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Freitag, 13.05.2011

Holger Zastrow ist neuer FDP-Vize im Bund

Der sächsische FDP-Landesvorsitzende wurde am Freitag in die enge Parteiführung gewählt.

Von Lars Rischke

Rostock. Nun ist er es doch. Viele in der FDP hatten gezweifelt, ob sich der sächsische Landeschef Holger Zastrow als stellvertretender Bundesvorsitzender in den Dienst seiner kriselnden Partei stellen würde. Zu sehr ist der PR-Profi beruflich in seiner Werbeagentur in Dresden und in der dortigen Landespartei engagiert, zu querköpfig zeigt sich der 42-Jährige bisweilen auch.

Aber nun rückte der umtriebige Sachse am Freitag auf dem FDP-Parteitag in Rostock doch in die runderneuerte Parteispitze der Liberalen auf. Er sei dazu bereit, weil er einen „Aufbruch" erwarte, sagte Zastrow in seiner Bewerbungsrede vor den Delegierten. Mit 89,35 Prozent der Stimmen erzielte er ein starkes Ergebnis.

Er nimmt den Platz der scheidenden Parteivizechefin Cornelia Pieper aus Sachsen-Anhalt ein. Ein Quoten-Ossi will er keinesfalls sein. Doch sagte er auch, gerade als Sachse mit DDR-Erfahrungen habe er ein besonderes Gespür: „Ich wittere jede Form von Unfreiheit und jede Form von neuen sozialistischen Experimenten schon von ganz weit her" - egal ob von roter oder grüner Seite oder von der „zweiten sozialdemokratischen Partei Deutschlands", nämlich der CDU.

Unter die Fünf-Prozent-Hürde und zurück

Wie man eine Partei aus dem Tief holt, hat Zastrow zumindest in Sachsen schon demonstriert. Dort waren die Liberalen 1994 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und 1999 sogar noch weiter abgestürzt - auf blamable 1,1 Prozent. Die damalige Spitze war heillos zerstritten. Erst als Zastrow die Führung des Landesverbandes übernahm, ging es für die Liberalen im Freistaat bergauf.

2004 kehrte die Partei in den Dresdner Landtag zurück, 2009 erreichte sie mit Zastrow an der Spitze sogar zehn Prozent der Stimmen. In atemberaubendem Tempo wurde die FDP Koalitionspartner der CDU von Ministerpräsident Stanislaw Tillich.

Geholfen beim Aufstieg haben Zastrow, einem 1,96 Meter großen Mann mit breiten Schultern und einer bemerkenswert brummigen Stimme, stets ein gutes Gespür für Themen und Stimmungen, vor allem aber flotte und markige Sprüche. „Die FDP in Sachsen ist wieder auferstanden", rief er seinen Anhängern nach dem Wahlerfolg zu. Manchem in der CDU ist sein Politikstil allerdings bis heute nicht geheuer. Unionsleute stöhnen über eine „Mischung aus Skrupellosigkeit und Populismus".

Richtig rund läuft es für die FDP derzeit auch in Sachsen nicht. Umfragen zufolge müsste die Partei um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Zastrow wird all das allerdings nicht angekreidet. Erst Mitte April bestätigte ihn ein Landesparteitag mit 95,6 Prozent Zustimmung im Amt.

Gegen Wulff für Gauck

In Kontakt mit der Politik kam Zastrow, der in Dresden aufwuchs, 1989 als Mitbegründer der FDP-Nachwuchsorganisation Jungliberale Aktion (Julia). Vier Jahre später trat er in die FDP ein. Seine Werbeagentur baute er nach einem Wirtschaftsstudium auf. Sie war auch der Grund, warum er nicht in Tillichs Kabinett eintrat. Er habe Verantwortung für seine Mitarbeiter, erklärte er damals.

Dass er einen eigenen Kopf hat, zeigte sich auch bei der Wahl des Bundespräsidenten. Zastrow und zwei weitere sächsische FDP-Vertreter stimmten Mitte 2010 nicht für Christian Wulff, den gemeinsamen Kandidaten von Union und FDP, sondern für Joachim Gauck. „Besondere Zeiten brauchen besondere Persönlichkeiten", sagte Zastrow damals. (dapd)