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Mittwoch, 13.09.2017

Idylle mit Problem

Die Leinewebergasse soll von Grund auf saniert werden – wie verträgt sich das mit den alten Stützmauern am Afra-Hang?

Von Udo Lemke

© Symbolfoto: dpa

Meißen. Schaut man von den Afrastufen hinab Richtung Dom, dann wird der Blick von einer leicht gebogenen schmalen Straße geführt – der Leinewebergasse. In der Mitte wölbt sich das Granitpflaster auf, an den Rändern wird es durch einen schmalen Bord von den Häusern getrennt. An vielen Stellen stoßen Stützmauern vom Hang auf die Leinewebergasse – auf den ersten Blick ein idyllisches Bild.

Der zweite Blick offenbart Probleme, wie sie typisch für eine historische Altstadt sind. Eines davon will der Verwaltungsausschuss des Stadtparlaments an diesem Mittwoch verhandeln. Es geht um eine historische Stützmauer in Trockenbauweise, die saniert werden soll. Die etwa 25 Meter lange Mauer am oberen Ende der Leinewebergasse soll für 50 000 Euro neu aufgebaut werden. Dazu will der Verwaltungsausschuss eine außerplanmäßige Ausgabe genehmigen. Denn die Stützmauersanierung ist eine Voraussetzung für den „grundhaften Straßenausbau der Leinewebergasse“. Die soll im kommenden Jahr in Angriff genommen werden.

Einer der davon betroffenen Anlieger ist Walter Hannot, dessen Haus Freiheit 5 oberhalb der Leinewebergasse steht. Er fragt die Fraktionsvorsitzenden im Stadtparlament, warum mit der Sanierung der Trockenmauer bereits Folgekosten beschlossen werden, „wenn über die Hauptsache als solche, nämlich den grundhaften Straßenausbau der Leinewebergasse selbst noch gar nicht befunden wurde?“ Überhaupt erschließe sich ihm nicht der Grund, warum die Leinewebergasse saniert werden muss, „nur weil es Fördermittel dafür gibt?“

Ihm sei nicht bekannt, dass der Kanal in der Straße repariert werden müsse. „Vielleicht kommt man bei der detaillierten Betrachtung des Ausbaus ja auch zu dem Ergebnis, dass dieser noch ein paar Jahre zurückgestellt wird? Oder man kommt bei der Bearbeitung des Haushaltsentwurfes 2018/2019 zu dem Ergebnis, dass dieses Geld erst mal für wichtigere Dinge gebraucht wird“.

Abgesehen von diesen eher globalen Erwägungen verfolgt Walter Hannot in Sachen Leinewebergasse ganz klar private Interessen. Die allerdings teilt er mit den anderen zehn, zwölf Anliegern der Leinewebergasse und sie haben es in sich. Denn die Leinewebergasse ist die Basis für zahlreiche Stützmauern, wie eingangs bereits erwähnt. Diese Mauern stützen den Afra-Hang und der wiederum hält die Häuser, die dort errichtet worden sind, wie eben den alten Domherrenhof, den Walter Hannot saniert hat. „Ich befürchte, dass beim Ausbau der Leinewebergasse auf die Standfestigkeit der Mauern nicht genügend geachtet wird.“ Sollte dies doch der Fall sein, dann könnte eine Kostenlawine losgetreten werden, sollte sich herausstellen, dass auch nur einige der Mauern aufwendig stabilisiert werden müssten.

Es bedurfte einiger Diskussionen, bis bei der geplanten Sanierung der Leinewebergasse auch an ältere Menschen und Behinderte gedacht werden soll. Zwar war das alte Straßenpflaster fotografiert worden, damit es später wieder eingebaut werden kann, aber an einen Weg für sie nicht. Nun soll in der Mitte der Leinewebergasse ein ebener Granitstreifen verlegt werden, auf dem Rollstühle und Rollatoren vorwärtskommen und auch Radtouristen.

Von alledem ist den Anwohnern der Leinewebergasse allerdings nichts bekannt. Sie sollen nun auf Anregung von Walter Hannot erst einmal über das geplante Bauvorhaben informiert werden.