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Dienstag, 26.09.2017 Deutschland hat gewählt

„Ich werde meiner Linie treubleiben“

Nur knapp zieht Veronika Bellmann (CDU) wieder in den Bundestag ein. Bei manchen Themen ist sie machtlos.

Sie hat es wieder in den Bundestag geschafft: Veronika Bellmann (CDU). Seit 2002 sitzt sie in dem deutschen Parlament. Mit Heiko Hessenkemper (AfD) gab es am Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das direkte Mandat.
Sie hat es wieder in den Bundestag geschafft: Veronika Bellmann (CDU). Seit 2002 sitzt sie in dem deutschen Parlament. Mit Heiko Hessenkemper (AfD) gab es am Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das direkte Mandat.

© Dietmar Thomas/Archiv

Region Döbeln. Genau 1 356 Erststimmen Vorsprung haben Veronika Bellmann (CDU) erneut in den Bundestag verholfen. Als Direktkandidatin zieht sie vor AfD-Kandidat Heiko Hessenkemper in das Parlament ein. Der DA sprach mit der 56-Jährigen.

Frau Bellmann, wie haben Sie die Nacht nach der Wahl überstanden?

Eigentlich ganz gut. Es war ein Herzschlagfinale, spannender als jeder Sonntagabend-Tatort. Aber ich war innerlich auf die Situation vorbereitet, habe meine Anhänger immer gebremst und mit mindestens 25 Prozent für die AfD gerechnet. Es lohnt sich, einen realistischen Blick zu haben. Aber das Ergebnis ist schon ziemlich heftig.

Die Wähler in Ihrer Heimat Eppendorf sind Ihnen treugeblieben, die Freiberger haben Sie an die AfD verloren.

Und auch Dorfchemnitz ist mir nicht treugeblieben. Freiberg habe ich mir über Jahre aufgebaut. Als große Stadt mit vielen Studenten ist Freiberg eher linksgeprägt. Aber die Stadt ist Schwerpunkt in Sachen Asyl. Das hat sich mein Gegenkandidat zum Thema gemacht.

Was sind für Sie die Ursachen für das starke Abschneiden der AfD?

Ich kann es ein bisschen nachvollziehen. Prozente gewonnen hat die Partei vor allem damit, dass sie das Thema Flüchtlinge auf die Agenda gesetzt hat. Das war auch immer wieder das, was die Leute aufgeregt hat. Und ich hatte ihnen bezüglich der Ungereimtheiten bei den Flüchtlingen, wie die Übernahme von Mehrkosten bei Medikamenten, nichts entgegenzusetzen. Der Kandidat war zudem sehr stark.

Welche Konsequenz ziehen Sie persönlich aus den Wahlergebnissen?

Ich weiß nicht, was ich an meinem politischen Handeln im Landkreis noch verändern kann. Mehr Präsenz zeigen, geht nicht mehr. Politisch will ich weiter mutig, aufrecht und offen bleiben, aber nicht populistisch sein. Meine Linie werde ich weiterführen. Aber ich werde mehr nachfragen. Wer meine Arbeit in Anspruch genommen, aber nicht geschätzt hat, von dem lasse ich in Zukunft die Finger.

Wie geht es nun für Sie weiter?

Da gibt es noch keinen Fahrplan. Zunächst steht die Landesgruppensitzung an, die sich neu finden muss. Ebenso die Fraktion.

Das Gespräch führte Maria Fricke.