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Mittwoch, 24.02.2016

Hotelpläne in der Kritik

Vor dem neuen Gewandhaus soll an der Ringstraße eines der letzten Filetstücke in der Innenstadt bebaut werden.

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Dieser Entwurf ging als Sieger eines Wettbewerbes für das geplante Hotel hervor. Eine nachgebesserte Ansicht will der Investor noch nicht zeigen.
Dieser Entwurf ging als Sieger eines Wettbewerbes für das geplante Hotel hervor. Eine nachgebesserte Ansicht will der Investor noch nicht zeigen.

© Visualisierung: KLM Architekten

  • Dieser Entwurf ging als Sieger eines Wettbewerbes für das geplante Hotel hervor. Eine nachgebesserte Ansicht will der Investor noch nicht zeigen.
    Dieser Entwurf ging als Sieger eines Wettbewerbes für das geplante Hotel hervor. Eine nachgebesserte Ansicht will der Investor noch nicht zeigen.
  • Zurzeit wird die Fläche an der Ringstraße als Parkplatz genutzt.
    Zurzeit wird die Fläche an der Ringstraße als Parkplatz genutzt.

Es bleibt spannend, auf jeden Fall bis zur Stadtratssitzung am Donnerstag. Bekommt die Innenstadt ein weiteres Hotel, oder doch nicht? Seit Jahren will die Verwaltung die Fläche vorm neuen Gewandhaus an der Ringstraße verkaufen. Alle Versuche scheiterten bisher, zuletzt wurde das Angebot der Hotelgruppe Foremost Hospitality aus Berlin, die unter anderem seit knapp fünf Jahren das Holiday Inn am Dr.-Külz-Ring betreibt, im Mai vorigen Jahres im Bauausschuss abgelehnt.

Doch die Berliner haben weiter Interesse und jetzt offensichtlich nachgebessert. Was genau sie an ihrem Projekt verändert haben, wollen sie noch nicht mitteilen, erklärt Mitarbeiterin Kathrin Böttcher. An ihren Ursprungsplänen halten sie aber fest: Das Areal, welches jetzt als Parkplatz genutzt wird, soll mit einem Mittelklassehotel, in dem rund 200 Zimmer Platz finden, bebaut werden. Ein Entwurf des Leipziger Architektur-Büros KLM hatte einen Wettbewerb zur Gestaltung gewonnen.

Das Ergebnis gefiel nicht jedem und war einer der Gründe, warum es bisher zu keinem Grundstücksverkauf kam. Die SPD-Fraktion sieht das Vorhaben nach wie vor skeptisch. „Noch ein 08/15-Hotelbau, der ein geführtes Hotel schädigt, wollen wir nicht“, erklärt ihr finanzpolitischer Sprecher Thomas Blümel und meint das Gewandhaus-Hotel direkt dahinter, das durch einen Neubau zum Teil zugestellt werden würde. Blümel sähe lieber einen Park auf der stadtbildprägenden Fläche, in dem die historischen Festungsmauerreste aus dem 16. Jahrhundert integriert werden. Denn die wurden in den 1990er-Jahren bei archäologischen Grabungen entdeckt, stehen unter Denkmalschutz und müssen in ein mögliches Bauvorhaben eingebunden werden. Bisher hieß es immer, die alten Sandsteine könnten Teil einer Tiefgarage werden. Davon hält Blümel überhaupt nichts. Wie die Sozialdemokraten am Donnerstag abstimmen werden, haben sie am Dienstag bis in die Abendstunden auf ihrer Fraktionssitzung besprochen.

Soll die Dresdner Innenstadt ein weiteres Hotel bekommen?

1036 abgegebene Stimmen

Auch die anderen Parteien trafen sich. Die CDU steht dem Grundstücksverkauf grundsätzlich offen gegenüber, sagt ihr baupolitischer Sprecher Gunter Thiele. „Man kann zwar trefflich darüber diskutieren, ob man noch ein Hotel in Dresden braucht. Wenn etwas anderes dort hinkäme, wären wir auch nicht böse.“ Baurechtlich habe man aber keine Handhabe, auf der Fläche etwas zu untersagen. Man könne nur beeinflussen, deshalb wurden ein Ziegeldach und die Einfahrt zur Tiefgarage auf der Südseite gefordert.

