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Mittwoch, 04.10.2017

Hoch hinaus im Wasserturm

Die Stadt Bautzen will das Ensemble rund um die Ruine attraktiver machen – und benötigt dafür eine Wendeltreppe.

Von Marleen Hollenbach

Die Stadt Bautzen bekommt eine neue Attraktion. Über eine Treppe aus Stahl gelangen Besucher bald hinauf bis in die Kuppel des alten Wasserturms.
Die Stadt Bautzen bekommt eine neue Attraktion. Über eine Treppe aus Stahl gelangen Besucher bald hinauf bis in die Kuppel des alten Wasserturms.

© Wolfgang Wittchen

Bautzen. Viel gibt es nicht mehr zu tun an Bautzens Mönchskirchruine. Aus einem Radio dröhnt Musik, ansonsten ist es ruhig auf dem Gelände an der Brüdergasse. Die Bauleute haben eine kurze Mittagspause eingelegt. In den vergangenen Monaten sind sie ein großes Stück vorangekommen. Vorsichtig haben sie die Mauern des Klosterbaus aus dem 13. Jahrhundert gesichert, die Lücken mit extra geformten Steinen gefüllt, das Lärchenholz des Wasserturms mit Leinöl gestrichen, das Dach gedeckt. Nur wenige Arbeiten stehen in diesem Jahr noch auf der Liste. Doch nun kommt eine komplett neue Aufgabe hinzu.

Die Stadt Bautzen hat beschlossen, dass künftig auch der Wasserbehälter des knapp 40 Meter hohen Turms begehbar sein soll. Damit das möglich ist, werden die Handwerker eine Wendeltreppe aus Stahl in den Turm einbauen. Die Treppe wird die Besucher von der oberen Plattform hinauf in den ehemaligen Wasserbehälter führen. „Die Gäste können also einen Blick ins Innere der Kuppel werfen“, erklärt Falko Wendler, Chef des Hoch- und Tiefbauamtes der Stadt. Damit der Behälter tatsächlich zur neuen Attraktion wird, muss er zuvor jedoch gereinigt und mit Licht versehen werden. Billig ist das nicht. Für das Vorhaben rechnet die Stadt mit 23 000 Euro.

Ein Ort für Veranstaltungen

Es ist nicht der einzige Betrag, der während der Bauzeit dazugekommen ist. So sind beispielsweise die Kosten für die aufwendige Verlegung der Leitungen im Turm um 22 000 Euro gestiegen. Hinzu kommen rund 5 000 Euro für eine Treppe aus Holz, die den Mittelhof und den Turmhof verbindet. „Bei einer solch großen Maßnahme ist es nicht ungewöhnlich, dass die Kosten ein wenig steigen“, erklärt Wendler.

Anderthalb Millionen Euro wird die Sicherung des gesamten Ensembles verschlingen. Die Hälfte des Geldes kommt dabei aus Fördertöpfen von Bund und Land. Den Rest zahlt die Stadt Bautzen, die mit der Investition nicht nur ein altehrwürdiges Gebäude erhält. Die Mönchskirchruine soll auch genutzt werden. Führungen sind möglich – und auch Veranstaltungen. Dafür werden im Wasserturm Toiletten eingebaut. Schon jetzt gibt es viele Visionen für die zukünftige Nutzung: ein Kino mit Leinwand und Überdachung, ein kleiner Theaterbereich, Mittelalterfeste und Trauungen gehören zu den ersten Ideen. Doch noch ist offen, was davon im alten Wasserturm und in den Höfen zwischen den Klostermauern umgesetzt wird.

Kleine Räume, schmale Fenster

Fest steht aber: Mit der Treppe soll auch der Wasserturm für Besucher noch attraktiver werden. Es geht darum, den Gästen die Bedeutung des technischen Denkmals zu vermitteln. Errichtet wurde der Wasserturm 1877, der von Anfang an eine praktische und zugleich wichtige Aufgabe hatte. Er versorgte die Stadt mit Wasser. Gespeist wurde der Turm von der Alten Wasserkunst. Auf der einen Seite pumpte man das Wasser hoch, auf der anderen Seite ließ man es für die Stadtbewohner wieder herunter. 1 000 Kubikmeter passten damals in den großen Behälter. Doch genutzt wird der schon lange nicht mehr. Im Jahr 1979 wurde der Wasserturm stillgelegt.

Still wird es in der Kuppel bald nicht mehr sein, wenn die Besucher die oberen Etagen des Denkmals erobern. „Das ist aber kein Aussichtsturm“, erklärt Jens Seiffert. Der Abteilungsleiter des städtischen Hochbauamtes weiß genau, wie es oben im Turm aussieht. Unter dem Wasserbehälter befinden sich kleine Räume mit nur schmalen, länglichen Fenstern.

Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten an der Mönchskirchruine abgeschlossen sein. Wenn nicht noch Unerwartetes dazwischen kommt. Überraschungen erlebten die Planer schon einige. Denn auf dem Areal haben sie nicht nur mit alten Mauern und dem Denkmalschutz zu tun. Auch auf die neuen Bewohner müssen die Bauarbeiter achten. Zum Beispiel auf die Dohlen. Die nisteten in den langen Fenstern des Turms. Damit sie sich auch nach der Sanierung wohl fühlen, wurden ihre Nistkästen ein paar Meter nach oben in die Holzverkleidung gesetzt. Auch auf die Fledermäuse haben die Planer Rücksicht genommen. Für sie soll es extra ein Winterquartier geben. Ein Keller auf dem Gelände könnte ihr neuer Rückzugsort werden.