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Freitag, 11.03.2011

Hoher Steuernachteil durch Softwarefehler

Böse Falle Steuererklärung: Falsche Angaben in der Lohnsteuerbescheinigung können Einbußen von über tausend Euro bedeuten.

Von Andreas Rentsch

Mehrere Millionen freiwillig gesetzlich Krankenversicherte und Privatversicherte müssen wegen einer fehlerhaften Lohnsteuerbescheinigung für 2010 möglicherweise zu viele Steuern bezahlen. Davor warnt der Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring Deutschland. Demnach verschickten derzeit viele Arbeitgeber Lohnsteuerbescheinigungen, in denen Vorsorgeaufwendungen nicht korrekt angegeben sind. Schuld ist ein nicht rechtzeitig bemerkter Softwarefehler. Betroffenen Angestellten droht damit eine Steuerersparnis von durchschnittlich tausend Euro zu entgehen. Die SZ erklärt, wer jetzt reagieren muss.

Welche Arbeitnehmer sind vom Problem betroffen?

Laut Einschätzung der Steuerexperten geht es um mehrere Millionen Steuerzahler, die entweder freiwillig gesetzlich versichert sind oder die im vergangenen Jahr von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechselten. Das heißt, es geht um jährliche Bruttoeinkommen von über 45.000 Euro.

Wie sich zeigt, berücksichtigt die Lohnsoftware vieler Anbieter eine Gesetzesänderung nicht korrekt. Wurden Sozialversicherungsbeiträge bisher in einer Summe zusammengefasst, müssen sie jetzt einzeln aufgeführt werden. Diese neuen Eintragungen erscheinen in den Zeilen 25 bis 28 der Lohnsteuerbescheinigung. Hier liege der Fehler, warnt Rudolf Gramlich vom Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring. „Aktuell werden in den Zeilen 25 und 26 nur die dem Arbeitnehmer verbleibenden Anteile bescheinigt – tatsächlich aber müssten die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteile eingetragen werden.“ Bei der Veranlagung durch das Finanzamt kann der Fehler zu Einbußen von tausend Euro und mehr führen.

Entscheidend ist laut Gramlich die Zeile 24 der Bescheinigung, „Steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung“. Steht dort ein Betrag, müsse dieser mit der Summe der Zeilen 25 und 26 verglichen werden. „Ist der Gesamtbetrag ungefähr doppelt so hoch wie der Eintrag in Zeile 24, stimmt Ihre Lohnsteuerbescheinigung. Ist er ungefähr gleich hoch wie in Zeile 24, sollten Sie die Beträge überprüfen lassen.“

Was unternimmt man gegen falsche Bescheinigungen?

Die Betroffenen sollten sich an ihren Arbeitgeber wenden und darum bitten, die falsch eingetragenen Beträge zu korrigieren, um sie dann erneut an die Finanzverwaltung zu übermitteln, schlägt der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine vor. Das Finanzamt greife schließlich in aller Regel auf die aktuellsten Angaben aus dem zentralen Datenspeicher zu, erklärt Steuerexperte Gramlich.

Wie reagieren die Verantwortlichen?

Man schiebt sich gegenseitig die Schuld zu. Die Anbieter von Lohn- und Gehaltssoftware erklären, es habe keinen Zweifel daran gegeben, dass „wie bei den gesetzlich Versicherten der Arbeitnehmerbeitrag ohne den Arbeitgeberzuschuss zu bescheinigen sei“, erklärt der IT-Dienstleister Datev. Die Finanzverwaltung ging dagegen davon aus, dass eine Gesamtsumme, also Arbeitnehmerbeitrag plus Arbeitgeberzuschuss, ausgewiesen werde. Sei dies nicht passiert, müsse die korrigierte Bescheinigung erneut übermittelt und dem Arbeitnehmer ein korrigierter Ausdruck ausgehändigt werden, „wenn dies wirtschaftlich zumutbar erscheint“, heißt es in einer Mitteilung des Bundesfinanzministeriums. Die Datev AG hat nun angekündigt, ihren Kunden das passende Software-Update in den nächsten Tagen zur Verfügung zu stellen. Der eigentliche Koorekturaufwand liege bei den Arbeitgebern, sagt Firmensprecherin Claudia Specht.