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Hoffnung für die Volksbank-Kunden

Die Bank hat eine Lösung gefunden, wie Kittlitzer und Großhennersdorfer weiter Geld in ihren Orten abheben können.

07.10.2017
Von C. Junghanss und A. Beutler

für die Volksbank-Kunden
Wolfgang Zürn (links), Vorstandsvorsitzender der Volksbank Löbau-Zittau, nimmt von Andreas Zimmermann (Kittlitzer Vereine), Bernhard Locke (Gewerbetreibender), Heidemarie Fischer (Kreisseniorenrat) und Uwe Wislienus, Stadtrat, Gewerbetreibender, (von rechts) die Unterschriftenliste der Kittlitzer für den Erhalt der Volksbank im Ort entgegen.

© Bernd Gärtner

Knapp eine halbe Stunde Autofahrt liegen zwischen Kittlitz und Großhennersdorf. Und doch plagt beide Orte die gleiche Sorge: Wo kann man noch Geld abheben, wenn die Volksbank im Frühjahr 2018 ihren Geldautomaten vor Ort abschraubt? Genau das hat die Bank in diesem Sommer angekündigt und seitdem regt sich Widerstand: In Kittlitz sammelte Andreas Zimmermann gemeinsam mit weiteren Mitstreitern aus dem Ort Unterschriften, um – wie er sagt – einen Hebel anzusetzen und zu protestieren. Die Listen wurden nun vor wenigen Tagen in der Hauptgeschäftsstelle der Volksbank Löbau-Zittau eG in Neugersdorf an den Vorstand überreicht. „630 Unterschriften sind zusammengekommen“, sagt Andreas Zimmermann. Begonnen zu sammeln hatten die Kittlitzer beim Schloss- und Parkfest Ende August. Am Ende sprachen sich rund ein Viertel der Einwohner für den Erhalt ihres Geldinstituts im Ort aus, wenn man als Vergleich die letzten separaten Einwohnerzahlen des Ortes von 2002 nimmt.

Auch in Herrnhut hatte es viel Aufregung gegeben. Im September-Stadtrat war die Entscheidung der Bank kontrovers diskutiert und deutlich kritisiert worden. Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) hatte bereits Kontakt zum Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Zürn aufgenommen. Und der Stadtrat sandte ein zusätzliches Protestsignal. Und auch bei den Bürgern regt sich Widerstand gegen den vermeintlich unveränderlichen Beschluss. Was auch immer am Ende den Ausschlag gegeben hat – eine Lösung ist nun tatsächlich in greifbarer Nähe.

Das erklärte jedenfalls der Vorstandsvorsitzende der Volksbank, Wolfgang Zürn, nun auf SZ-Nachfrage. Die Volksbank habe nach einigen Recherchen einen externen Bankautomatenbetreiber gefunden, der in den beiden Orten einen Automaten installieren werde. „Das ist dann so wie auf Bahnhöfen oder Flughäfen“, erklärt der Volksbank-Vorstand. Mit dem Anbieter, der in ganz Deutschland und auch europaweit Tausende solcher Automaten betreibt, sei man übereingekommen und habe gute Konditionen für die eigenen Kunden ausgehandelt: „Sie werden als Volksbankkunde für das Abheben 50 Cent zahlen, den Rest tragen wir“, sagt Zürn. Im Vergleich dazu müssen Kunden anderer Banken 3,95 Euro pro Auszahlung entrichten.

Bevor diese Lösung gefunden war, hatte die Bank allerdings noch andere Varianten erwogen: „Schon parallel zu den Gesprächen mit dem Herrnhuter Bürgermeister haben wir nach einer Lösung gesucht“, betont Zürn. Es ging um die Frage, ob man nicht bei einem anderen Unternehmen im Ort, einem Händler oder Supermarkt das Bankgeschäft unterbringen kann. „Wir haben schnell gemerkt, dass dies in Kittlitz und Großhennersdorf nicht möglich ist“, resümmiert Wolfgang Zürn. Auch eine fahrbare Filiale – wie bei der Sparkasse – war erwogen worden. „Ich bin glücklich, dass wir nun diese Möglichkeit gefunden haben und nicht ein Bus durch die Orte fährt“, sagt der Vorstandsvorsitzende dazu.

Wann und wo genau die Automaten angebracht werden, ist noch nicht im letzten Detail klar. Fest steht aber, dass die bisherigen Bankautomaten erst dann abgebaut werden, wenn die neuen vor Ort sind, damit für die Kunden keine Lücke entsteht. Möglicherweise ist diese – in der Region neue Lösung – bald auch an anderen Orten eine Alternative, schätzt Zürn ein. Denn mit den aktuellen Herausforderungen – dem derzeitigen Zinsniveau und der zunehmenden Digitalisierung, also dem Online-Banking – haben alle Kreditinstitute zu kämpfen. Die derzeitige Lage war auch der Grund für die Entscheidung, dass es in Kittlitz und Großhennersdorf nicht so weitergehen könne wie bisher.