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Montag, 25.09.2017

Höchste Zeit für einen Neuanfang

Annette Binninger über die hohen Werte der AfD in Sachsen

Annette Binninger
Annette Binninger

© Robert Michael

Sachsen erlebt sein „blaues Wunder“. Mit 27 Prozent erreicht die AfD im Freistaat den höchsten Wert im Länder-Vergleich. Sie stößt die CDU in vielen Gemeinden vom angestammten Thron und wird sogar stärkste Kraft. Über Nacht hat die AfD die gewohnte Parteienlandschaft im Freistaat auf den Kopf gestellt. Und wer bisher in der Union, aber auch bei allen anderen Parteien noch nicht begriffen hat, dass sich jetzt etwas ändern muss, der verschläft die neue politische Realität.

Die AfD hat auch in Sachsen erfolgreich den Protest eingesammelt – von ganz links bis ganz rechts. Die Spitzenvertreter der Partei haben dabei keine Rücksicht genommen – weder auf Regeln des Anstands noch der Mitmenschlichkeit. Einige haben bewusst mit ausländerfeindlichen Parolen und rassistischer Hetze gespielt und die vor allem durch die Flüchtlingskrise noch immer spürbare Verunsicherung und Verärgerung im Wahlvolk für sich genutzt. Das erste Ziel, die AfD so als Machtfaktor aufzubauen, haben die Funktionäre erreicht. Sie haben damit aber auch das Land tief gespalten. Und wie nun weiter?

Es ist höchste Zeit für einen Neuanfang – vor allem im Umgang mit vielen AfD-Wählern. Sie alle pauschal als Nazis zu beschimpfen, ist zu einfach und einfach falsch. Wählerbeschimpfung hilft nicht weiter.

Die AfD wird überall dort groß, wo Menschen existenzielle Fragen nicht plausibel gelöst sehen durch die etablierten Parteien. Genau dort muss man ansetzen. Sachsen hat noch zwei Jahre Zeit bis zur nächsten Landtagswahl. Ein schlichtes „Weiter so“ reicht da nicht. Der Wähler fordert Mehr. Und vor allem: eine andere Art von Politik.

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