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Dienstag, 04.05.2010

„Ich habe für das Postplatz-Hotel gestimmt“

Architekt Matthias Horst erklärt, warum er als Wettbewerbsjury-Mitglied den Entwurf für das Hotel am Postplatz gut findet.

Von Bettina Klemm

Architekt Matthias Horst findet den Entwurf des Dresdner Büros Knerer&Lang für ein neues Hotel am Postplatz überzeugend, anspruchsvoll und ehrlich. Als Jury-Mitglied beim Fassadenwettbewerb hat er als Vertreter der Architektenkammer für den Entwurf gestimmt. Neben vier Fachpreisrichtern saßen Vertreter des Bauherrn, von Verwaltung und Wirtschaft sowie Stadträte von vier Fraktionen in der Jury.

Horst bittet darum, sachlich und kultiviert über eine zeitgemäße Architektur in Dresden zu streiten und nicht voreilig einen Architekturentwurf „kaputt“ zu reden und das Ansehen und Engagements des Bauherrn zu schädigen, ohne dessen Bauwille keine weitere Entwicklung am Postplatz möglich wäre. Hier seine Argumente:

Argument 1: Der Postplatz muss neu gefasst werden

Der Postplatz wirkt heute noch leer und wird bisher kaum als Platz wahrgenommen. „Neue Gebäude müssen ihm erst Fassung geben“, sagt Horst. Da sind Proportionen, Platzkanten und Blickbeziehungen wichtig. Der Entwurf von Knerer&Lang Architekten erfülle diese Anforderungen. Er greift dabei Vorgaben des Bebauungsplans von Joachim Schürmann geschickt auf.

„Der Zwinger ist nicht zu toppen. Er ist und bleibt das wichtigste Gebäude am Postplatz“, sagt Horst. Andere Gebäude müssten sich dem unterordnen. Der vorliegende Entwurf passe gut zum Wilsdruffer Kubus und zur Erweiterung der Altmarkt-Galerie. Dennoch bleibe am Postplatz genügend Raum für ungewöhnliche Gebäude, vielleicht Kulturbauten. Allerdings fehlen dafür die Investoren.

Argument 2: Die pfiffige Gestaltung der Fassaden

Vielleicht lasse sich das auf der Visualisierung nur schwer erkennen, aber die Fassade ist mit Sandsteinriemchen in den oberen Etagen sehr fein gegliedert. Zudem wirke sie durch die unterschiedliche Anordnung der Fensterleibungen „gefaltet“. Horst: „Dadurch wirft das Sonnenlicht im Verlaufe des Tages immer andere Schatten. Eine sehr pfiffige Gestaltung.“ Die Fensteranordnung entspreche der Hotelnutzung und täusche keine falschen Tatsachen vor. Das sei ehrlich. Durch einen minimalen Rücksprung werde zudem die sehr lange Fassadenfronten aufgelockert. Der Riegel erhält nur einen zweigeschossigen Unter- und dafür aber einen viergeschossigen Oberbau. Auch das verbessert die Proportion.

Argument 3: Es wurden edle Materialien verwendet

Das Hotel soll eine traditionelle Sandsteinfassade erhalten. Die Arkaden im Erdgeschoss bekommen eine Sandstein-Optik. Andere Entwürfe seien von einfacheren Materialien ausgegangen.

Argument 4: Entwurf passt sich Dresdner Geschichte an

Die Attika, das Spruchband auf dem Dach, hat bei Dresdens Nachkriegsbauten Tradition. Nicht weit entfernt steht „Dresden grüßt seine Gäste“. Die verwendeten Arkadengänge sind für Dresden typisch. Sie lassen sich an der Altmarkt-Westseite, am Schauspielhaus, der Wilsdruffer und Prager Straße finden.