Diese Bedingungen wurden fraktionsübergreifend im Mai 2015 gestellt, als das Vorhaben im Bauausschuss noch keine Zustimmung erhielt. Jetzt wurde zwar vom Investor an einigen Schrauben gedreht, „das Vorhaben ist aber noch nicht zu Ende gedacht“, urteilt Tilo Wirtz, baupolitischer Sprecher der Linken. Er sieht nach wie vor Klärungsbedarf, deshalb wäre es ihm am liebsten, im Stadtrat nicht zu entscheiden und das Vorhaben stattdessen erst noch einmal im Bauausschuss zu besprechen.

Stimmt der Stadtrat doch für einen Grundstücksverkauf, erhält die Rathauskasse Zuwachs in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro. Die Summe war eigentlich zum Stopfen eines 4,2-Millionen-Euro-Lochs für den Bau des Kraftwerkes Mitte vorgesehen. Doch Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) hatte eine entsprechende Vorlage in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses zurückgezogen. Rot-Grün-Rot konterte mit einem Gegenvorschlag und will die Lücke mit Mehreinnahmen aus der Beherbergungssteuer schließen. Dazu tagt der Finanzausschuss in einer Sondersitzung direkt vorm Stadtrat.

Thomas Löser, baupolitischer Sprecher der Grünen, geht davon aus, dass der Vorschlag da angenommen wird. „Damit wäre für das Kraftwerk der Finanzierungszwang weggefallen, und es gibt aus meiner Sicht keine Eile mehr für die Ringstraße“, sagt er. Man könne die Entscheidung noch einmal zurückstellen, um sich weitere Informationen zum Vorhaben zu holen. „Im Umfeld vom Gewandhaus ist es nicht egal, was wir dorthin bauen.“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 17 Kommentare

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  1. nick12

    Ich finde diesen Entwurf herzlich misslungen, da er genauso x-beliebig langweilig aussieht wie die bedient Neubauten gegenüber des Kulturpalastes am Altmarkt. Ich finde aber, dass die Fläche dringend bebaut werden muss und zudem der grüne Mittelstreifen der St.Petersburger ebenfalls. Dieser Teil der Innenstadt wirkt viel zu weitläufig und müsste eine dichtere Blockrandbebauung erhalten mit gelungener Architektur. Es kann nicht sein, dass das Stadtzentrum nur museal wirkt und nicht homogen. Prager Straße und Kulturareal müssen einen fließenden Übergang in die Friedrichstadt und zur Johannstadt finden, sowie südlich des HBF.s zur Uni. Sämtliche 5,6 Geschosser im Innenstadtbereich aus Nachkriegszeit abreißen und unnötige grüne Rasenflächen, die keine grüne Aufwertung darstellen(!), durch angelegte Parks und Blockrandbebauung in einem dichten homogenen Zentrum neu entdecken. Der Übergang muss fließend sein. Plattenbau nimmt Leben von der Straße. In der Innenstadt ist das fatal!

  2. tom

    Danke Rot Grün Rot für ihre Aussage, die Beherbungssteuer zur Schließung der Finanzierungslücke bei einem Bauvorhaben nutzen zu wollen. Nun haben wir es Schwarz auf Weiß was immer schon im Raum stand, das es bei der Beherbergungssteuer nicht um zum Beispiel, Geld für zusätzliche Werbung geht. Sondern nur um die Stadtkasse zu füllen. Kann man nur hoffen, das die Klage gegen diese Satzung bald vor Gericht kommt. Bei dem letzten Verfahren ist die Stadt ja auch gescheitert und musste das Geld an die Gäste zurückzahlen. Leider haben davon viel zu wenig Gäste der Stadt davon gebrauch gemacht und die Beherbungsbetriebe blieben auch auf ihren Kosten für das Berechnen der Gebühr sitzen.

  3. Rainer Meier

    Wie lange will Dresden sich noch verschandeln und dafür sehr viel Geld verschwenden? Würfelhäuser in Massen Geländer Albertbrücke Waldschlösschenbrücke Postplatz und die beginnende Neubebauung Neubau am underschönen Altbau Weißeritzstr. geplante Bebauung Königsufer Verhinderung und Ablehnung Investor Narrenhäusel use.

  4. Werner Tessmer

    Ein Hotelbau vor dm Gewandhaus ist das irreste was es gegen kann. Machen sie Grünflächen dort hin und bauen siie nicht alles zu.

  5. thomas

    @nick12: Genau! Das letzte Grün raus aus der Stadt. Dafür dann Häuser abreißen und dafür Parks bauen! Haben Sie dann auch Wohnungen für die Menschen, die dann auf der Straße sitzen...? Gott sei dank sind Sie nicht im Stadtplanungsamt!

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