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Hohe Ansprüche an Tag der Sachsen

Befeuert der Löbauer Erfolg die Pläne der Görlitzer, sich zu bewerben? Oder wirft Weißwasser den Hut in den Ring?

06.10.2017
Von Daniela Pfeiffer und Thomas Staudt

rüche an Tag der Sachsen
OB Torsten Pötzsch willl den Tag der Sachsen noch einmal nach Weißwasser holen. Doch auch Görlitz hat großes Interesse.

© Jens Trenkler

Hochzufrieden gab sich Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz kurz nach dem Tag der Sachsen. Er hat seiner Stadt Anerkennung und Interesse beschert. Nachfragen nach Prospekten seien spürbar gestiegen. Vom gelungenen Fest ganz abgesehen. Löbau hat nun also binnen weniger Jahre mit Landesgartenschau und Tag der Sachsen zwei der ganz großen Veranstaltungen stemmen können.

In Weißwasser hatte die Ausrichtung des Tags der Sachsen 2005 eine regelrechte Euphorie ausgelöst, die fast zehn Jahre später noch anhielt. Als 2014 die Pläne für eine Bundesgartenschau (Buga) beziehungsweise eine Internationale Gartenbauausstellung (IGA) beerdigt wurden, kam die Idee auf, stattdessen ein etwas überschaubareres Veranstaltungsformat in den Blick zu nehmen. Das zuständige Gremium wollte von einer weiteren Bewerbung für den Tag der Sachsen nichts wissen. Weißwasser solle sich gedulden, bis all diejenigen Gemeinden an der Reihe waren, die bei der Ausrichtung noch nicht zum Zuge gekommen sind, hieß es. Noch stehen ein paar Kandidaten auf der Liste, dann könnte Weißwasser seinen Hut erneut in den Ring werfen. Wenn die Stadt bereits bei der Bewerbung die Nähe zu Polen und die Städtepartnerschaft mit Zary konzeptuell einbeziehe, könnte das für Weißwasser sprechen, so Oberbürgermeister Torsten Pötzsch.

Beides spräche in noch viel stärkerem Maße für Görlitz. Auch die Neißestadt hat den Tag der Sachsen 1993 bereits ausgerichtet. Für einen zweiten hält sich im Stadtrat die Euphorie eher in Grenzen. Für Renate Schwarze von der SPD sollte eine erneute Bewerbung das Geld ausschlaggebend sein. Es sei kein Geheimnis, dass in der Regel der Ausrichter selbst über die Förderung des Freistaates hinaus hohe finanzielle Beträge selbst stemmen muss, die für den Haushalt hohe Risiken bergen. Und immerhin habe Görlitz Altstadtfest, Viathea, Christkindelmarkt, Europamarathon, Theater, Synagoge, Stadthalle – all dies würde auch in die Region und darüber hinaus ausstrahlen und die finanzielle Unterstützung der Stadt benötigen. Nicht zu vergessen das 950-jährige Stadtjubiläum 2021, dem verstärkt Aufmerksamkeit gelten sollte. „Unsere Fraktion wird aus den genannten Gründen einer Bewerbung nicht zustimmen“, so Renate Schwarze.

Aber gerade das Stadtjubiläum sehen andere als große Chance. Dies mit dem Tag der Sachsen zu verbinden, wäre doch überhaupt die Idee schlechthin, findet Thomas Leder von der CDU. „Da könnte man das Fluidum des Altstadtfestes, von dem ja alle immer so schwärmen, gleich mal ganz Sachsen zeigen“, findet Thomas Leder. Am liebsten wäre ihm da schon das Jubiläumsjahr 2021, „da könnte man es richtig krachen lassen“.

Aber das hat die Mehrheit der Räte bislang nicht so gesehen. Größere Diskussionen um eine Bewerbung gab es im Stadtrat vor einem Jahr. Vor den Räten erklärte Deinege, es solle eine Übersicht der Kosten und Einnahmen erstellt werden. Auch das Gespräch mit der Bürgerschaft wolle er suchen. Mehr war seitdem seitens der Verwaltung nicht zu hören. Octavian Ursu (CDU), einer der Verfechter des Sachsentages, kämpft weiter dafür. Thorsten Ahrens (Die Linke) dagegen findet. Görlitz habe ein hohes Niveau bei der touristischen Vermarktung erreicht, die chronische Unterfinanzierung von Viathea und Co. gefährde aber leider bereits den hart erarbeiteten, guten Ruf. „Da wäre ein schlecht konzipierter Tag der Sachsen eher schädlich.“