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Mittwoch, 04.10.2017

Hochhaus stutzen – Grün nutzen

Die Initiative Stadtbild Dresden präsentiert die nächste Vision einer umgebauten Innenstadt. Diesmal wagen sich die Planer an den Pirnaischen Platz und dessen einstigen Hingucker.

Der Kaiserpalast neben einem Neubau anstelle des umstrittenen Hochhauses.
Der Kaiserpalast neben einem Neubau anstelle des umstrittenen Hochhauses.

© Stadtbild DD

Dresden. Sie nennen ihn „Unort“. In den Augen der Initiative Stadtbild DD fungiert der Pirnaische Platz maximal als „Verkehrsknotenpunkt“. Er entbehre jeglicher Bedeutung für das doch so nahe „kulturhistorische Zentrum“, schreiben die privatmotivierten Stadtplaner in ihrem jüngsten Positionspapier. Das sei ein bedauerlicher Zustand, einer potenziellen „Kulturhauptstadt Europas“ unwürdig und sollte im Rahmen einer „Neuordnung des Stadtraumes“ überdacht werden.

Ideen für einen neugestalteten Pirnaischen Platz liefern die Stadt-Strategen natürlich gleich mit. Markanteste Innovation im Sinne der Restauration: Der Kaiserpalast könnte auf einem Grünstreifen der St. Petersburger Straße wieder auferstehen. Denn von den Wiesen gebe es auf der Kreuzung genug, bei der alten verkehrsorientierten DDR-Planung handle es sich reine Platzverschwendung.

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Damit der Kaiserpalast auch zur Geltung kommt, würde das momentan intensiv diskutierte Hochhaus an der Ecke Grunaer Straße entweder arg gestutzt oder müsste gleich ganz verschwinden, zugunsten eines arkadenlastigen Wohn- und Geschäftsriegels – sogenannte Blockrandbebauung im großen Stil.


Der Pirnaische Platz mit Blick aufs Hochhaus. Foto StadtbilDD

Im „Anknüpfen an den Vorkriegszustand“ sehen die Stadt-Bildner die einzige vernünftige Lösung für die Gestaltung des Platzes. Und wo sie schon einmal dabei sind, werden der benachbarte Plätze von Rathenau und Georg gleich mit saniert.


Der Pirnaische Platz vor 1945 mit dem gekrönten Kaiserpalast. Repro: StadtbilDD

Oberbürgermeister Dirk Hilbert soll sich nach Ansicht der Initiative der Diskussion annehmen und bei der Gelegenheit gleich die Sanierung des umstrittenen Hochhauses aussetzen. Zwar gibt es noch keinen Bauantrag für die Eigentümer des 14-Geschossers, doch Projektentwickler Stefan Stift aus Berlin hat gegenwärtig trotzdem einiges zu tun: mit seinen Planungen sowie der städtisch verordneten Zwangsräumung.

Einige Beispiele aus dem Konzept:
„Der Parkplatz vor dem Polizeipräsidium wird durch eine kleinteilige Bebauung und einer Kleinparkanlage als Teil des Promenadenringes einer neuen städtebaulichen, positiven Funktion zugeführt. Der Anschluss des Rathenauplatzes und der Belebung der Bebauung des östlich anschließenden Brachbereiches stellen ebenso einen Kommunikationsbereich des Einflusses des Pirnaischen Platzes auf das gesamte Areal dar.“


Die Grafik zeigt bestehende Bauten und Neuheiten (gelb). Visualisierung: StadtbilDD

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„Die entstehende Lingnerstadt wird durch Anschlussbebauungen zum Pirnaischen Platz als organischer Bestandteil der Stadt erlebbar. Durch den möglichen Abbruch des TLG-Riegels sind auf den historischen Straßenzügen weitere Bebauungen möglich, die den bestehenden Gebäuden eine Rahmung geben und dem Stadtraum selbst wieder das Erlebnis Stadt zu sein.“

„Blickfang und Kontrapunkt, sowie Bruch wird der Neubau des Kaiserpalastes auf dem Platz werden. Moderne, mutige und hochwertige Architekturen sollten das gesamte Gebiet zukunftsorientiert und städtebaulich fördernd für die Stadt gewinnbringend gestalten.“ (szo/stb)


Aktueller Stadtplan (o.l.) und historischer (o.r.) übereinandergelegt (u.l.) und optimiert (u.r.). Visualisierung: StadtbilDD