzt seit neun Jahren im Achter.

Insgesamt fiel die deutsche WM-Bilanz dennoch mager aus. Der Achter-Titel ist die einzige deutsche Medaille eines olympischen Bootes. Nur einen Podestplatz in den 14 Olympia-Klassen hatte der DRV zuletzt bei den Titelkämpfen 1982 geholt. Der nicht mehr olympische Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann holte am Sonntag immerhin Bronze. Bezeichnend war das Abschneiden der Doppelvierer, die nach Doppel-Gold bei Olympia 2016 jeweils komplett umbesetzt worden waren. Die Männer verpassten erst zum zweiten Mal in der WM-Geschichte das Finale. Das Frauen-Quartett belegte immerhin Rang vier.

„Ich muss leider sagen: Es gibt international kein nacholympisches Jahr mehr. Da macht keiner mehr Pause, alle geben weiter Vollgas. Das haben wir nicht gemacht“, hatte Cheftrainer Marcus Schwarzrock schon vor der WM gesagt. (sid)

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