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„Ich weiß, dass ich noch mehr kann“

Haris Duljevic ist bisher die Entdeckung bei Dynamo. Dabei spielte der Bosnier vorher noch nie im Ausland. Und den Trainer versteht er auch nicht.

30.09.2017
Von Daniel Klein

, dass ich noch mehr kann“
Nach dem Spiel in Heidenheim am Sonntag reist Haris Duljevic gleich weiter zur bosnischen Auswahl. Die kämpft noch um ein WM-Ticket.

© Robert Michael

Die Statistik verspricht nichts Spektakuläres: Fünf Einsätze bisher, eine Torvorlage – für einen Spieler im linken, offensiven Mittelfeld ist das allenfalls Durchschnitt, nicht mehr. Das Beispiel zeigt, wie sehr Zahlen täuschen können. Wer Haris Duljevic gesehen hat, spricht garantiert nicht von Durchschnitt.

Dynamos Neuzugang ist bisher die Entdeckung der Saison, er sticht heraus, weil er schneller, trickreicher, dynamischer und druckvoller ist als viele Kollegen in der 2. Bundesliga – und im eigenen Verein. Gerade in Zeiten, in denen die Ergebnisse etwas den Leistungen und Erwartungen hinterherhinken, personifiziert Duljevic die Hoffnung, dass es bald wieder besser laufen könnte für die Schwarz-Gelben.

Nils Teixeira konnte sich vor zehn Tagen selbst hautnah eine Stunde lang ein Bild machen – und war begeistert von seinem Gegenspieler. „Da hat die Scouting-Abteilung einen richtig guten Job gemacht“, erklärte der Ex-Dynamo, der nun für Bielefeld spielt, nach dem 2:0-Sieg in Dresden. „An ihm wird der Verein noch viel Freude haben.“

Dabei konnte Duljevic bisher noch nicht einmal sein komplettes Potenzial abrufen – behauptet er zumindest. Seinen Vertrag bei FK Sarajevo hatte er nicht verlängert, in der Sommerpause war er deshalb vereinslos, trainierte individuell. „Das war ein Riesenproblem, weil mir dadurch die Grundlagen fehlen“, erklärt er. Bei wie viel Prozent er inzwischen angekommen ist, wolle er nicht beziffern. „Aber ich weiß, dass ich noch mehr kann.“ Die Eingewöhnungsphase sei nun, nach fast zwei Monaten, abgeschlossen, hofft er. Er fühle sich jetzt fit genug für 90 Minuten.

Bisher ließ ihn Uwe Neuhaus maximal 72 Minuten auf dem Platz. „Es war aber nicht so, dass er nach einer Stunde immer völlig ausgebrannt wirkte, dass Konzentration und Kondition spürbar nachließen“, meint der Trainer. „Doch wenn ein Spieler große Teile der Vorbereitung verpasst hat, ist das auch eine Vorsichtmaßnahme vor möglichen Verletzungen. Jetzt ist er, glaube ich, schon viel, viel weiter als bei seiner Ankunft in Dresden.“ Ob das dann am Sonntag beim Auswärtsspiel in Heidenheim erstmals für 90 Minuten reichen könnte, ließ Neuhaus offen.

Die Umstellung war für Duljevic schon eine gewaltige. Zum ersten Mal kickt er für einen Verein außerhalb Bosniens. Er muss sich an ein fremdes Land, eine fremde Sprache, eine neue Stadt, eine neue Mannschaft – also an ein komplett neues Umfeld gewöhnen. Und das ist im Detail gar nicht so einfach. „Am meisten habe ich mich gewundert, wofür man in Deutschland alles unterschreiben muss“, erzählt er. „Die Bürokratie ist eine ganz andere als in Bosnien.“ Große Hilfe leistet dabei Brano Arsenovic, bei Dynamo eigentlich für die Torhüter zuständig. Im Nebenjob ist er nun auch Dolmetscher und Kümmerer.

Vor allem, wenn es um taktische Anweisungen des Trainers geht, muss Arsenovic übersetzen. Auch da hat Duljevic einigen Nachholbedarf. Bisher spielte er ausschließlich in der zweiten oder ersten bosnischen Liga. Von der Dynamik und Taktik sei das ein Riesenunterschied, findet er. „Die zweite Liga in Deutschland ist eine der stärksten weltweit.“ Umso erstaunlicher ist, dass er sich so schnell zurechtfindet. Und dass ihn kein anderer Verein weggeschnappt hat. Angebote hatte er laut eigener Aussage aus Russland, der Türkei und Spanien. Womöglich lag es am Geld, laut bosnischen Medien soll er bei Dynamo 33 000 Euro im Monat verdienen, womit er zu den schwarz-gelben Spitzenverdienern gehören würde.

Zum Rundumwohlgefühl fehlt nur noch die Sprache. Die funktioniert bisher so: „Ein bisschen englisch und ein bisschen Brano.“ Künftig soll seine Freundin dazukommen. Die studiert in Sarajevo Germanistik, könnte also die Deutschkurse unterstützen. Er hofft, dass sie bald nach Dresden zieht. Bis jetzt reicht es nur für links, rechts, gerade, Tor. Was man halt so braucht als Fußballer.

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