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Montag, 30.03.2009

Hobbyforscher liefert Zeugen für Tiefflieger

Gert Bürgel stellte auf dem Dresdner Geschichtsmarkt seine Zeitzeugen-Sammlung zum 14. Februar 1945 vor. Im Vortragsprogramm aber kam er nicht vor.

Von Peter Ufer

Und es gab sie doch. Mit dieser These stand Gert Bürgel am Wochenende auf dem Dresdner Geschichtsmarkt. „Tiefflieger 1945“ war sein Stand im Foyer der Fakultät für Informatik überschrieben.

Der 64-jährige Dresdner hat in den vergangenen drei Jahren fast 80Zeitzeugen gehört und ist sich jetzt sicher: Am Vormittag des 14.Februar 1945, zwischen 10 und 11Uhr, flogen Tiefflieger über die Elbwiesen. Damit widerspricht er den Forschungsergebnissen etablierter Historiker wie Götz Bergander oder Helmut Schnatz. Aber das ist dem früheren Ingenieur vor allem Ansporn. „Ich kann es nicht ertragen, wenn es genug Zeitzeugen gibt, die gesehen haben wie es war, aber die Historiker ihnen keinen Glauben schenken“, sagt Gert Bürgel.

Drei bis vier Jagdflugzeuge

60 seiner Zeitzeugen redeten nicht nur über das, was sie erlebt haben, sondern zeichneten in einen Stadtplan ein, wo sie die Flugzeuge gesehen haben. Zwischen Zwinger und Schloss Albrechtsberg befinden sich die meisten Pfeile auf Bürgels Tiefflieger-Stadtplan. „Auffallend dabei ist“, sagt Bürgel, „dass sich die Zeitzeugen an den Elbwiesen aufhielten, nur wenige in der Umgebung des Großen Gartens.“

Drei bis vier Jagdflugzeuge seien es gewesen, die wenigstens dreimal das Gebiet der Elbauen vom Ostra-Gehege bis nach Laubegast und die südlichen Bereiche Dresdens überflogen. Dabei sei mit Bordwaffen geschossen worden. Von Toten und Verwundeten hätten die Zeitzeugen ebenfalls erzählt.

Gert Bürgel weiß, dass er mit seiner Arbeit gegen die offizielle Meinung schwimmt. Vielleicht ist das auch der Grund, warum er zwar seine Thesen auf dem Markt vorstellen durfte. Im Vortragsprogramm des Geschichtsmarktes jedoch wurde er nicht berücksichtigt. Dort hätte er sagen wollen, dass seine Zeitzeugensammlung vor allem dazu dienen soll, dass sich die Geschichtsforschung des Themas annehmen soll. „Bisher wird dies einfach ignoriert und als Irrtum der Zeitzeugen abgetan. Das darf nicht sein“, sagt Bürgel.

In seinem Begleitheft schreibt Bürgel, dass vor allem der Historiker Schnatz die Erinnerungen der Dresdner Augenzeugen als „Truggespinst“ und „zählebige Legenden“ bezeichnete. Lange habe er mit dem Wissenschaftler darüber diskutiert, doch irgendwann den Kontakt abgebrochen, weil Schnatz mehr auf Akten höre als auf Menschen und ihre Erlebnisse. Bürgel weiß bis heute nicht, wo die Flugzeuge herkamen und ob es englische oder amerikanische Piloten waren. Aber für die Erforschung dessen will er den Anstoß geben.

Über 400 Marktbesucher

Mit seiner Zeitzeugensammlung gehörte der Hobbyhistoriker zu 35 Dresdnern, 14Vereinen und sieben Verlagen, die sich am Sonnabend und Sonntag auf dem 5. Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten vorstellten. In den 15Vorträgen ging es unter anderem um die Prager Straße im Wandel der Zeit, um die Übigauer Industriegeschichte, Dresdner Postämter in den USA oder die Sagen im Schönfelder Hochland.

Gert Bürgel muss vielen der über 400 Besucher immer wieder seine Thesen erklären. Und viele Gäste teilen seine Meinung über die Tiefflieger am Vormittag des 14.Februar 1945. Und es gab sie doch.