erweiterte Suche
Mittwoch, 20.02.2013

„Ich hatte nie die Absicht, meine Freundin zu töten“

Oscar Pistorius präsentiert sich vor Gericht als Opfer tragischer Umstände. Unterdessen beerdigte Familie Steenkamp ihre Tochter Reeva.

Von Laszlo Trankovits

Bild 1 von 4

Niedergeschlagen ist er, aber nicht wehrlos: Für seine Verteidigung vor Gericht hat Oskar Pistorius ein Team von Spezialisten engagiert. Foto: dpa
Niedergeschlagen ist er, aber nicht wehrlos: Für seine Verteidigung vor Gericht hat Oskar Pistorius ein Team von Spezialisten engagiert. Foto: dpa

© dpa

  • Niedergeschlagen ist er, aber nicht wehrlos: Für seine Verteidigung vor Gericht hat Oskar Pistorius ein Team von Spezialisten engagiert. Foto: dpa
    Niedergeschlagen ist er, aber nicht wehrlos: Für seine Verteidigung vor Gericht hat Oskar Pistorius ein Team von Spezialisten engagiert. Foto: dpa
  • Pistorius stellte sich bei einer Anhörung vor Gericht als Opfer unglücklicher Umstände und einer tragischen Fehleinschätzung dar: „Ich hatte nie die Absicht, meine Freundin zu töten.“
    Pistorius stellte sich bei einer Anhörung vor Gericht als Opfer unglücklicher Umstände und einer tragischen Fehleinschätzung dar: „Ich hatte nie die Absicht, meine Freundin zu töten.“
  • Während der Anhörung fand rund tausend Kilometer entfernt an der Südküste Südafrikas ein Gedenkgottesdienst für die getötete Reeva Steenkamp statt.
    Während der Anhörung fand rund tausend Kilometer entfernt an der Südküste Südafrikas ein Gedenkgottesdienst für die getötete Reeva Steenkamp statt.
  • Oscar Pistorius und Reeva Steenkamp im November 2012. Pistorius ist wegen vorsätzlichen Mordes an seiner Freundin angeklagt.
    Oscar Pistorius und Reeva Steenkamp im November 2012. Pistorius ist wegen vorsätzlichen Mordes an seiner Freundin angeklagt.

Vor Gericht zeigt sich Oscar Pistorius als gebrochener Mann. Immer wieder mit den Tränen kämpfend, hört der 26-Jährige, dass der Staatsanwalt ihn des kaltblütigen Mordes bezichtigt. Als der beinamputierte Leichtathletikstar erstmals seit dem gewaltsamen Tod seiner Freundin Reeva Steenkamp öffentlich das Wort ergreift, wenngleich nur in einer verlesenen Erklärung, hört man einen Mann, der auch sich als Opfer sieht. Als Opfer unglücklicher Umstände und einer tragischen Fehleinschätzung: „Ich hatte nie die Absicht, meine Freundin zu töten.“

Nach seiner Version kam die 29-Jährige am Valentinstag zu Tode, weil in Südafrika mit seiner enormen Gewaltkriminalität ein Eindringling stets eine tödliche Gefahr sei. Deswegen habe er immer eine Pistole unter dem Kopfkissen, so Pistorius, und deshalb habe er in der Dunkelheit blind durch die verschlossene Badezimmertür geschossen. Der Staatsanwalt zeigte sich empört, glaubt ihm kein Wort und ist sich sicher, dass der behinderte Profisportler geplant und wissentlich handelte.

Das Gericht folgte dieser Sichtweise und ließ die Anklage wegen „vorsätzlichen Mordes“ zu. Nun deutet alles auf einen spektakulären Indizienprozess hin. Heute soll entschieden werden, ob Pistorius bis zum Prozess in Untersuchungshaft bleibt. Bei einer Verurteilung droht dem 26-Jährigen lebenslange Haft. „Die Bühne ist bereitet für den Pistorius-Zirkus“, so die Zeitung „Times“. Einen Vorgeschmack gab es schon im Gericht, wo sich in dem kleinen Saal über 100 Menschen drängelten, die meisten von ihnen Journalisten.

Während der Anhörung fand rund tausend Kilometer entfernt an der Südküste Südafrikas ein Gedenkgottesdienst für die getötete Reeva Steenkamp statt. Nur etwa 90 Trauergäste nahmen auf Einladung der Familie an der Gedenkfeier in der Kirche des Victoria Park Friedhofs teil. Steenkamps Onkel erinnerte nach der Zeremonie unter Tränen an den Wunsch der Getöteten, dass sie sich als Aktivistin gegen die Gewalt gegen Frauen engagieren wollte.

Wer in den vergangenen Tagen Südafrikas Presse verfolgte, konnte eigentlich kaum noch Zweifel an der Schuld des 26-Jährigen Pistorius haben. „Die Angst ist groß, dass er keinen fairen Prozess bekommt“, schrieb der „Independent“.

Vor Gericht wirkt Pistorius niedergeschlagen und aufgewühlt. Das hinderte ihn aber nicht daran, kühlen Kopfes ein absolutes Topteam zu seiner Verteidigung zusammenzustellen. Sein Verteidiger Barry Roux ist ein Staranwalt in Südafrika, der schon mehrfach Prominente vertrat. Sein Gegenspieler ist auch kein Unbekannter: Staatsanwalt Gerrie Nel war es, der den früheren südafrikanischen Polizeichef Jackie Selebi der Korruption überführte.

Als Mann für die Medienarbeit hat Pistorius den Ex-„Sun“-Chefredakteur Stuart Higgins verpflichtet. Der Engländer wurde sowohl als Starreporter bekannt als auch später als Medienexperte für British Airways oder Manchester United. „Unsere Aufgabe ist es, etwas von der weltweiten Unterstützung für Oscar aufzunehmen“, sagte er dem „Independent“. Ein Spitzen-Forensiker komplettiert das Team.

Damit scheint Pistorius gewappnet wie einst O.J. Simpson. Der wurde am Ende, obwohl viele an seine Schuld glaubten, vom Vorwurf des Mordes an seiner Ex-Frau und ihrem Bekannten freigesprochen. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.