erweiterte Suche
Freitag, 22.04.2016

Hollywood rettet Lili Elbes Grab

Die intersexuelle Malerin hat eine außergewöhnliche Geschichte - bekannt geworden auch durch den Kinofilm „The Danish Girl“. An Lili Elbe wird nun wieder auf dem Trinitatisfriedhof erinnert.

Von Kay Haufe

Bild 1 von 2

Der US-amerikanische Autor David Ebershoff war am Freitag bei der Enthüllung des wiedererrichteten Grabes von Lili Elbe auf dem Trinitatisfriedhof dabei. Er hat die Biografie der außergewöhnlichen Frau geschrieben.
Der US-amerikanische Autor David Ebershoff war am Freitag bei der Enthüllung des wiedererrichteten Grabes von Lili Elbe auf dem Trinitatisfriedhof dabei. Er hat die Biografie der außergewöhnlichen Frau geschrieben.

© Christian Juppe

  • Der US-amerikanische Autor David Ebershoff war am Freitag bei der Enthüllung des wiedererrichteten Grabes von Lili Elbe auf dem Trinitatisfriedhof dabei. Er hat die Biografie der außergewöhnlichen Frau geschrieben.
    Der US-amerikanische Autor David Ebershoff war am Freitag bei der Enthüllung des wiedererrichteten Grabes von Lili Elbe auf dem Trinitatisfriedhof dabei. Er hat die Biografie der außergewöhnlichen Frau geschrieben.
  • Eine zeitgenössische Aufnahme von Lili Elbe
    Eine zeitgenössische Aufnahme von Lili Elbe

Dresden. Eine große, bunte Gemeinschaft machte sich am Freitagnachmittag auf den Weg zu einem besonderen Grab auf dem Trinitatisfriedhof. 1931 wurde Lili Elbe darin beigesetzt, die 1882 als Einar Mogens Wegener in Vejle, Dänemark, zur Welt gekommen war. Seit den 1960er-Jahren war Lilis Grab eingeebnet, doch nun ist es wieder hergerichtet. Geschmückt von einem großen Stein mit Lilis Namen sowie bunten Hornveilchen und Vergissmeinnicht.

Ermöglicht hat dies die amerikanische Filmproduktions- und Verleihgesellschaft Focus Features, die die Kosten für eine bildhauerische Neugestaltung des Grabsteines in Höhe von 4 100 Euro übernahm. Ihr Film „The Danish Girl“ erzählt die Geschichte von Lili Elbe, die sich Ende der 1920er-Jahre als Erste geschlechtsangleichenden Operationen unterzogen hat. Der Dresdner Gynäkologe Kurt Warnekros nahm mehrere davon vor. Leider verstarb Lili Elbe, die als Landschaftsmalerin bekannt war, an Komplikationen, die nach der OP auftraten.

„Damals hätte niemand vermutet, dass Lili zu einer Art Ikone der Transgenderbewegung werden würde. Ich hoffe, dass wir mit unserer Veranstaltung ein Wegzeichen setzen gegen jegliche Homophobie“, sagte Friedhofschefin Beatrice Teichmann am Freitag. Und äußerte die Hoffnung, dass es in Dresden künftig eine Straße oder einen Platz geben wird, der nach Lili Elbe benannt wird. Teichmann war es, die im vorigen Jahr Kontakt zum Filmteam aufgenommen hatte. „Es war die einmalige Chance, Spender für das lange vergessene Grab zu finden“, sagt sie. Dazu war ein Anruf nach New York nötig. Heute noch weiß Teichmann, wie aufgeregt sie war. „Doch mich erwartete eine positive Antwort. Zwar mussten viele Formulare ausgefüllt werden, aber das Geld kam.“ So etwas erlebe sie leider sehr selten.

Die Produzentin des Films, Gail Mutrux, sowie der Autor von Lili Elbes Biografie, David Ebershoff, kamen am Freitag gemeinsam mit Drehbuchautorin Lucinda Coxon ans neu errichtete Grab. „Als ich das Buch von David gelesen hatte, war ich gefesselt und wusste, dass ich den Film machen will“, sagte Mutrux. „Lili war so mutig, sie hatte Courage.“ Und der Film wurde ein großer Erfolg. Alicia Vikander, die Wegeners Frau Gerda spielt, erhielt einen Oscar für die beste weibliche Nebenrolle.

Romanautor Ebershoff erinnerte sich am Freitag an einen besonders sonnigen Septembertag des Vorjahres, als er Lilis Grab schon einmal besuchte. „Es heute hier so schön gestaltet zu sehen, macht mich sehr glücklich. Denn ich glaube, in Dresden war sie ziemlich in Vergessenheit geraten“, sagte er. Ähnlich sah das Stella Stützner, die sich in die lange Schlange der Gäste eingereiht hatte, die zu Lilis Grab liefen. „Ich bin die dritte Generation nach Lili Elbe und ich finde es traurig, dass die Stadt Dresden so wenig tut, um an sie zu erinnern“, sagt sie. „Lili ist nicht nur für Transgender etwas Besonderes.“

Die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) sprach in ihrer Rede davon, dass Deutschland ein Personenstandsgesetz und Namensrechte benötigt, die Transsexuellen Rechnung tragen. „Lili wollte als ganz normale Frau angesehen werden. Nicht mehr und nicht weniger.“

Aus gegebenem Anlass wird der oscarprämierte Film The Danish Girl nochmals am Sonntag um 11 Uhr im Programmkino Ost in Dresden zu sehen sein.