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Dienstag, 26.01.2016

Honorar der Planungsunternehmen vs. Zahlungsmoral der Bauauftraggeber

Interview mit Alexander Köhler von AIC Architekten Ingenieur Consult Köhler & Co. KG

Bildautor: Manfred Antranias Zimmer / Dtld.
Bildautor: Manfred Antranias Zimmer / Dtld.

Redakteur: Herr Köhler, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben.

Alexander Köhler: Sehr gern.

Redakteur: Herr Köhler, als Versicherungsmakler mit Spezialisierung auf große Planungsunternehmen werden Sie von Ihren Kunden zunehmend zur mangelhaften Zahlungsmoral der Bauherren angesprochen. Was raten Sie Ihren Kunden, wenn es darum geht, verdiente Honorare einzufordern?

Alexander Köhler: Wir raten unseren Kunden frühzeitig, also noch bevor die Werkverträge geschlossen werden, den bestehenden Versicherungsschutz um den sogenannten Vertrags- und Honorarrechtsschutz zu erweitern. AIC bietet hierfür passende Lösungen an. Im Fall eines Honorarstreits übernimmt dieser Rechtsschutz dann die Kosten für Anwälte, Gericht, Zeugen und Sachverständige - immer vorausgesetzt, dass der Baustein rechtzeitig vereinbart wurde.

Oft wird von den Auftraggebern Honorar einbehalten und dem Planungsunternehmen die Aufrechnung mit einem vermeintlichen Schaden angekündigt. Hier prüft unsere AIC-eigenen Schaden- und Rechtsabteilung, ob gegebenenfalls ein Schaden vorliegt, welcher die Berufshaftpflichtversicherung betrifft, oder ob der Auftraggeber einfach nur nicht das Honorar unseres Kunden bezahlen will und somit ein Honorarstreit angeraten ist.

Redakteur: Ein Rechtsstreit bedeutet ja nicht nur Kosten für den Kläger. Welche Erfolgsaussichten räumen Sie solchen Fällen ein?

Alexander Köhler: Die Voraussetzungen für das Gewinnen eines Honorarrechtsstreites sind für unseren Kunden optimal, wenn er im Vorfeld mit dem Bauherrn einen schriftlichen Werkvertrag geschlossen hat. Seit der Novellierung der HOAI im Jahre 2013 ist dies von besonderer inhaltlicher Bedeutung. AIC bietet hierfür seit 2011 in Kooperation mit Rechtsanwälten einen Mustervertragsservice an. Vertraglich übernommene Haftungsrisiken und aber auch klare Regeln zum Honorar können somit rechtssicher vereinbart werden. Auch wenn die Texte aus unseren Mustern z.B. bei Vertragsvorgaben durch den Bauherrn nicht immer verwendet werden können, helfen sie dennoch zur Erkennung von Passagen, bei denen der Auftraggeber unseren Kunden übervorteilen will. Zusätzlich erhalten unsere Kunden mit dem Mustervertragsservice einen oft erheblichen Beitragsnachlass zum Honorarrechtsschutz. Für besondere Bauvorhaben können die Vertragsmuster zudem individuell angepasst werden.

Redakteur: Kann man sagen, dass damit auch die Haftung des Planungsunternehmens reduziert wird?

Alexander Köhler: Alles in allem versuchen wir, das Haftungsrisiko unseres Kunden zu begrenzen. Auf Wunsch prüfen wir für unseren Kunden, ob ein vom Bauherrn vorgelegter Werkvertrag Nachteile für das Planungsunternehmen enthält. Für Passagen, in denen die Berufshaftpflicht nicht greifen würde, sowie bei Texten, die das Honorar unseres Kunden in Frage stellen, geben wir im Rahmen unserer versicherungsvertraglichen Werkvertragsprüfung entsprechende Änderungsvorschläge.

Redakteur: Kann ein Generalplaner denn seine Haftung begrenzen?

Alexander Köhler: Der Generalplaner ist letztlich für das Bauvorhaben - über Koordination, Kontrolle der Subunternehmer bis hin zum Funktionieren des letzten Lichtschalters - verantwortlich. Eine besondere Deckung über AIC sieht jedoch vor, dass nicht nur die Berufshaftpflicht des Generalplaners, sondern auch die Deckung für die Subplaner berücksichtigt wird. Sind die Versicherungssummen für das Bauvorhaben angemessen hoch, ist das unternehmerische Risiko des Generalplaners aus Sicht seiner Haftung überschaubar.

Redakteur: Welche Vereinbarungen innerhalb eines Werkvertrages sind aus Ihrer Sicht zusätzlich von besonderer Bedeutung?

Alexander Köhler: Bauherren beanspruchen für nachgelagerte Mängelbeseitigung regelmäßig einen Sicherheitseinbehalt in Höhe von 5 oder 10 % des Honorars, wollen also Teile des Honorars für den Gewährleistungszeitraum von meist fünf Jahre erst zeitversetzt bezahlen. Dem Planungsunternehmen entgehen somit liquide Mittel. Hier raten wir unseren Kunden zur Vereinbarung von sogenannten Gewährleistungsbürgschaften: Der Bauherr erhält eine Sicherheit für eventuell noch zu beseitigende Mängel von Seiten des Planungsbüros. Und unser Kunde erhält sein Honorar vollständig ausgezahlt.

Redakteur: Wie würden Sie die Auswirkungen der von Ihnen vorgeschlagen Maßnahmen bei der Gestaltung von Werkverträgen beurteilen?

Alexander Köhler: Unser Konzept für die Wahrung der Honorarinteressen unserer Kunden geht vollumfänglich auf. Sowohl im Vorfeld einer Haftpflicht, der versicherungs- und honorar-rechtlichen Ausgestaltung von Werkverträgen als auch in der Schadenbegleitung erfährt unser Kunde einen Service, welcher es ihm letztlich erlaubt, sich auf seine eigentliche Arbeit zu konzentrieren. Ganz nach dem AIC-Motto: „Sie planen und bauen - AIC sichert“.

Redakteur: Herr Köhler, ich danke Ihnen für das Interview.

Alexander Köhler: Ich danke Ihnen.