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Dienstag, 12.01.2016

Ideen sammeln fürs Gewandhaus

Erwacht das Gebäude aus dem Dornröschenschlaf? Ein paar junge Löbauer wollen genau das jetzt erreichen.

Von Gabriel Wandt

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Innen wie außen sieht das Löbauer Gewandhaus ziemlich marode aus. Doch die Bilder sprechen auch davon, welche Geschichte in dem Gebäude steckt – und welches Potenzial immer noch vorhanden ist. Sechs junge Löbauer wollen dieses jetzt ausloten.
Innen wie außen sieht das Löbauer Gewandhaus ziemlich marode aus. Doch die Bilder sprechen auch davon, welche Geschichte in dem Gebäude steckt – und welches Potenzial immer noch vorhanden ist. Sechs junge Löbauer wollen dieses jetzt ausloten.

© Privat

  • Innen wie außen sieht das Löbauer Gewandhaus ziemlich marode aus. Doch die Bilder sprechen auch davon, welche Geschichte in dem Gebäude steckt – und welches Potenzial immer noch vorhanden ist. Sechs junge Löbauer wollen dieses jetzt ausloten.
    Innen wie außen sieht das Löbauer Gewandhaus ziemlich marode aus. Doch die Bilder sprechen auch davon, welche Geschichte in dem Gebäude steckt – und welches Potenzial immer noch vorhanden ist. Sechs junge Löbauer wollen dieses jetzt ausloten.

Löbau. Sechs junge Leute nehmen sich dem alten Gebäude an, und Löbau darf gespannt sein, was daraus wird: Erstmals seit vielen Jahren gibt es wieder Hoffnung, dass in das Gebäude Leben einziehen könnte. 2015 konnte das Gewandhaus seinen 190. Geburtstag feiern, doch der Blick darauf blieb trist. Verriegelte Türen und bröckelnder Putz prägen nach wie vor den Anblick des Gebäudes, das von Süden her immerhin am Eingang der Innenstadt steht.

Im Frühling werden die Löbauer es zumindest für ein, zwei Tage aber wieder betreten können. Das ist das erklärte Ziel einer Gruppe von jungen Löbauern um Marcus Keßner. Die haben sich zusammengefunden, um Ideen zu suchen, das Gewandhaus weiter zu nutzen, und diese Ideen auch in die Tat umzusetzen. Das wollen sie gemeinsam mit der Löbauer Bevölkerung tun, und daher haben sie nun einen Aufruf verfasst, den die SZ auf dieser Seite abdruckt. „Wir wollen die Löbauer in das Gebäude holen, damit sie selbst sehen, warum sich die Rettung des Gewandhauses lohnt“, steht darin.

Das Interesse sehr vieler Löbauer dürfte ihnen sicher sein, denn um bedauernswerten Zustand des Gebäudes gibt es immer wieder Gespräche und Diskussionen. Die Frage aber ist: Mit welchem Konzept kann man das Gewandhaus künftig betreiben? Einer Antwort auf diese Frage wollen Marcus Keßner und seine Mitstreiter mit der geplanten Ausstellung näher kommen. Die soll im Gewandhaus selbst stattfinden und Möglichkeiten fürs Ideensammeln, Diskutieren und Austauschen bieten. So soll ein Stimmungsbild sowohl darüber entstehen, was die Löbauer sich für das Gebäude vorstellen könnten, als auch dazu, wie viel Rückhalt ein Rettungsprojekt in der Stadtbevölkerung wirklich hätte.

Die Ausstellung selber soll sich – natürlich – mit dem Gewandhaus selbst beschäftigen. Und auch dazu dient der jetzt veröffentlichte Aufruf: Material für die Schau zu sammeln. „Wir sind auf die Löbauer angewiesen“, sagt Marcus Keßner. Er setzt auf die, die hier leben, und auf jene, die weggezogen sind, aber das verfolgen, was in ihrer Heimatstadt passiert. Gesucht wird Bildmaterial, auch hoffen die Initiatoren auf Geschichten, Erinnerungen, Episoden.

Im Zwei-Wochen-Rhythmus treffen sich die sechs jungen Leute mittlerweile, um Ideen zu diskutieren und die Ausstellung vorzubereiten. Im Mai könnte sie stattfinden, das ist das derzeit gesteckte Ziel. Einen festen Termin gibt es noch nicht, dafür aber eine wichtige Zusage: Die Stadt Löbau als Eigentümerin des Gebäudes hat bereits ihre Unterstützung signalisiert. Keßner und seine Mitstreiter haben sich das Gebäude auch von innen schon angesehen, waren beeindruckt von dem, was das Haus über seine Vergangenheit erzählt, und haben sich einen Überblick darüber verschafft, was mit dem derzeitigen Baustand innerhalb des Hauses machbar ist.

Die junge Initiatorengruppe ist noch in der Findungsphase, noch gibt es keinen festen Verein und keine festen Mitgliedschaften. Bis diese Strukturen enger geworden sind, ist zunächst der 28-jährige Marcus Keßner das Gesicht der Gruppe. Was aus der Initiative tatsächlich wird, hängt von der Entwicklung in den kommenden Wochen, dem Erfolg der Ausstellung und der Resonanz auf die Rettungsinitiative ab. Zumal es offenbar weiterhin einen Investor gibt, der an dem Gebäude interessiert ist.

Die Belebung des Gewandhauses in Angriff zu nehmen, käme jetzt zur rechten Zeit. Denn in der Innenstadt hat ein Ladensterben begonnen, das sich in diesem Jahr fortsetzen könnte. Umso wichtiger ist es, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Eingangsbereiche der Innenstadt stärker in den Blick zu nehmen, ist bislang versäumt worden, wie Guido Storch in seinem letzten Interview als Bürgermeister selbstkritisch einräumte. Ein Gewandhaus, das die Menschen anzieht, könnte speziell der Inneren Zittauer Straße helfen.

Das Gewandhaus selbst steht immerhin dort, wo einst das Zittauer Tor als südlicher Eingang in die Stadt die Stadtmauer durchbrach. Vor rund 200 Jahren wurde der Bau konkret, denn Löbau brauchte ein Mehrzweckgebäude. Vor 190 Jahren war es fertig, und wurde seither tatsächlich für alle möglichen Zwecke genutzt: Hier übten Soldaten das Exerzieren, wurden Konzerte gegeben, wurde mit Flachs und anderen Waren gehandelt, fanden Kinoaufführungen statt. Zu DDR-Zeiten zog die HO-Handelsorganisation hier ein, bis 2010 fanden einmal jährlich noch Jugendtheatertage in dem Gebäude statt.

Doch auch die gibt es nicht mehr, und seitdem ist das Gebäude leer. Der Öffentlichkeit war es damit seit Jahren nicht mehr zugänglich. Mindestens das soll die geplante Ausstellung im Frühjahr ändern – und Impuls sein für mehr.