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Donnerstag, 25.02.2016

Hotel Stadt Leipzig wird endlich saniert

Bis 2017 entstehen Wohnungen und Geschäfte in dem maroden Gebäude. Jetzt ist klar, warum es so lange gedauert hat.

Von Sarah Grundmann

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Die Fassade des Gebäudes soll zur Rähnitzgasse und zur Heinrichstraße nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden.
Die Fassade des Gebäudes soll zur Rähnitzgasse und zur Heinrichstraße nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden.

© Visualisierung: Seidel + Architekten

  • Die Fassade des Gebäudes soll zur Rähnitzgasse und zur Heinrichstraße nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden.
    Die Fassade des Gebäudes soll zur Rähnitzgasse und zur Heinrichstraße nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden.
  • Da es Jahrzehnte leer steht, ist das Haus mittlerweile marode und einsturzgefährdet. Deshalb ist es zurzeit von Gerüsten umgeben.
    Da es Jahrzehnte leer steht, ist das Haus mittlerweile marode und einsturzgefährdet. Deshalb ist es zurzeit von Gerüsten umgeben.

Von außen sieht das ehemalige Hotel Stadt Leipzig aus wie seit Jahren: Ein Gerüst umrankt das Gebäude, das seit den 1980er-Jahren ungenutzt ist und immer weiter verfällt. Dass die ersten Arbeiten zur Sanierung des Komplexes an der Ecke Heinrichstraße/Rähnitzgasse nun endlich begonnen haben, ist für Spaziergänger gar nicht zu sehen. Doch der Startschuss ist gefallen: Bis Ende März werden noch Ausgrabungen im Hinterhof gemacht. Danach soll mit den Arbeiten für den dort entstehenden Rohbau und der Sanierung des ehemaligen Hotels begonnen werden. Das bestätigte nun auch eine Mitarbeiterin der Stadtentwicklung, die den Bebauungsplan noch einmal im Neustädter Ortsbeirat vorstellte. Dafür waren die Politiker dankbar.

„Wir warten schon lange darauf, dass sich dort etwas tut“, sagte Ortsamtsleiter André Barth. Denn schon im Februar 2012 hatte der Investor – die Hotel Stadt Leipzig Objektgesellschaft mbH, die zum Warschauer Unternehmen Griffin Real Estate gehört – einen Bebauungsplan eingereicht. Doch dann wurde es lange still um das Projekt. Eineinhalb Jahre wurde mit der Stadt zunächst über den sogenannten Durchführungsvertrag verhandelt. Dieser legt Rechte und Pflichten des Investors fest.

Zu der Verzögerung kam es, weil es innerhalb der Firma Umstrukturierungen gegeben habe, heißt es seitens der Stadt. Außerdem habe es einen Wechsel des Architekturbüros gegeben, nun ist der Pirnaer Uwe Seidel mit der Planung beauftragt. Und auch die Frage der Finanzierung sei nach Aussagen der Stadt lange nicht klar gewesen. Immerhin werden in das Projekt rund 12 Millionen Euro gesteckt.

Gerüchte um eine Zahlungsunfähigkeit des polnischen Unternehmens hatten auch in der Neustadt schon die Runde gemacht. Denn im vergangenen Jahr erklärte der Pirnaer Gerüstbauer Thomas Oertel gegenüber der SZ, dass die Rechnungen für das Wetterschutzdach nicht beglichen worden seien. Der Abbau erfolgte umgehend, seitdem schützt nur noch eine Plane vor Regen. Zwischenzeitlich mussten auch noch weitere Arbeiten zur Sicherung erledigt werden, da das Gebäude während der Verhandlungsphase immer mehr verfiel.

Und das zähe Vorankommen hatte noch mehr Konsequenzen: Denn das Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“, mit dem das Projekt teilfinanziert werden sollte, war vor dem Zustandekommen des Durchführungsvertrags im August 2014 bereits ausgelaufen. Also musste sich der Investor zu einer Einmalzahlung von 100 000 Euro verpflichten, diese ist mittlerweile erfolgt. Danach erteilte die Stadt dem Investor eine Baugenehmigung, diese liegt seit etwa eineinhalb Jahren vor.

Warum in der Zwischenzeit nichts an dem maroden Haus passiert ist, ist unklar. Nun scheint aber alles endlich seinen Gang zu gehen. Bis Spätsommer 2017 soll das bestehende Gebäude saniert sein. Außerdem entsteht im Hinterhof, der von außen nicht einsehbar ist, ein moderner Neubau. Das Erdgeschoss des einstigen Hotels soll überwiegend Gewerbetreibenden vorbehalten sein. Drei Läden und eine Gaststätte sind geplant. In den anderen Etagen und im Neubau entstehen hingegen 26 Eigentumswohnungen und sechs Appartements. Die Hotel Stadt Leipzig Objektgesellschaft wünscht sich eine gemischte Bewohnerschaft: Von zwei bis fünf Zimmern, von 76 bis 181 Quadratmetern ist alles dabei. Die Ortsbeiräte bleiben skeptisch.

„Es kommt uns allen komisch vor, dass da nichts losgeht“, sagt Benita Horst (FDP). Zaghaft fragt sie deshalb: „Kann jetzt noch irgendetwas dazwischen kommen?“ Eine befriedigende Antwort kann die Stadt nicht geben: Zwar verpflichte sich der Investor mit dem Durchführungsvertrag, das Vorhaben innerhalb von fünf Jahren zu realisieren. Allerdings gebe es immer die Option, diese Frist zu verlängern – eine hundertprozentige Sicherheit also nie.